Herrental droht die Schließung
Bad Mergentheim. Die Kliniken Hohenlohe wollen sich von der Klinik Herrental trennen. Die Schließung zum Jahresende ist beschlossen, falls sich fürs Herrental kein neuer Gesellschafter findet. Ein Sozialplan ist ausgehandelt.
In der Bad Mergentheimer Kur- und Kliniklandschaft drohen Einschnitte. Die Kliniken Hohenlohe planen die Schließung der Klinik Herrental, mit der sie erst 2007 fusioniert hatten. Nur noch bis zum Jahresende läuft der Betrieb in der Herrental-Klinik, die sich vorwiegend kardiologischen Erkrankungen widmet.
Sollte sich bis dahin kein neuer Interessent unter Beibehaltung der kardiologischen Belegung gefunden haben, ist Schluss. Das bestätigte Diplom-Ökonom Arno Kuge gegenüber unserer Zeitung. Es gebe bereits Verhandlungen, so Kuge. Nähere Details wollte der Bevollmächtigte der Geschäftsführung nicht nennen.
38 Arbeitsplätze in beiden Häusern von der Hilfskraft bis zum Arzt stehen auf dem Spiel. Im Fall eines erfolgreichen Abschlusses der Gespräche könnte ein Teil dieser Mitarbeiter seinen Arbeitsplatz behalten, heißt es seitens der "Kliniken Hohenlohe GmbH". Da unter den Betroffenen auch Teilzeitbeschäftigte sind, erfasst der zwischen dem Bevollmächtigten und dem Betriebsrat ausgehandelte Interessensausgleich und Sozialplan insgesamt 20 Vollzeitstellen - beinahe ein Siebtel der Vollzeitstellen der aus der Klinik Hohenlohe und der Klinik Herrental bestehenden "Kliniken Hohenlohe GmbH & Co. Betriebs KG".
Die Sozialauswahl sei "ganz nach objektiven und nachvollziehbaren Gründen erfolgt", sagt Betriebsratsvorsitzender Armin Ott. Die Kündigungen werden mit Zustimmung des Betriebsrats zum Jahresende ausgesprochen. Sämtliche gesetzlichen Regelungen seien eingehalten und überprüft worden, so der Hinweis von Verwaltungsleiterin Gerti Wüsten. Laut Kuge ist die Klinik Herrental zwar mit ihrer kardiologischen Abteilung "inhaltlich sehr erfolgreich, aber wirtschaftlich ist das nicht darstellbar." Die Gründe dafür sieht er im Kostendruck zurückliegender Gesundheitsreformen. "Ein Drittel aller Reha-Kliniken ist akut gefährdet, wir befinden uns da in bester Gesellschaft", so Kuge weiter. Mittlerweile gebe es in Bad Mergentheim Pflegeheime mit höheren Pflegesätzen. Inflationsbereinigt seien in den vergangenen Jahren die Pflegesätze der Rehakliniken um 25 bis 30 Prozent geschrumpft. Dazu käme, so Kuge, dass es bei der Auslastung der Klinik Herrental starke jahreszeitliche Schwankungen gebe. Das Unternehmen spricht von einer "nicht hinreichenden Auslastung" der etwa 78 kardiologischen Betten.
Das Unternehmen werde sich auf seinen gesunden Teil konzentrieren, sagt Kuge. Der noch im Herrental befindliche Teil der verhaltensmedizinischen Orthopädie mit etwa 15 bis 20 Betten wird ohnehin in die Klinik Hohenlohe verlagert. Allerdings ohne dass es dort zu einer Aufstockung der Kapazität von 180 Betten kommt. Umgesetzt werden soll das zum 1. September, informierte Gerti Wüsten.
In der Klinik Hohenlohe werden nach Unternehmensangaben überwiegend Patienten mit orthopädischen und neurochirurgischen Erkrankungen sowie nach Operationen in diesen Gebieten einschließlich der Nachbehandlung von Unfallpatienten versorgt.
Einen neuen Schwerpunkt im Bereich der Therapie und Behandlung von Osteoporose und weiteren Knochenerkrankungen soll Dr. Joergen Hansen setzen. Der Mediziner ist seit 1. Juni im Haus, seit 1. Juli in der Funktion des Chefarztes. Weiteres Standbein ist die Behandlung von Patienten mit chronischen Schmerzen sowie psychischen Erschöpfungszuständen wie Burn-out.
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Autor: OLIVER BAUER | 07.07.2011
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