Wie mit Muslimen zusammenleben?

Wie kann das Zusammenleben von Christen und Muslimen gelingen? Heinrich Georg Rothe, Islambeauftragter der evangelischen Landeskirche in Württemberg, hat in Gaildorf versucht, diese Frage zu beantworten.

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Heinrich Georg Rothe spricht über die Frage des Zusammenlebens von Christen und Muslimen im evangelischen Gemeindehaus Gaildorf.  Foto: 

Er weiß um das Spannungsverhältnis, und er weiß auch Antworten auf die Frage, wie Christen und Muslime zusammenleben können. Das evangelische Kreisbildungswerk und der evangelische Kirchenbezirk hatten Heinrich Georg Rothe, den Islambeauftragten der evangelischen Landeskirche in Württemberg, ins Gaildorfer Gemeindehaus eingeladen. Barbara Koch, Islambeauftragte des evangelischen Kirchenbezirks Gaildorf, eröffnete den Abend mit einem Wunsch: Die Veranstaltung möge dazu beitragen, dass Christen und Muslime besser lernten, miteinander zu leben statt nebeneinander her zu leben.

In der Treue zum jeweils eigenen Glauben

Heinrich Georg Rothe betonte, dass sich die Landeskirche 2006 im Blick auf Christen und Muslime das Ziel gesetzt habe: "Wir wollen miteinander leben lernen." Dialog bedeute jedoch nicht das Aufgeben des eigenen Glaubens, sondern geschehe in der Treue zum jeweils eigenen Glauben.

Als Einstieg in die Thematik zeigte Rothe einen Film über den Besuch des württembergischen Landesbischofs Frank Otfried July im Staat Oman auf Einladung des dortigen Religionsministeriums. Für Rothe ist der Oman ein positives Beispiel, dass auch in einem mehrheitlich islamischen Land religiöse Minderheiten geschützt und toleriert werden können.

Die evangelische Kirche setze sich ein für Religionsfreiheit in allen Ländern und fordere diese auch ein für die eigenen Glaubensgeschwister - dort, wo das Christentum eine Minderheit ist. Glaubwürdig könne die Kirche jedoch nur sein, wenn sie sich auch im eigenen Land dafür einsetze, dass Muslime ihren Glauben praktizieren können.

In Deutschland leben bis zu 4,3 Millionen Muslime, was etwa 5 Prozent der Bevölkerung ausmacht. Von den in Deutschland lebenden Muslimen haben etwa 60 Prozent einen türkischen Hintergrund. Die Muslime bilden laut Rothe allerdings keine geschlossene Gruppe. Es gebe ganz unterschiedliche Strömungen der Frömmigkeit und der politischen Ausrichtung. Und: Man müsse insgesamt vor den Muslimen keine Angst haben.

Rothe ist davon überzeugt, dass Unterscheidungen für das Miteinander eine ganz wichtige Voraussetzung sind. Er erläuterte dies am Beispiel des Themas Zwangsheirat, die kein rein muslimisches Problem darstelle, sondern kulturelle Ursachen habe.

"Wir müssen lernen, zwischen religiösen und kulturellen bzw. sozialen Fragen zu unterscheiden", davon ist der Islamkenner überzeugt. Wenn dies gelinge, werde man in Moscheen Verbündete finden. Probleme im Zusammenleben, so Rothe, dürften dabei nicht kleingeredet werden, man solle sie "sachgerecht bearbeiten".

Ursache für eigene Probleme nicht bei anderen suchen

Rothe sieht deutliche Veränderungsprozesse in der Zusammensetzung der Gesellschaft. Kirche müsse sich diesen Veränderungen stellen. Dies sei keine leichte Aufgabe in einer Zeit, in der Christen das Gefühl hätten, es gehe rückwärts mit der eigenen Religion. Gleichzeitig entstehe der Eindruck, dass andere Religionen wie der Islam ihre Räume ausbauten. Die Gefahr sei hier, dass Aggressionen aufkommen. Rothe warnte jedoch davor, die Ursachen für die eigenen Probleme bei anderen zu suchen. "Muslime sind nicht für den demografischen Wandel und Kirchenaustritte verantwortlich", so der Islambeauftragte.

An den Vortrag schloss sich ein Gedankenaustausch mit den Besuchern des Abends an, der von Birgit Schatz, Geschäftsführerin des Kreisbildungswerkes, moderiert wurde.

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Kommentare

04.04.2014 08:36 Uhr

Auch der Islam stößt auf den Humanismus und das wissenschaftliche Denken

Alle abrahamitischen Religionen: Judentum, Christentum und Islam verlieren in der modernen, wissenschaftlich orientierten Gesellschaft massiv an Einfluss. So wird z.B. die religiös motivierte Beschneidung von Jungen durch humanitäre und medizinische Gründe gekippt werden.

Unser gesellschaftliches Ziel sollte es sein, die Kinder nicht religiös indoktrinieren zu lassen. Insbesondere die Kindergärten sollten wir vor dem Einfluss der Religionen schützen.

Um Konflikte nicht eskalieren zu lassen, sollten wir bestehende Unterschiede, wie Bekleidungsvorschriften, langsam aufweichen. Man denke an die früheren katholischen Klosterschwestertrachten, die heute weitgehend verschwunden sind.

Ich bin gerne bereit, ausführlich aufzuzeigen, wie man die Kindergärten von religiösem Ballast befreien kann.

Joachim Datko - Physiker, Philosoph
Forum für eine faire, soziale Marktwirtschaft
http://www.monopole.de

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