Auch der Heiland zieht mit um

Stimpfach.  Weil das St.-Anna-Altenheim in Ellwangen von Grund auf saniert wird, sind seine 33 Bewohner noch einmal umgezogen - nach Stimpfach.

Pia Höhns Teppiche sind schon ausgerollt, rechts an der Wand stehen ihr Sofa und ihr Sessel, davor ein Tisch, darauf ein großes Kruzifix. Auf dem Schränkchen neben dem neuen Bett warten eine Tulpe und ein kleiner Willkommensgruß auf sie.

Heimelig ists, obwohl noch ein paar Umzugskartons darauf warten, ausgeräumt zu werden. Die 90-Jährige freilich sieht das alles kaum, die Augen wollen nicht mehr und die Ohren auch nicht. Darum beugt sich die Generaloberin Schwester Veronika Mätzler tief zu Höhn, als sie sagt: "Der Heiland liegt noch auf dem Tisch." Bald hat wieder alles seine Ordnung und der Heiland hängt dann - wie in den vergangenen zehn Jahren im Ellwanger Heim - an der Wand über dem Bett. Am Umzugstag aber ist alles noch ein bisschen anders und im Fluss.

Immer wieder streicht ein Luftzug durch den Gemeinschaftsraum im Erdgeschoss des neuen St.-Anna- Seniorenheims, weil sich immer wieder die Eingangstür öffnet. Mal werden Rollstühle hereingeschoben, dann Kisten ins Haus geschleppt, in regelmäßigen Abständen betreten Bewohner ihre Übergangsheimat. Zwei Jahre dauert die Sanierung in Ellwangen, dann geht es dorthin zurück. Um 11 Uhr hat es in Ellwangen Mittagessen gegeben, dann sind die ersten Kleinbusse nach Stimpfach gestartet, bis 15 Uhr sind alle da. Für die Rollstuhlfahrer waren Fahrzeuge mit Hebebühnen im Einsatz. Die Generation 80 plus ist nun einmal nicht die typische Umzugs-Klientel. Schließlich behauptet der Volksmund, dass man alte Bäume nicht mehr versetzt. Warum eigentlich? Die Neu-Stimpfacher Senioren jedenfalls nehmens bemerkenswert gelassen. "Wissen Sie, ich bin geduldig", sagt Pia Höhn. "Mit der Zeit lernt man das." Dann sagt sie: "Ich weiß gar nicht, wo ich bin" - und lacht laut. Die Mitarbeiter des Seniorenheims haben sich alle Mühe gegeben, damit die neue Umgebung einladend daherkommt. Im Aquarium drehen schon Fische ihre Runden, Pflanzen tun ihren dekorativen Dienst, der Kaffee dampft.

Bereits vor zwei Jahren hat man den Bewohnern den Umzug angekündigt. "Jetzt wars einfach an der Zeit", sagt Schwester Veronika. So hat die gute Stimmung wohl auch mit Erleichterung zu tun - Erleichterung, dass alles gar nicht so schlimm ist, Erleichterung, dass alles glatt zu gehen scheint.

"Wunderprächtig", findet Rita Traber (90) das neue Heim. "Ich bin überrascht. So schön habe ichs nicht erwartet."


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Autor: SEUN | 06.02.2012

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