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Mit ihm gings zum Mond

Schon als Kind hat Walter Häussermann mit Raketen gespielt: mit Weinbergraketen. Der aus Künzelsau stammende Ingenieur, der einst in Hall zur Schule ging, gehörte später zum Team von Wernher von Braun.

MATTHIAS STOLLA ... | 0 Meinungen

Dass die Amerikaner im Juli 1969 auf dem Mond landeten, ist auch das Verdienst von Walter Häussermann. Dass die Vernichtungswaffe V2 des Nazi-Regimes ihre Ziele in London und Antwerpen traf, allerdings auch. Der gebürtige Künzelsauer und Raketenpionier Walter Häussermann war ein enger Mitarbeiter von Wernher von Braun im US-Raumfahrtprogramm. Wie erst jetzt zu erfahren war, ist er am 8. Dezember Im Alter von 96 Jahren in Huntsville im US-Bundesstaat Alabama an den Folgen eines Sturzes gestorben.

Die in Heilbronn lebende Künzelsauerin Margret Maier-Hägele hatte regelmäßig Briefkontakt mit Häussermann. Sei hatte ihm im Dezember geschrieben, der Brief sei aber ungeöffnet wieder zurückgekommen. Ein nachbar habe sie informiert, dass Häussermann gestorben sei, berichtet sie. Häussermanns bettlägerige Frau Ruth lebe noch.

Vor einem Jahr hatte Walter Häussermann ein Interview zu seinem 96. Geburtstag am 2. März gegeben und auch von seiner Jugend in Künzelsau erzählt. Dort wurde er 1914 als Sohn des Eisenwarenhändlers Otto Häussermann geboren. Schon früh habe er sich für Raketen interessiert, berichtete er. Als Kind spielte er mit Weinbergraketen, wollte damit ein Wägelchen antreiben. Aber die Schubkraft war zu schwach: "Ich habe mich dann darauf beschränkt, Bücher über Raketen zu lesen."

Von 1928 bis 1932 besuchte Häussermann die Oberrealschule in Hall. Gute Erinnerungen hatte er an seinen Mathematiklehrer Dr. Jäckle, den Deutschlehrer Dr. Kost, Dr. Siegler (darstellende Geometrie) und den Physiklehrer Dr. Keller, mit dem er die praktischen Versuche für den nächsten Tag vorbereitete.

An den Technischen Universitäten Stuttgart und Darmstadt studierte er Elektrotechnik und promovierte in Physik. Nach Kriegsausbruch wurde er 1939 zur Heeresversuchsanstalt Peenemünde dienstverpflichtet. Unter der Leitung Wernher von Brauns wurde dort die Entwicklung der A-Raketenserie vorangetrieben. Gut zwei Jahre arbeitete der Hohenloher an Steuerungen, Beschleunigungsmessern und entwickelte Simulatoren sowie analoge Computer, um Steuerungs- und Kontrollsysteme zu testen. 1942 verließ Häussermann Peenemünde, um wieder an der TH Darmstadt zu arbeiten. Der Russlandfeldzug hatte ihn veranlasst, sich nach Westen abzusetzen - "ich hatte keine Hoffnung, dass das gut ausgehen könnte", sagte er einst.

Nach Kriegsende übernahmen die USA viele deutsche Raketeningenieure, so kam Häussermann im Januar 1948 nach Amerika. Dort war er für die Entwicklung und Verbesserung der Raketensteuerung zuständig, machte entscheidende Erfindungen und entwickelte das Kreiselkompass-System. An sämtlichen Mondflügen war er beteiligt und gehörte zum Nasa-Team im Weltraumbahnhof Cape Canaveral. Die Raumstation Spacelab hat er mitentwickelt.

Bis vor zehn Jahren hat Häussermann immer wieder das Kochertal besucht. Dass mit Alexander Gerst im Jahr 2013 erstmals ein Künzelsauer ins All fliegen soll, erfuhr er kurz vor seinem 96. Geburtstag. "Das ist erstaunlich", sagte er damals, "und es freut mich natürlich."

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