Vellberg auf dem Weg in die Zukunft

Die Digitalisierung wird sich laut Prof. Dr. Wilhelm Bauer weiterentwickeln. Wie sich das auf Betriebe auswirken wird, beurteilen Unternehmer ganz unterschiedlich.

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Beim Vellberger Wirtschaftsstammtisch wurden auch Inhaber seniorenfreundlicher Geschäfte ausgezeichnet.  Foto: 

Wilhelm Bauer stellt beim 7. Vellberger Wirtschaftsstammtisch  klar, dass mit „Industrie 4.0“ Großes auf uns zukommt. Keine Wirtschaftsbranche könne sich dem entziehen, meinte der Technologieexperte. Nach der Vernetzung der Menschen geht es jetzt um die Vernetzung der Dinge – Internet of Things heißt das internationale  Schlagwort dazu. „Das wird die zweite ganz große Revolution in der Digitalisierung“, kündigt Bauer an, der unter anderem die Landes- und Bundesregierung berät.

Jedes Auto, jede Maschine, alle Gebäude würden IP-Adressen bekommen und künftig ans Internet angeschlossen sein. Transportsysteme werden in Zukunft mit Fertigungsanlagen kommunizieren, um sich optimal aufeinander abzustimmen. Er habe kürzlich von einem Bürostuhlhersteller gehört, der ein Modul in seine Stühle einbauen will, das beispielsweise mit der Gesundheitsapp des Nutzers kommuniziert und diesen schließlich nach zwei Stunden Sitzen zu Bewegung auffordert.

Künstliche Intelligenz

Einen extremen Aufschwung erlebt laut Bauer die künstliche Intelligenz. Google etwa investiere eine Milliarde Dollar in diese Forschung. Immer wichtiger werde es, mit lernenden Systemen Daten von Zielgruppen  auszuwerten und Schlüsse über deren Interessen daraus zu ziehen. Er nannte ein Beispiel: Er habe sich kürzlich ein rotes Mountainbíke zugelegt und bekomme jetzt auf dem Smartphone ständig Werbung für dazu passende Fahrradkleidung.

Plattformen wie Amazon würden auch für die Wirtschaft interessant. Hier sind deutsche Maschinenbauer schon aktiv: Adamos ist so ein digitaler Marktplatz, wo sich führende Maschinenbaufirmen zusammengeschlossen haben, um etwa firmenübergreifend Produktionsprozesse zu vernetzen und den Kunden ihre Produkte und ihre digitale Kompetenz zu präsentieren.

Die großen deutschen Konzerne sieht Bauer gut vorbereitet auf die digitale Transformation. „Bei ihnen hat die Digitalisierung seit 2009 stark zugenommen“, stellte er fest. Großen Nachholbedarf hätten aber die kleinen und mittleren Firmen, die in Deutschland eine große Rolle spielen.

Daten für LKW-Flotte

Das Vellberger Logistikunternehmen Schmitt ist schon gut in Richtung Industrie 4.0 unterwegs. „Schon lange können wir die Daten unserer LKW-Flotte in Echtzeit analysieren und die Fahrzeuge orten“, so Geschäftsführer Günter Schmitt am Rande der Veranstaltung. Der Kunde erwarte heute, Waren in großer Varianten- und Produktvielfalt unmittelbar zu erhalten – inklusive erstklassigem Service. „Durch genaue Analyse des Kundenverhaltens werden wir in Zukunft schneller und vor allem ganz individuell auf Kundenwünsche reagieren können“, so Schmitt. Im Lager etwa sollen intelligente Behälter, vernetzte, mit Sensoren ausgestattete Geräte (Smart Devices) und Schwärme von sich selbst steuernden Fahrzeugen flexiblere und zugleich effiziente Systeme bringen, führt er aus.

Ganz anders beurteilt Wolfgang Köhler den Einfluss der digitalen Transformation auf seinen kleinen, extrem spezialisierten Betrieb. Er und seine Frau entwickeln und produzieren Messinstrumente für die Autoindustrie zur Prüfung der Fahrzeugelektronik. Für ihn werde sich durch die weitere Digitalisierung wenig ändern, meint er.

Frank Reichert vom Pavillon-Therapiezentrum sieht im Bereich Fitness sinnvolle Vernetzungsmöglichkeiten. „Die Fitness-Tracker, die viele unserer Kunden benutzen, könnten ihre Daten auf die Geräte spiegeln und so noch individueller auf sie eingehen“, meint er. Vor allem der Therapiebereich lebe aber von der persönlichen Beziehung zwischen Klient und Therapeut. Für den Pavillon sei Facebook ein wichtiges Medium, so seine Kollegin Christa Fritscher. Vor allem junge Leute würden sich dort über die Kurspläne und andere Neuigkeiten informieren. Das sei durchaus ausbaufähig.

„Ganz weit vorneweg ist die Reisebranche in der Digitalisierung“, sagt Günter Wengert vom Vellberger Reisebüro Globetrotter. Flughäfen seien ganz früh ans Internet angebunden gewesen und damit auch die Reisebranche. „Wir sind komplett vernetzt und auch bei der Datenanalyse unserer Kunden sind wir sehr gut aufgestellt“, so Wengert.

Professor Wilhelm Bauer ist unter anderem geschäftsführender Institutsleiter am  Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation, Technologiebeauftragter des Landes Baden-Württemberg und Berater der Bundesregierung.

Im Rahmen der Veranstaltung hat das Seniorenbündnis Vellberg Zertifikate an seniorenfreundliche Geschäfte und Restaurants verliehen. „Seit Beginn der Zertifizierung hat sich hier einiges Positives getan“, so Rainer Ertl.

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