Dringend tatverdächtig: Angeklagter bleibt in Haft

Am Landgericht Heilbronn wurde am Freitag, 28. April, erneut gegen einen Polizisten aus Gaildorf verhandelt. Der Mann soll in Drogengeschäfte verwickelt gewesen sein.

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Sitzungspause. Elf Zeugen wurden gestern beim Prozess gegen einen Polizisten aus Gaildorf in Heilbronn vernommen.  Foto: 

Warum“, fragt der Vorsitzende Richter der achten großen Strafkammer am Heilbronner Landesgericht am Ende eines langen Verhandlungstages, „haben Sie den Kurier nicht ausliefern lassen?“ Dann nämlich hätte man die Abnehmer mit der ihnen jeweils zugemessenen Menge an Rauschgift festsetzen können und müsste jetzt nicht mühsam auseinanderklamüsern, wer was gekriegt haben könnte.

Als Bande organisiert?

Die Frage ist an den Leiter des Mobilen Einsatzkommandos gerichtet, das die aus Gaildorf, Fichtenberg und Sulzbach-Laufen stammenden Tatverdächtigen observierte und am 19. November schließlich zusammen mit einem Kurier im Raum Heidenheim dingfest machte. Es wurden elf Kilogramm Rauschgift sichergestellt: Kokain, Amphetamin und Cannabis-Produkte. Sechs Männer sitzen in Untersuchungshaft, darunter auch ein 29-jähriger Polizist aus Gaildorf. Gegen ihn wird seit Mittwoch verhandelt.

Der MEK-Beamte, einer von insgesamt elf Zeugen, die gestern vernommen wurden, ist allerdings der falsche Adressat für die Frage des Richters. Er habe Anweisungen befolgt, sagt er, gibt aber auch zu bedenken, dass man bei solchen Drogenmengen nichts riskieren sollte.

Die Polizei geht davon aus, dass die Verdächtigen als Bande organisiert waren. Der mutmaßliche Anführer soll mehrfach bei einem „Paten“ in den Niederlanden Drogen bestellt haben, die dann zum Weiterverkauf verteilt wurden. Die Drogen wurden jeweils von einem Kurier in den Niederlanden in Empfang genommen und nach Süddeutschland transportiert.

Als Empfänger diente offenbar ein Fichtenberger, der auch Drogen gebunkert haben soll. Er wurde offenbar in Naturalien und mit kleinen Geldsummen entlohnt. Der 44-Jährige habe mehrfach betont, dass der  mutmaßliche Anführer „sein Freund“ sei, berichtet ein Ermittler, der den Fichtenberger vernommen hat. Die anderen Angeklagten machen von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch.

Auf den Polizisten, der in Gaildorf festgenommen wurde,  waren die Ermittler im Zuge der Überwachung aufmerksam geworden. Er erscheint in Chat- und Telefonüberwachungsprotokollen und dann auch bei Observierungen als Vertrauter des mutmaßlichen Anführers; ein Mal soll er bei der Übergabe eines Umschlags an den Hauptverdächtigen auf dem Beifahrersitz gesessen haben.

Widersprüchliche Aussagen

Einen möglichen Nachweis für eine Beteiligung des Polizisten erbrachte auch der Fichtenberger – zumindest bei seiner polizeilichen Vernehmung. Er gab an, den Polizisten als einen „Vermummten“ erkannt zu haben, von dem er im Auftrag des mutmaßlichen Anführers am 27. Oktober Geld empfangen und dem er später zwei Pakete ausgehändigt habe. Der Angeklagte soll ihn zudem gefragt haben, ob er Drogen aufbewahren könne. Am Mittwoch gab er freilich an, den Angeklagten gar nicht zu kennen (wir haben berichtet). Sein Vernehmer erklärt hingegen, dass der 44-Jährige von sich aus einen Bezug zu dem Polizisten hergestellt habe.

Für den Richter steht damit die Glaubwürdigkeit des Fichtenbergers in Frage. Der Angeklagte, so Haberzettl, sei nach wie vor dringend verdächtig, am 27. Oktober von dem Fichtenberger eine Drogenlieferung erhalten zu haben. Den Antrag der Verteidigung, den Haftbefehl aufzuheben, wies er zurück. Die Verhandlung soll am 19. Mai abgeschlossen werden.

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