Das innere Brodeln
Gschwend. Dieter Ilgs Auseinandersetzung mit Giuseppe Verdis "Otello"- Oper bewegt sich mehr im Bereich des inneren Brodelns als des extrovertierten Ausbruchs. Sein Trio war zu Gast beim Gschwender Musikwinter.
Das Dieter Ilg Trio suchte am Samstagabend beim Bilderhaus-Musikwinter in der Gschwender Gemeindehalle beim Bilderhaus-Musikwinter einen Bogen über die Geschichte vom eifersüchtigen Othello zu spannen. Das unterstrich Perkussionist Patrice Héral. Wobei: Perkussionist ist noch nicht aussagekräftig, um das innovativste Triomitglied zu charakterisieren. Denn das, was er zu Beginn und am Ende kreierte, war nichts Geringeres als ein kleines Hörspiel. Mittels Plastikfolie mit Luftnoppen ließ er das Rauschen des Meeres an der Küste Zyperns entstehen, er fügte Stimmen und Geräusche hinzu, bis Dieter Ilg mit seinem Kontrabass Othello zu "Mascolta" zum Leben erweckte.
Ilg entwickelte die Musik danach ganz klassisch zu einer romantisch sehnsüchtigen Weise, vor allem von Pianist Rainer Böhm sehr einfühlsam unterstützt. Über allem aber schwebten die Abgründe tiefster othelloscher Eifersucht. Stets wartete man darauf, dass man in sie stürzen würde. Doch da enttäuschten die Musiker den Zuhörer. Sie blieben zwar immer gespannt im Ton, ließen es leicht brodeln, aber den ekstatischen Ausbruch suchte man vergebens.
Zu "Fuoco di gioia" gab es treibenden Groove, zu dem Rainer Böhm der chopinesken Umrahmung im Mittelteil eine deutliche Bluesnote hinzufügte. Besondere Nuancen verlieh Patrice Héral danach "O là", dem über einem in warmem Ton pulsierenden Kontrabass das Ausbreiten von weich gewebten Klangteppichen folgte.
Leicht perkussive Saiten-Momente folgten zum von Ilg so bezeichneten "Bösewicht" Jago. Ihnen wurden Flageoletttupfer gegenübergestellt. Der Bösewicht wirkte ein wenig harmlos. Im zweiten Set ging es mit verträumten Klavierklängen zu "A questa tua" weiter, die im nächsten Stück mit herausfahrenden und flatterhaft erregten Skalen kontrastiert wurden.
Einen energiegeladenen Ausbruch brachte in "Orror" Héral auf seinen Drums, der das etwas nervig locker pulsierende Melodiegerüst zu durchbrechen drohte - mehr leider nicht. Perlende Skalen und wirbelnde Figurationen ließ Rainer Böhm auf den Fuß folgen. Sie blieben schließlich im Ostinati stecken. Empfunden, aber nicht innig stimmten die drei Musiker Desdemonas "Ave Maria"-Todesgesang an, dem - ganz der Oper nun folgend - die Musik zur Eifersuchtsszene Othellos gegenüber Desdemona folgte.
Was klassisch und eher sehnsüchtig melodiös auf dem Kontrabass begann, verlief sich bald im Jazz, dem glücklicherweise Hörspieler Héral eine afrikanische Komponente hinzufügte. Sie mündete in den Sound des Beginns, dem das Publikum begeisterten Beifall folgen ließ.
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Autor: RALF SNURAWA | 31.01.2012
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Dieter Ilg (Bass), Rainer Böhm (Klavier) und Patrice Héral (Schlagzeug) in der Gschwender Gemeindehalle. Foto: Snurawa
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