Auf dem Sprung in die "Cloud"

Fichtenberg.  Den Start in die Selbständigkeit hat Wolfgang Munz Anfang der Neunziger Jahre in Fichtenberg gewagt. Jetzt sitzt sein Unternehmen "dataglobal" in Heilbronn und schickt sich an, in der "Cloud" mitzumischen.

"Völlig unterschätzt" habe er den Kongress der Weltmarktführer in Schwäbisch Hall, sagt Wolfgang Munz. Der Gründer und Geschäftsführer von "dataglobal" mit Sitz in Heilbronn hat an dem Kongress, der in der vergangenen Woche durchgeführt wurde, erstmals teilgenommen und kann seine Begeisterung kaum zügeln: Perfekt organisiert, thematisch auf der Höhe der Zeit und mit einer Teilnehmerliste, die sich "von" schreiben kann habe sich der Kongress als wahre Wundertüte erwiesen.

"Es waren die Top-Entscheider, die sich da getroffen haben", ergänzt Stephan Unser. Munz ehemaliger Schulfreund hat nach Stationen unter anderem bei Bang & Olufsen, Bulthaup und Märklin das Marketing und den Vertrieb von dataglobal unter seine Führung genommen. Als Marketing- und Vertriebs-Mann dürfte er sich beim "Kongress der Weltmarktführer" wie im Schlaraffenland gefühlt haben - zumal dataglobal Probleme lösen kann, die den meisten Unternehmen großes Kopfzerbrechen bereiten.

Es geht ums Informationsmanagement, um die rechtssichere Archivierung und Verwaltung von Daten. Schon vor mehr als 20 Jahren hat Munz erkannt, dass eine Datenlawine den Planeten zu überschwemmen droht. Zunächst für Audi in Ingolstadt, dann auch für andere Unternehmen wie E.on, Deutsche Börse, Knorr-Bremse, Mars und Voestealpine hat Munz eine Software entwickelt, mit der die wachsende Datenflut, unabhängig von den verwendeten EDV-Systemen, kontrolliert und kanalisiert werden kann. "Dass eine wichtige E-mail verschlampt wird", grinst Munz, "wäre dem Herrn Mappus mit uns nicht passiert".

Das dataglobal-Flaggschiff "dg suite" wird heute von Unternehmen in rund 40 Ländern verwendet. Schneller, schnittiger, funktionaler wurde es durch die Verbindung mit den Archivierungslösungen der Firma inboxx, die mittlerweile auch übernommen wurde. Durch diesen Zusammenschluss habe die dataglobal das kompletteste System im weltweiten Informationsmanagement, sagt Munz, dessen Unternehmen zwischenzeitlich von Microsoft um Premium-Partner erhoben wurde, Vergleichbares habe sonst niemand zu bieten. Auf eineinhalb Jahre schätzt er den Vorsprung vor den Mitbewerben.

Dataglobal hat das Limpurger Land mittlerweile verlassen. Vor etwas mehr als einem Jahr siedelte das Unternehmen nach Heilbronn um, in Gaildorf blieb ein Büro. Der Umzug war Bedingung für den Einstieg des Zukunftsfonds Heilbronn ZFHN in das Unternehmen. Die Kooperation funktioniere reibungslos, resümiert Munz heute. Der ZFHN halte sich aus dem operativen Geschäfts heraus und helfe vor allem, wenn es darum gehe, Kontakte zu knüpfen.

Auch der Einstieg des Marketing- und Vertriebs-Spezialisten Stephan Unser markiert eine Zeitenwende. Dataglobal soll nicht mehr nur der Anbieter sein, der im Hintergrund die Datenströme dirigiert, sondern ein sogenannter "Brand", eine sichtbare "Marke" werden. Unser hat eine Marketing-Strategie entwickelt, die dataglobal in den nächsten beiden Jahren in Deutschland, Österreich und der Schweiz als "Brand" etablieren soll. Danach gehts gezielt in die internationalen Märkte.

Und in die "Cloud". Das englische Wort für Wolke bezeichnet ein weltumspannendes Netzwerk von Rechnern, und Rechenzentren, einen pulsierenden virtuellen Raum, gefüllt mit Daten und Anwendungen. In die "Cloud" können Aufgaben eingespeist werden, die kurzfristig große Rechenleistungen und Ressourcen benötigen. Unternehmen, die ihre Dateibestände zum Ende des Geschäftsjahres in ein einheitliches Dateiformat umwandeln müssen, können diese rechenintensive Aufgabe in die "Cloud" übertragen, erklärt Munz.

Im Grunde gibt es diese "Cloud" erst seit wenigen Jahren. Und welche Potenziale darin stecken und wie sie sich entwickeln wird, ist heute nur in Ansätzen abzusehen. Eines aber ist sicher: Die Dateien und Informationen in der Cloud müssen genauso gemanagt und verwaltet werden. Für Munz ergibt sich daraus ein klares Ziel: "dataglobal wird eine Cloudcompany". Mit einzelnen Anwendungen ist das Unternehmen in der "Cloud" bereits präsent, "wir haben den Zeh schon im Wasser", sagt Munz. Nun will er sein Flaggschiff dg suite "cloudtauglich" machen und springen.


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Autor: RICHARD FÄRBER | 04.02.2012

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