Kunst einfach in den Sand gesetzt

Stuttgart.  Im Stuttgarter Höhenpark Killesberg entstehen derzeit Skulpturen der besonderen Art. Zuschauen ist bei den "Sandwelten 2010", dem ersten Kunst-Festival seiner Art in der Region, durchaus erwünscht.

Stuttgart größter Sandkasten befindet sich derzeit im Höhenpark Killesberg. Hinter einem Bambusmattenzaun, der das 1300 Quadratmeter große Areal beim Kinderspielplatz begrenzt, frönen einige Männer und Frauen, die längst dem Förmchen-Alter entwachsen sind, ihrer großen Leidenschaft - dem Modellieren von Sandgebilden mit Maurerkelle, Schaufel, Pinsel, Teppichmesser und Strohhalm.

Dabei wollen sich die Baumeister ausdrücklich nicht den neugierigen Blicken der Passanten entziehen: Zuschauen ist bei den "Sandwelten 2010", dem ersten Festival seiner Art in der Region, erwünscht. Nein, beeilt sich Initiator Markus Streibel zu betonen, hier werden keine simplen Sandburgen geformt, an denen sich jeder von uns wohl schon versucht hat, sondern Sandskulpturen, die echte Kunstwerke sind. Am Start sind zehn so genannte Carver. "Und zwar die internationale Elite", sagt Streibel stolz.

Schon beim ersten Blick auf die "Baustelle" der aus Holland, Tschechien, Finnland, den USA, Lettland und Deutschland stammenden Teams wird deutlich: Mit den eigenen Sandförmchenfiguren, die man im Urlaub so in den Sand setzt, hat das hier nicht viel gemeinsam. Nicht nur, weil die Dimensionen ganz andere sind: Die Skulpturen sind bis zu drei Meter hoch und 40 Tonnen schwer.

"Carver" benutzen auch keinen normalen Strandsand. Der ist nämlich von den Wellenbewegungen rundgewaschen - und wer schon einmal versucht hat, Murmeln zu stapeln, weiß, dass das nicht gelingt. Mit Würfeln ist das Aufschichten hingegen simpel, und deshalb wird Sand mit kantigen Körnern verwendet. Streibel hat eigens 500 Tonnen aus Rinningen bei Ulm anfahren lassen.

"Der Sand hier ist perfekt", schwärmt Uwe Bürkle. "Er ist fein und hat einen hohen Lehmanteil." Der Tübinger Steinbildhauer ist einer der Künstler, die aus einem harten, nassen Sandblock - schon dessen Herstellung ist eine eigene Kunst - eine Skulptur schneidet. Das Thema hat der Hauptsponsor der Aktion, das Kommunikationsbüro des Bahnprojekts Stuttgart 21, vorgegeben: Mobilität der Zukunft. Was nicht bedeutet, dass die Sandschnitzer Modelle des künftigen Stuttgarter Hauptbahnhofs anfertigen müssen - nur einer von ihnen modelliert die unterirdische Durchgangsstation.

Gleichwohl ist ein Hauptmotiv bei vielen Werken erkennbar: der ICE. Auch Bürkle, der den Bogen schlagen will vom Tunnelbau zu Fossilien, lässt am Boden seiner Skulptur einen kleinen ICE aus einem riesigen Ammoniten herausfahren. So weit aber ist er noch nicht - er muss sich langsam von oben nach unten arbeiten und penibel darauf achten, dass der Sand optimal feucht bleibt. "Die Grundidee steht, aber die Arbeit ist ein Prozess." Gelegentlich könne schon mal ein Stück Sand wegbrechen, "dann muss man reparieren oder improvisieren". Wind und Wetter sind für die Carver nur so lange ein Risiko, bis die Skulpturen ausgehärtet sind. Nach dem Trocknen sind sie so hart, dass sie selbst Regengüssen und Stürmen standhalten können.


zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

Sie können noch Zeichen als Text schreiben
Für registrierte Nutzer
Bitte anmelden, um Ihren Kommentar abzuschicken
Für noch nicht registrierte Nutzer
Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken.








Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:


Autor: ELKE HAUPTMANN | 15.05.2010

Google 1+

Schwein verursacht Unfall auf der B 30

Achstetten Auf der B 30 zwischen Achstetten und Donaustetten hat ein Schwein am Mittwochmorgen einen Unfall verursacht. Das Tier entkam aus einem Viehtransporter, lief auf die Fahrbahn und zwang zwei Autofahrer zu Ausweichmanövern. Ein dritter Autofahrer konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen und prallte auf einen der vor ihm fahrenden Wagen.... mehr

Meike Schlecker: "Es ist wirklich bitter"

Ehingen Meike Schlecker stand gestern als Familienvertreterin der Presse Rede und Antwort. Auf ihren Vater ließ sie nichts kommen, räumte aber Fehler ein.... mehr

Innenministerium stoppt Polizeieinsatz im Schlossgarten - Oppositon spricht von Skandal

Stuttgart Chaos um den Baufortschritt bei Stuttgart 21: Das Innenministerium hat den geplanten Polizeieinsatz im Park gestoppt. Die Opposition nennt das einen Eingriff in Polizeiarbeit - die Regierung dementiert.... mehr

Frontal gegen Lkw: 19-Jährige bei Ehingen tödlich verunglückt

Ehingen Eine 19-Jährige ist in Ehingen mit ihrem Auto frontal gegen einen Sattelzug geprallt und gestorben. Die Frau war am Freitag aus zunächst ungeklärter Ursache in einer Rechtskurve auf die Gegenfahrbahn geraten.... mehr

Feueralarm bei Ikea in Ulm

Ulm Der Einkaufsbummel hat für die Ikea-Besucher am Mittwoch mit einem Schrecken geendet: Im Küchenbereich brach ein Feuer aus, das Möbelhaus wurde umgehend evakuiert.... mehr

Bahn legt Zeitplan für Bau des Albaufstiegs der neuen ICE-Trasse vor

Gruibingen Der Zeitplan für den Albaufstieg der Schnellbahntrasse steht: Im Herbst 2013 soll mit dem Bau der Tunnel begonnen werden. Ein Jahr später werden die Pfeiler für die Brücke über das Filstal betoniert.... mehr