Vier Mann und ihr Projekt in Indien

Schwäbisch Hall/Bhubaneswar.  Schon bald stehen in Hall die Abschlussarbeiten für werdende Bautechniker an. Vier junge Männer, darunter auch zwei Gaildorfer, haben sich entschlossen, eine indische Schule mit Sonnenstrom zu versorgen.

Michael Möller, Matthias Schaub, Uli Kronmüller und Sven Carle von der Bautechnikerschule Schwäbisch Hall planen zusammen mit ihrem Klassenlehrer an einem schwierigen Projekt. Nachhaltig und nützlich soll ihr Vorhaben werden. So wurde rund um den Globus nach Ideen gesucht. Der Finger stoppte schließlich im östlichen Teil Indiens im Bundesstaat Orissa. Dort befindet sich die Carmel English Medium School mit einem angeschlossenen Waisenhaus. Schule und Waisenhaus befinden sich in der Nähe von der großen indischen Stadt Bhubaneswar.

In dem Waisenhaus wohnen zurzeit 240 Kinder im Alter zwischen drei und 16 Jahren. All diese Kinder sind Voll- oder Halbwaisen. Die Carmel English Medium School (CEMS) wird zu Zeit von 1150 Schülern aus der Region Bhubaneswar besucht. Für sie wollen die Jungs aus Deutschland etwas Gutes tun.

Da es in Indien keine garantierte Stromversorgung rund um die Uhr gibt, fällt die Lieferung elektrischer Energie des öfteren aus. Verschlimmern kann sich die Situation während der heißen Monate. Im Bundesstaat Orissa klettert die Temperatur auf bis zu 45 Grad. Unter diesen Bedingungen fällt der Strom auch mal für Tage aus. Auch für die Hitze erprobten Inder wird das dann unangenehm. Ohne funktionierende Ventilatoren in den Klassenzimmern und ohne Strom im Computerraum, ist es dann unmöglich, Unterricht zu halten.

So lautet das Ziel der angehenden Bautechniker, für die Kinder eine sichere Stromversorgung zu gewährleisten. Natürlich sollte die Energie aus regenerativen Quellen gewonnen werden. In Indien bietet sich dazu eine Lösung auf der Basis von Fotovoltaik an. So ist nun beabsichtigt, eine Anlage mit 3,7 KWp zu installieren. Um die Energie speichern zu können, wird auch eine leistungsfähige Batterie installiert. Diese ist leider entsprechend teuer.

Für die Realisierung ihres Vorhabens sind die Schüler auf Spendengelder und Sponsoren angewiesen. Privatleute und auch Firmen engagieren sich bereits. Wenn das Projekt gelingt, soll es der Grundstein für weitere Vorhaben sein. Um in Indien Vorbereitungen für die Installation der Fotovoltaikanlage treffen zu können, packten zwei der vier jungen Bautechnikerschüler kurzerhand die Koffer. Uli Kronmüller und Sven Carle reisten Anfang Januar für sechs Tage nach Indien um Informationen über die Beschaffenheit der Gebäude und die vorhandene Infrastruktur zu sammeln.

Der "kleine Ausflug" begann am 3. Januar. Die beiden haben während ihrer Winterferien kurz entschlossen gehandelt, bekamen leider keinen Direktflug mehr und erreichten ihr Ziel auf Umwegen. Von Frankfurt aus ging es mit dem Flugzeug zuerst nach Istanbul anschließend in die indische Hauptstadt Delhi, wo sich die Schüler erst noch ihre Tickets für den Inlandsflug nach Bhubaneswar besorgen mussten. Das kostete Zeit.

Endlich am Flughafen von Bhubaneswar angekommen, wurden sie auch schon erwartet. Mit dem Auto ging es dann in 30 Minuten über die "Autobahn" mit typisch indischem Verkehrsaufkommen zur Schule. Dort angekommen, bezogen die beiden erstmal ihre Unterkunft gegenüber der CEMS.

