Wortpointen schaffen Bildpointen

Die Abtsgmünder Herbstausstellung mit Bildern von Professor Dieter Groß aus Stuttgart ist etwas Besonderes. Die so noch nirgendwo gezeigte Satire-Kollektion verbindet mit Worten und Strichen zwei Künste.

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„Gehen Sie in dieser Ausstellung der ganzen und unverblümten Wahrheit auf die Spur, vergnügen Sie sich an den schrulligen Szenen und Konstellationen der neuen Satirekollektion und Sie werden sie einfach Groß-Art-ig finden“ – mit einem auf den Künstler und die Kunst gemünzten Wortspiel eröffnete der Abtsgmünder Bürgermeister Armin Kiemel am vergangenen Donnerstag die Herbstausstellung der Kulturstiftung Abtsgmünd in der Zehntscheuer. Dieter Groß ist Künstler und Kunsterzieher, Satiriker, Kabarettist, Schwabe und auch Sänger.

„Wir leb’n in ’ner eiligen, hastigen Zeit, mit der Uhr in der Hand, mit der Uhr in der Hand, Der eine, der schiebt heut‘ den andern beiseit’, mit der Uhr, mit der Uhr in der Hand“, singt Dieter Groß nach einem Lied und Text von Otto Reuter und beginnt damit seine Art einer Vernissagerede, die auch ein ins Schwäbische übertragenes Gedicht aus dem „Trödelmarkt der Träume“ von Michael Ende enthält. Groß, der von Johannes Blair auf dem Klavier begleitet wird, schätzt pointierte Texte, die er adäquat bebildert. Die Abtsgmünder Herbstausstellung ist folgerichtig mit „Wortpointen schaffen Bildpointen“ überschrieben.

In seiner Vernissagerede spricht Groß nicht nur, sondern singt auch, andere Texte rezitiert er frei und lenkt die Aufmerksamkeit der Besucher immer wieder auf die Bildergruppen in der Zehntscheuer. Einen gereimten Text von Michael Ende Mimik und seine Gestik sind ausdrucksstark. Die vielen Besucher genießen diese etwas andere, sehr erfrischende Art der Ausstellungseröffnung.

Die Texte auf den Bildern und Zeichnungen stammen  zum Teil von dem Esslinger Aphoristiker Hanns-Hermann Kersten (1928-1986). Groß hat ihn, zusammen mit zwei weiteren Grafikern, Anfang der Neunzehnhundertachtzigerjahre zwei Jahre lang mit satirischen Zeichnungen beliefert, die Kersten dann aphoristisch kommentierte. Die so entstandene Kollektion wurde 1983 unter dem Titel „Ätzendes Striche, beißende Worte“ im Wilhelm-Busch-Museum in Hannover gezeigt.

Pausendias aus dem Kabarett

Gezeigt werden aber auch Spruchkartenmotive nach Texten, die Michael Wahl in breitem Schwäbisch verfasst hat, Bilder aus dem Zyklus „Leere Sprechblase“ sowie verschiedene Pausendias aus dem Archiv der Kabarettgruppe „ Die Pinguine“, deren Leiter Dieter Groß viele Jahrzehnte war.  Mit dem Lied „In 50 Jahren ist alles vorbei“ setzt  Dieter Groß dann nochmals einen besonderen Schlussakzent zu seiner Art einer Vernissagerede und  Einführung in die eigenen Werke.

Dieter Groß kam 1937 in Stuttgart zur Welt und blieb der schwäbischen Metropole stets verbunden. Er studierte von 1956 bis 1963 Kunsterziehung und Geographie, wirkte an verschiedenen Gymnasien und wurde dann künstlerischer Assistent an der Staatlichen Akademie der bildenden Künste in Stuttgart, wo er 1972 eine Professur erhielt. fa/rif

Info Die Ausstellung in der Zehntscheuer dauert bis 13. November. Geöffnet ist jeweils samstags von 14 bis 17 Uhr und sonntags von 11 bis 17 Uhr.

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