Muswiese: Dieser Treffpunkt ist Kult

Muswiesen-Einblicke: Mitten auf dem Jahrmarkt treffen sich nicht nur alle Gassen, sondern auch fast alle geselligen Hohenloher: am Schlebach-Stand.

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Gaby Dümmler und Kai Hofmann mit ihrem Muswiesen-Bestseller: Kirsch-Rum-Likör.  Foto: 

Wer auf der Muswiese war und hier nicht zumindest ein „Likäärle“ getrunken hat, der war eigentlich nicht auf der Muswiese: Im Herzen des Fests, an einer der ältesten Buden überhaupt, gibt es Flüssiges, das an kalten Tagen ein bisschen Wärme schenkt. Eigentlich müsste man seit Jahren vom Dümmler-Hofmann-Stand schreiben, weil die Geschwister Gaby Dümmler und Kai Hofmann ihn mit großem Einsatz betreiben. Aber der Volksmund spricht halt immer noch vom „Schlebach“. Gertrud Schlebach, die hier bis ins hohe Alter ausschenkte, hat sich mit ihrer liebenswürdigen Art nämlich tief ins kollektive Gedächtnis der Muswiese eingegraben.

1903 hatte der Kolonialwarenhändler Georg Eisenmann aus Rot am See erstmals seinen Stand an der Stelle aufgeschlagen. Da gab es Schnaps, Tabak, Gewürze und Bonbons für die Kinder. Nach seinem Tod im Jahr 1940 übernahmen Tochter Marie und Schwiegersohn Ludwig Neupert die Geschäfte. Es folgte deren Tochter Gertrud Schlebach. Gaby Dümmler und Kai Hofmann wiederum sind die Enkel von Schlebachs Lebensgefährten Ernst Hofmann.

Der Spirituosen-Stand ist heute schlicht Kult. Hier tobt das Leben, hier haben sich sicherlich schon viele Ehen angebahnt, hier in der Menschentraube muss man nur lange genug stehen, um so ziemlich jeden zu treffen, der sich einen stolzen Hohenloher nennt.

Weil aber natürlich Kirschlikör, Glühwein und Asbach-Cola nicht wie Manna vom Himmel fallen, sondern ausgeschenkt sein wollen, braucht es Menschen, die fürs Vergnügen Einsatz bringen. Gaby Dümmler und Kai Hofmann sind an jedem Muswiesen-Tag von 8 Uhr an im Stand, und machen erst tief in der Nacht dicht. Sie schlafen im Wohnwagen. Nur am Montag geht’s nach dem Putzen nach Hause. Sie haben ein festes Team von vier, fünf Leuten, die sie unterstützen.

Kann man sich da noch auf die Muswiese freuen? „Ja, natürlich“, sagt Kai Hofmann. „Man hat einfach ganz viel Kontakt mit den Leuten und erlebt immer wieder etwas, das man noch nicht erlebt hat.“ Und am Donnerstag habe man sich so an den Ablauf gewöhnt, dass es ruhig noch weitergehen könnte.

Bude auf Rädern

Mit der Getränke-Bestellung beginnen sie im August, 14 Tage vor dem Fest wird die Bude aufgestellt. Früher war es eine echt komplizierte Angelegenheit, die historisch wertvollen Holzelemente zusammenzuzimmern. Vor drei Jahren haben sie das Holzhüttchen deshalb auf Räder montiert. Natürlich könnten sie sagen: Wir bauen uns einen ganz neuen Stand, der noch praktischer ist, die Arbeit erleichtert. Aber Dümmler und Hofmann sind sich ihrer historischen Verantwortung sehr bewusst.

Jetzt hoffen die beiden, dass das Wetter besser wird als vorhergesagt. Denn nur Dauerregen kann Muswiese-Gribbl vom stundenlangen Am-Stand-Stehen abhalten. „Sobald der Regen aufhört, kommen die Leute dann aus ich weiß nicht was für Löchern angestürmt“, erzählt Hofmann. Wie gesagt: Am Schlebach-Stand muss man halt gewesen sein.

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