Dann startete das Programm. Nach einer kurzen Erholungspause von der Reise wurden die Gäste aus Deutschland abends im Waisenhaus von den Kindern und Betreuern mit Blumenketten und Indischen Tänzen empfangen. Nachdem die Besucher in der Gemeinschaft willkommen geheißen wurden, wurde schon das erste original indische Essen serviert.

Am zweiten Tag gings an die Arbeit. Uli Kronmüller und Sven Carle schauten sich die Schule bei Tageslicht genauer an und dokumentierten die Ergebnisse. Im Detail interessierte sie natürlich besonders die Dachfläche. Hier sollen die Solarzellen in einem optimalen Winkel installiert werden. Noch am selben Abends versuchten die beiden per E-Mail, Kontakt zu einem Außendienstmitarbeiter einer in Bangalore ansässigen Firma aufzunehmen. Von dort soll die Photovoltaikanlage bezogenen werden.

Die Zeit drängte. Der dritte Tag war dann voller Überraschungen. Kurz zuvor wurde den angehenden Bautechnikern angekündigt, das den indischen Schülern Pokale überreicht werden sollten. Die Auszeichnungen gab es in verschiedene Kategorien für Projekte wie gelungene Referate und anderes. Bis kurz vor dem eigentlichen Festakt war Uli Kronmüller und Sven Carle allerdings nicht so richtig klar, dass sie die Pokale überreichen sollten. Doch auch diese Herausforderung wurde gemeistert. Nachdem sich die vielen Schülerinnen und Schüler in einer schier endlosen Kolonne vor der Schule versammelt hatten, wurde mit der Ehrung begonnen.

Nach der anstrengenden Ehrungszeremonie wurde ein erneuter Versuch gestartet, Kontakt zu dem Außendienstmitarbeiter der Solartechnik-Firma aus Bangalore aufzunehmen. Dieses Mal wurde das Telefon benutzt.

Das war natürlich angesichts der Sprachbarriere Deutsch-Indisch nicht ganz einfach. Hilfe gabs dazu viele tausend Kilometer entfernt von Sebastian Dürr vom Steinbeis-Beratungszentrum für Projektentwicklung, erneuerbare Energien und Energieeffizienz in Wolpertshausen. So konnte am Ende für den folgenden Tag ein Termin vereinbart werden.

Das hat dann auch soweit geklappt. Der Mann aus Bangalore kam, wie ausgemacht, gegen 10 Uhr bei der CEMS an. Er hatte zu diesem Zeitpunkt schon eine lange Reise hinter sich. Mit dem Flugzeug überbrückte er die rund 800 Kilometer Distanz zwischen Bangalore und Bhubaneswar.

Rund fünf Stunden lang berieten sich Uli Kronmüller, Sven Carle und der Außendienstmitarbeiter mit den Schulleitern der CEMS. Dabei gings über technische Details wie die Ausrichtung, die Aufständerung der Module bis hin zur optimalen Verlegung der Kabel oder die Aufnahme aller möglicher Verbraucher, die später mit Sonnenstrom betrieben werden sollen.

Nachdem der Außendienstmitarbeiter abgereist war, wurde es auch für die Besucher aus Deutschland Zeit, langsam die Koffer zu packen. Obwohl sich Uli Kronmüller und Sven Carle nur ungern von den netten Indern und dem herrlichem Wetter und warmen Temperaturen von bis zu 30 Grad verabschieden wollten, wartete das Taxi für den Transfer zum Flughafen. Im kalten Deutschland wartete auf die beiden nach einer langen und aufregenden Heimreise vor dem Frankfurter Flughafen schon der "Heimfahrservice" in Person von Michael Möller und Matthias Schaub.

Anfang März werden die angehenden Bautechniker dann zu viert gemeinsam mit Klassenlehrer Siegfried Radke für zwei Wochen nach Indien reisen, um die Photovoltaikanlage zu installieren und somit den Grundstein für Folgeprojekte nachkommender Bautechnikerschüler zu legen.


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Autor: ULI KRONMÜLLER | 12.02.2011

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