INTERVIEW · FLORIAN SILBEREISEN: "2010 war ein gutes Jahr für mich"

Ein Leben für die Bühne, das ist es, was Florian Silbereisen umtreibt. Der Moderator ("Fest der Volksmusik", ARD) ist ein umtriebiger Mann und war jetzt in Stuttgart. Zeit für ein Gespräch.

Adventszeit, stille Zeit. Galt das auch für den Showmaster Florian Silbereisen?

FLORIAN SILBEREISEN: Schön wärs. Interviews geben, Termine für meine Fernsehshows im nächsten Jahr abstimmen, die Vorbereitungen fürs "Winterfest" abschließen, Tourneeplanungen und Weihnachtskarten schreiben, alles wenig besinnlich, sondern Arbeit.

Wie sieht Ihre berufliche Bilanz für das Jahr 2010 aus?

SILBEREISEN: Ich bin sehr zufrieden. 2010 war für mich ein Jahr, in dem wir die Fernsehshow weiter entwickelt haben, woran das ganze Team übrigens ständig arbeitet. Ich glaube, wir bewegen uns in die richtige Richtung. Immerhin haben wir mit den "Festen der Volksmusik" in der ARD einen durchschnittlichen Marktanteil von 20 Prozent. Sehr gut lief auch meine "Frühlingsfest-Tournee".

Ist die Quote auch für Sie das alles entscheidende Kriterium für Erfolg oder Misserfolg?

SILBEREISEN: In erster Linie mache ich natürlich die Sendung für all die Menschen, die zuschauen. Aber natürlich ist mir lieber, wenn sechs Millionen zuschauen statt nur vier. An irgendwas muss man sich ja auch messen und erfreulicherweise können wir sagen, wir sind die erfolgreichste Musik-Unterhaltungsshow in der ARD. Ein schönes Gefühl.

Was macht den Erfolg aus? Das richtige Konzept?

SILBEREISEN: Mit Sicherheit spielen da viele Faktoren zusammen. Das genau zu analysieren, ist für mich schwierig. Man müsste letztendlich die Zuschauer fragen, aber ich denke schon, dass der Zuschauer merkt, dass sich bei dieser Show viele Menschen hinter den Kulissen und im Vorfeld sehr viele Gedanken machen, dass fleißig und intensiv gearbeitet wird und dass mit Sicherheit auch viel Herzblut drinsteckt. Sowohl von der redaktionellen Seite als auch von künstlerischer Seite. Nehmen wir als Beispiel das letzte "Adventsfest". Ich glaube, dass diese liebevolle Art der Umsetzung auch der einzelnen Musiktitel beispiellos bleiben wird. Wir haben nur den Donnerstag und den Freitag als Probentage, und trotz dieser nur zwei Probentage präsentieren wir ja schon fast jeden Musiktitel als Videoclip. Diese Liebe zum Detail wird zu Hause vor dem Fernseher sicherlich wahrgenommen.

Gibt es denn einen Künstler, den Sie noch nicht in der Show hatten, aber gerne mal begrüßen würden?

SILBEREISEN: Ja, den gibt es, mein großes Vorbild Peter Alexander. Aber leider wird dies wohl ein Wunschtraum bleiben. Peter Alexander - und auch da ist er Vorbild - hat rechtzeitig den Sprung geschafft von der großen Bühne zurück ins Privatleben, das er sich bewahrt und schützt. Peter Alexander ist eine Legende, neben der ich gerne einmal auf der Bühne gestanden hätte.

Trotz des manchmal harten Showgeschäfts sind Sie ein sehr gefühlsbetonter Mensch. Beispielsweise im letzten "Adventsfest", als Sie sich mit dem Tod von Maria Hellwig auseinandersetzen mussten.

SILBEREISEN: Das ging mir in diesem Fall wirklich sehr nahe, weil Maria - und das wissen die meisten gar nicht - für mich wie eine zweite Oma war. Ich habe mit ihr zusammen schon als kleiner Bub musiziert. Sie hat mich immer gefördert. Ich kann mich noch gut erinnern, als ich neun Jahre alt war, da hat die Maria für mich Kontakte geknüpft, hat mir Tipps gegeben hinter den Kulissen. Wir waren später oft zusammen auf Tournee und sie war für mich immer die professionellste Künstlerin, die ich jemals kennengelernt habe. Auch privat stand sie mir nahe. Ich war oft bei ihr zu Gast in Reit im Winkl. Sie hat immer an mich geglaubt zu einer Zeit, in der noch fast niemand an mich geglaubt hat. Sie war die erste Künstlerin, die 2004 für meine erste Fernsehshow sofort zugesagt hat, während viele andere sich zunächst weigerten, mit uns zusammen zu arbeiten. Und dann erfährst du bei der Generalprobe zum "Adventsfest", dass Maria verstorben ist. Wir haben dann überlegt, wie verarbeiten wir dies. Und ich habe in der Show für sie ein Lied gesungen, bei dem mich die Gefühle übermannt haben. Da kamen sehr viele Emotionen zusammen und ich konnte die Tränen nicht mehr halten. Aber dafür schäme ich mich auch nicht.

2011 geht es auf die siebte "Frühlingsfest-Tournee". Was wird Besonderes geboten?

SILBEREISEN: Wir haben wieder tolle Gäste eingeladen. Ich freue mich sehr, dass Richard Claydermann nach jahrelanger Diskussion und Gesprächen erstmals zugesagt hat. Dann Karel Gott, die Goldene Stimme aus Prag, einfach ein toller Mensch, ein toller Künstler. Die Wildecker Herzbuben werden für Stimmung sorgen, und Michael Hirte spielt auf seiner Mundharmonika.


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Autor: SIGFRIED BAUMANN | 08.01.2011

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