Aufschwung und so manches Tief

Neun Jahre hat Ehrhard Steffen als Vorsitzender des Hochschulrats die Hochschule Heilbronn begleitet. Ende Februar scheidet er turnusgemäß aus dem Amt.

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Ehrhard Steffen nimmt als Hochschulratsvorsitzender bald Abschied.  Foto: 

Was hat sich die Hochschule Heilbronn (HHN) in den letzten neun Jahren verändert. Der Aufschwung – von zwei auf vier Standorte, von 6100 auf 8300 Studierende – war gewaltig und keineswegs immer nur von Beifall begleitet. Unter Blessuren ist die Hochschulleitung komplett ausgetauscht. Einer aber war konstant in diesem Auf und Ab: der Hochschulratsvorsitzende Ehrhard Steffen.

Ende Februar verlässt der 68-Jährige die Hochschule. Wenn es nach ihm ginge, würde er ja weitermachen, doch das Gesetz schreibt vor, dass drei Amtsperioden (neun Jahre) genug sein müssen. Die Findungskommission hat ihre Kandidaten für den neuen Hochschulrat schon beisammen. Wenn möglich, soll die Wahl im Februar über die Bühne gehen.

Eigentlich ist Ehrhard Steffen seit drei Jahren im Ruhestand. Die Vorstandsarbeit in der Bausparkasse Schwäbisch Hall liegt seitdem hinter ihm, aber zwei ehrenamtliche Fulltime-Jobs verschlingen seine Tage: Als Aufsichtsratsvorsitzender half er dem Diakoniewerk Schwäbisch Hall finanziell und strukturell auf die Beine und ermöglichte den Diak-Neubau. Im Mai 2017 legte er dieses Amt nieder. Ab März ist er auch befreit von seiner Arbeit als Kopf des Hochschulrates. Dann wird er bei seinen ausgedehnten Touren durchs Hohenloher Land und auf Rügen nicht mehr all Tritt vom Rad geklingelt, um am Telefon – stets erreichbar – bei Problemen beizustehen.

Gegenwind gehört dazu

Als Veränderungsmanager ist Steffen angetreten, seine letzte Amtszeit widmete er der „inneren Befriedung“ der Hochschule. „Das ist gelungen“, zeigt er sich optimistisch, dass die neue Führungs- und Diskussionskultur anhält. Er erlebe eine bisher ungekannte Offenheit und Vertrauen: „Hochschulrat und Senat ziehen an einem Strang – in der gleichen Richtung.“ Alte Verkrustungen seien aufgebrochen. Das stellt Steffen fest, wenn seine goldene 80-20-Regel greift, plötzlich und immer wieder, nicht nur bei Wahlen in der HHN. „Wenn man 80 Prozent erreicht, ist das toll.“

Alle hinter sich zu bringen, ist nicht leicht. „Ziele müssen immer gemeinsam erarbeitet werden“, beschreibt Ehrhard Steffen seine Grundhaltung: „Der Alleingänger schafft es nicht. Das ging vielleicht früher mal.“ Natürlich gebe es Gegenwind, „der gehört für mich dazu, das ist normal, auch wenn man viele eingebunden hat“. Und auch das ist eine Steffen-Führungsregel: Gut gemeinte Gegenargumente hört er sich an und er berücksichtigt sie – „das kann ich“. Dazu kommt noch ein gehöriges Quantum Geduld und Durchhaltevermögen. So hat er sich an der Hochschule den notwendigen Respekt verschafft. Seine Art, „die Ärmel aufkrempeln und was tun“, hat viele in Hochschule und Wirtschaft beeindruckt.

Sohn eines Korbmachers

Es war Ehrhard Steffen nicht an der Wiege gesungen, dass er nach vielen Jahren im Vorstand der Bausparkasse im Ehrenamt zwei Großinstitutionen in der Region Heilbronn-Franken den Weg in die Zukunft ebnet. Als Flüchtlingsbub war er 1956 von Rathenow bei Berlin nach Schwäbisch Hall gekommen, der Vater, ein Korbmacher, arbeitete im Jugendstrafvollzug. Die beiden Söhne wurden Juristen und Ehrhard Steffen ein Haller durch und durch.

In Ehrenämtern aktiv

Kaum vorstellbar, dass ab Februar Familie und Fahrrad die Hochschulratslücke füllen könnten. Ehrhard Steffen zählt auf, für was er künftig mehr Zeit haben will: Er ist nach wie vor Betreuer der Damenschach Bundesliga-Mannschaft in Schwäbisch Hall. Er sitzt im Aufsichtsrat der Bürgerstiftung seiner Stadt.

Der 68-Jährige wird weiter häufig nach Rügen fahren und sich um seine Ferienwohnungen kümmern. „Natürlich will ich meinen Fahrradsport wieder intensivieren.“ Und, Ehrhard Steffen ist sich sicher: „Das eine oder andere kommt noch.“

Ehrhard Steffen wurde 1949 im brandenburgischen Rathenow an der Havel geboren. 1956 zieht die Familie nach Hall. Steffen besucht die Grundschule in Hall und macht sein Abitur am Gymnasium bei St. Michael. Er studiert Rechtswissenschaften in Tübingen. Nach dem Referendariat in Hall tritt er 1976 in die Bausparkasse ein. Ehrhard Steffen übernimmt verschiedene Fach- und Führungspositionen in der Rechtsabteilung, wird Generalbevollmächtigter und 1995 stellvertretendes Vorstandsmitglied. Von 1997 bis Ende September 2011 ist Steffen Mitglied im Vorstand der Bausparkasse, von Januar 2011 an Vorstandssprecher des Tochterunternehmens  Schwäbisch Hall Kreditservice. Ende 2013 verabschiedet er sich in den Ruhestand. Ehrhard Steffen wohnt in Rosengarten. Seit 1981 ist er zum zweiten Mal verheiratet, aus erster Ehe stammen zwei Töchter. In die zweite Ehe brachte seine Frau zwei Kinder mit. Auch in Ehrenämtern ist Steffen aktiv: Von November 2010 an ist er Aufsichtratsvorsitzender des Diakoniewerks Hall. Im Mai 2017 legt er dieses Amt nieder – wegen unterschiedlicher Vorstellungen über die Zusammenarbeit und die Aufgabenteilung zwischen den Leitungsgremien. Seit 2009 ist er Vorsitzender des Hochschulrats der Hochschule Heilbronn, die auch Außenstellen in Hall und Künzelsau hat. In der Freizeit fährt Steffen gerne Fahrrad, liest, spielt Schach und reist gerne. cus/blo

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