Fastnachtsprinzen weinen
Bühlertann. Es stimmt: Bühlertann hat seit diesem Fasching ein Männerballett. Die Absage der Prunksitzungen traf sie schwer. Ihre Lösung: Die Prinzen debütieren nun zwei Wochen später beim Rosenmontagsball.
"Der Rosenmontagsball ist keine Notlösung", sagt Alexander Schirle (31), einer der Hauptinitiatoren der Fastnachtsprinzen. Klar sei, keiner von ihnen hätte am Freitag auf die Bühne gehen wollen, wenn ihr alter Schultes noch nicht einmal beerdigt ist. Aber auch heute können sie noch nicht sagen, wie es sich zwei Wochen später, an Rosenmontag, anfühlen wird.
In einem Punkt sind sich die jungen Männer aber einig: Hans Weiss hätte nicht gewollt, dass man sich seinetwegen den Fasching verbietet. Damit war gesagt, was zu sagen war. Das Training nach dem 31. Januar, dem Todestag, wurde am Donnerstag wieder aufgenommen.
"Wo ist das Magnesium?", fragt Steffen Wappler (32) und nimmt einen großen Schluck aus seiner Flasche. Ohne Magnesium gehe gar nichts, sagt der Senior der Bühlertanner Fastnachtsprinzen. Denn das Training sei hart und die Bewegungen mehr als neu. Geübt wird dreimal die Woche, seit Ende Oktober.
Die Fastnachtsprinzen zählen 13 Mann. Oli Wappler (19) ist der Jüngste, sein Bruder Steffen der Älteste. Männer im besten Alter. Nicht nur für die Augen der weiblichen Fans, auch tänzerisch wollen sie es krachen lassen. "Denn nichts ist unmöglich!", sei ihre Devise gewesen, sagt Alexander Schirle.
Entsprechend wichtig war die Wahl der Trainerin. Das Rennen machte Melanie Ziegele (29) von den Roten Funken. "Sie tanzt super", sagt Sippie (28), alias Holger Neumann. "Sie kann sich durchsetzten", ergänzt Philipp Köger (20). "Und sie sieht einfach klasse aus", bringt es Macho (23), Marcel Eckhardt, auf den Punkt. Melanie lacht und schüttelt den Kopf: "Männer!"
Doch sie hat die Jungs im Griff. "Zigarettenpause ist rum", schallt ihr Befehl aus der Turnhalle in die Raucherzone. Die hören und kommen. Während Melanie die Musik auflegt, stellen sich die Prinzen artig auf der Bühne in Position. Getanzt wird ein Cancan, ein schneller französischer Tanz im Zweivierteltakt. Die Männer schwingen ihre Hüften. Es folgen weitere Highlights: Die Battement-Reihe klappt, Streckübungen und Mühle folgen mühelos. Die typischen hohen Beinwürfe sind nicht ganz so hoch und graziös, doch erlauben sie trotzdem einen Blick unter den Rock.
Einzig Steffen Wappler macht aus mancher Streckübung eine Dehnübung. "Heute hab ich einen ganz schlechten Tag", sagt er entschuldigend. Grund ist vielleicht die lange Nacht auf der Club Hydra Faschingsparty in Geifertshofen. Vier Tänzer fehlen beim Training. Wobei nur einer wirklich ausfällt. "Hubbe, Robsen und Smudo sind mit dem Musikverein Skifahren", berichtet Heiko Gaugel (27).
In der nächsten Pause teilt sie eine Liste mit letzten Informationen aus. "Die Uniform lasst ihr am Besten von euren Müttern aufbügeln. Von da an wird sie auf dem Kleiderbügel transportiert. Wehe euch, einer kommt mit der zerknüllten Uniform in der Plastiktüte hier an!", ermahnt sie die Männer. Die nicken eifrig und nippen am Bier.
Der Bierkasten ist der 14. Mann auf der Bühne. "Warum auch nicht? Frauen trinken Sekt, Männer eben Bier", sagt Kuba (28), Felix Arnoldt. Das hebe die Stimmung und manchmal auch die Beine ein bisschen leichter, erklärt Liedl (28), Daniel Eckhardt, wohl wissend. Hersaufen täte sich während der Probe sowieso keiner von ihnen. "Wir haben nicht ein Vierteljahr trainiert, um uns dann zu blamieren", pflichtet ihm Philip Collin (22) bei. Zumal sich die Prinzen den Auftritt etwas haben kosten lassen. 250 Euro musste ein jeder für die Uniform hinblättern. Schuhe inklusive: Größe 48, eine Sonderanfertigung. Dann stellen sich die Tänzer ein letztes Mal zur Probe auf der Bühne. Und genau hingesehen, läuft es tatsächlich eine Nuance runder und flüssiger. Männer ticken nicht nur anders wie Frauen, sie tanzen auch anders.
Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar
Autor: MICHAELA CHRIST | 04.02.2012
| Artikel twittern |
|
|
Bühlertanner Fasnachtsprinzen hoch konzentriert im Tanzkreis: Oliver Wappler im weißen T-Shirt, Heiko Gaugel, Daniel Eckardt, Philip Collin und Steffen Wappler von hinten. Foto: Ufuk Arslan
MEHR ARTIKEL ZUM THEMA
Bunter Abschluss der närrischen Zeit in Weißenhorn
Mit einem zweistündigen Umzug ließen es die Narren auch in Weißenhorn zum Ende der Fastnacht noch einmal richtig krachen. Kreative Kostüme, wilde Stimmungsmusik und lokalpolitische Spitzen unterhielten die etwa 7000 Zuschauer.... mehr
Fastnachtsumzug der Boxberger Narrhalla mit 700 Teilnehmern
Boxberg Das letzte Aufbäumen des Narrenvolks: Der große Fastnachtsumzug der Boxberger Narrhalla zog gestern durch die Umpfertalmetropole.... mehr
Prall gefülltes Programm mit 160 quirligen Akteuren auf der Bühne
Assamstadt In der Kinderprunksitzung am Fasnachtsdienstag wurde wieder aufs Neue klar: um die Zukunft der Schlackohrenfasnacht muss man sich keine Sorgen machen.... mehr
Gerabronn wird zur Filiale des rheinischen Frohsinns
Gerabronn In ein "Schlaraffenland für Narren" wollten die Gerabronner ihre Stadt verwandeln. Das Versprechen wurde mit einem Pferdemarkt wie aus dem Bilderbuch eingelöst und von Tausenden Besuchern goutiert.... mehr
Indianer und Waldkatzen
Assamstadt Spannend ist alle Jahre die Prämierung der Teilnehmergruppen des Assamstadter Rosenmontagsumzugs. Wer hat den Vogel heuer abgeschossen?... mehr
Laudaer treibens immer doller
Lauda Der Zuspruch steigt stetig. Erneut galt die bewährte Devise "Herrscht in Lauda das Narrentreiben, darf eigentlich keiner zu Hause bleiben". Ein Grundsatz, den am Sonntag noch mehr als sonst beherzigten.... mehrMEISTGELESENE ARTIKEL
Zwischen Bachtal-Schönheit und Miss Deutschland
Sie ist Miss Bayern. Jetzt tritt sie auch bei der Wahl zur schönsten Frau Deutschlands an. Die Rede ist von Sarah-Lorraine Riek aus Syrgenstein. Ob sie nun die Krone ins Bachtal holt oder nicht – die 19-Jährige ist gewappnet.... mehr
Voith Paper baut in Heidenheim 280 Stellen ab
Der Schnitt war angekündigt, fiel aber offenbar härter aus als erwartet: Angesichts drastischer Einbrüche am Markt für grafische Papiere will Voith Paper in Deutschland und Österreich über 700 seiner 2800 Stellen streichen.... mehr
Schwerer Vorfahrtunfall auf neuer Kreuzung bei Brenz
Weil eine Autofahrerin die Vorfahrt nicht beachtete, kam es am Dienstag zu einem verheerenden Unfall auf der neuen Bundesstraße 492: Die Unfallverursacherin wurde lebensgefährlich verletzt.... mehr
Familie muss ausziehen - Fünf Kinder in Wohnungsnot
Neu-Ulm Eine Alleinerziehende steht am 8. Juli mit ihren fünf Kindern auf der Straße, wenn sie keine Wohnung findet. Bisher ohne Erfolg, trotz professioneller Unterstützung der Wohnberatung der Neu-Ulmer Diakonie.... mehr
Amok-Alarm an Schule in Memmingen - Fahndung nach Täter läuft
Memmingen Amok-Alarm hat am Dienstagnachmittag ein 15-jähriger Schüler der achten Klasse in Memmingen (Bayern) ausgelöst. Der Junge hatte die Lindenschule, eine Grund- und Hauptschule, mit zwei scharfen Waffen betreten und mehrere Personen bedroht. Auch ein Schuss fiel.... mehr

ZURÜCK
