Windkraft: Interessengemeinschaft Uhlberg und Umgebung setzt auf Artenschutz

Mehr als 500 Besuche seltener Vogelarten haben die Anrainer des Waldgebietes Schäfer in Frankenhardt seit dem Frühjahr gezählt. Darunter: der seltene Schwarzstorch. Können die Vögel den Windpark verhindern?

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Die Ergebnisse ihrer privaten Naturbeobachtungen haben die Mitglieder der Interessengemeinschaft Uhlberg und Umgebung an sämtliche Stellen geschickt, die am Verfahren um eine Ausweisung der Fläche zur Windenergienutzung beteiligt sind: die Verwaltungsgemeinschaft Crailsheim, die Untere Naturschutzbehörde, der Regionalverband Heilbronn-Franken, Forst BW und natürlich die Gemeinde Frankenhardt sowie - da das Gebiet an der Grenze zum Ostalbkreis liegt - die zuständigen Stellen des Nachbarkreises. "Es soll hinterher niemand behaupten können, er hätte von nichts gewusst", betont Peter Schneider. Die Bürger hoffen, mit ihren Ergebnissen das laufende Flächennutzungsplanverfahren insoweit beeinflussen zu können, dass es gar nicht erst zur Ausweisung einer Fläche für die Windkraftnutzung kommt.

"Wir waren überrascht, wie dürftig das offizielle artenschutzrechtliche Gutachten ausfällt. Es wurde offensichtlich erstellt, ohne dass eine Begehung des Gebietes stattgefunden hat", berichtet Wolfgang Klein. Dass sich laut Gutachten keine seltenen Vogelarten in dem Wald vor ihrer Haustür aufhalten sollen, konnten die Bewohner der Dörfer und Wohnplätze Vorderuhlberg, Hinteruhlberg, Lindenhof, Ipshof, Betzenhof und Fleckenbachsägmühle nicht glauben. Zu oft hatten sie selber schon beim Spaziergang den Roten Milan oder den Wespenbussard beobachtet. Auch Fledermäuse seien hier zu Hause. Und jedes Jahr bezögen Wildgänse und Kraniche ihr Sommerquartier am Fleckenbach, erzählen die Bürger bei einer Zusammenkunft im Hinteruhlberger Bushäusle. Vom Schwarzstorch ist den eifrigen Naturbeobachtern sogar ein Horst bekannt. Davon gibt es nach offiziellem Stand in ganz Baden-Württemberg nur sechs Stück. Seit April schreiben nun alle Bürger auf, wann und wo sie einen dieser seltenen Vögel gesehen haben. Bis August wurden 500 Aufschriebe gesammelt, dazu gibt es 300 Fotos und einige Stunden Videomaterial.

"Zum Artenschutz gehören nicht nur die gefährdeten Vogelarten", sagt Wolfgang Klein. "Wir erwarten außerdem, dass die VVG den Generalwildwegeplan berücksichtigt."

Die Planungen zum Windpark Schäfer hatten sich von ursprünglich zehn Anlagen zwischenzeitlich auf fünf reduziert. Der neue Investor W.I.N.D. GmbH, der gute Chancen hat, die Waldfläche von Forst BW pachten zu können, stellte seine Pläne im September in der öffentlichen Gemeinderatssitzung vor. Darin wurde mit einem Abstand von 950 Metern zwischen Windrad und Wohnbebauung gerechnet. Bisher waren nur 700 Meter geplant. Damit waren die ursprünglichen Forderungen der Windkraftgegner - tausend Meter Abstand und Windkraftanlagen in einer vertretbaren Anzahl - schon fast erfüllt. Aber eben nur fast. "Wir können uns nicht auflösen, weil die Planung der W.I.N.D GmbH nicht rechtskräftig ist. Es gibt keine Garantie, dass aus den geplanten fünf Anlagen nicht plötzlich doch zehn werden. Und außerdem: 950 Meter sind keine 1000 Meter", betont Klaus Schneider. Also geht die Arbeit der Interessengemeinschaft weiter. Vielleicht hat sie mit dem Schwarzstorch jetzt ein Ass im Ärmel.

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