Was man aus Blasmusik machen kann

Ein herausragendes Erlebnis für Musiker und Publikum war das Frühjahrskonzert des Musikvereins Gschwend am Samstagabend in der Gschwender Gemeindehalle. Zu Gast war die Stadtkapelle Gaildorf.

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  • Schlauchboot und Rettungsring bleiben Dekoration: Frieder Geiger steuert die Gschwender Musiker sicher durch die Takte. 1/4
    Schlauchboot und Rettungsring bleiben Dekoration: Frieder Geiger steuert die Gschwender Musiker sicher durch die Takte.
  • Verehrt und beschenkt: Moderatorin Regina Groß und Hans Kriso von der Stadtkapelle Gaildorf, der Gschwender Dirigent Frieder Geiger und der Stadtkapellen-Vorsitzende Achim Kosl (von links). Rechts: Hans Kriso dirigiert die Stadtkapelle. 2/4
    Verehrt und beschenkt: Moderatorin Regina Groß und Hans Kriso von der Stadtkapelle Gaildorf, der Gschwender Dirigent Frieder Geiger und der Stadtkapellen-Vorsitzende Achim Kosl (von links). Rechts: Hans Kriso dirigiert die Stadtkapelle.
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  • Das "hohe Blech" greift zu ungewöhnlichen Mitteln. . . Fotos: Rückert 4/4
    Das "hohe Blech" greift zu ungewöhnlichen Mitteln. . . Fotos: Rückert
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Es gehöre zur langjährigen Tradition des Frühjahrskonzertes, dass eine Gastkapelle das Programm mitgestalte, erklärte Musikvereinsvorsitzender Dieter Grau. Im dritten Anlauf sei es seinem Verein gelungen, die Stadtkapelle Gaildorf für den Konzertreigen zu gewinnen. Von dem großen Publikumsandrang, der lange vor Beginn des Konzertabends einsetzte, war Grau beeindruckt. Für ihn ein Beweis für das Interesse an der Arbeit des Musikvereins.

Die Musiker der Stadtkapelle Gaildorf unter der Leitung von Stadtkapellmeister Hans Kriso hatten eine Mischung aus traditionellen und modernen Blasmusikarrangements in ihren Notenmappen aufgelegt. Die Stücke wurden von Regina Groß beschrieben und vorgestellt.

Eine Bildbeschreibung im herkömmlichen Sinne verlangt Beobachtungsgabe. Eine musikalische Beschreibung eines Bildes verlangt Fantasie und Einfühlungsvermögen in das Gemälde, das nur vom Titel her das Thema vorgibt. Den Gaildorfer Musikern ist dieser schwierige Spagat gelungen. Durch Klangfülle, choralartige Passagen und die Einmischung von glockenartigem Geläute beschrieben sie das Große Tor von Kiew aus Mussorgskis "Bilder einer Ausstellung".

Antonin Dvoráks Slawischer Tanz Nr. 8 begeisterte durch kraftvoll pulsierende und klangvolle Musik. Sachte angestimmt leitete die Stadtkapelle den Konzertwalzer "Wiener Bürger" ein, der sich erwartungsgemäß im weiteren Vortrag zu einem schwungvollen Dreivierteltakt aufbaute - eben ein klassischer Wiener Walzer von Ziehrer.

Mit einem epochalen Klangbild beschrieb die Stadtkapelle die Romanerzählung zum "Letzten Mohikaner". Sich wiederholende Melodien und steigerndes Tempo ließen nicht nur die Instrumentenklappen und Ventiltasten der Blasinstrumente fliegen. Sie steigerten die dramatische Stimmung, die schließlich in einem ruhigen Adagio endete.

Zum konzertanten Blasmusikrepertoire gehören längst auch Pop- und Rocktitel, die selbst schon Musikgeschichte sind. Die Gaildorfer Musiker bewiesen dies mit dem rhythmusstarken "Africa" von der Gruppe "Toto".

Dann ging in Gschwend schon wieder die Sonne auf, obwohl sie erst kurz zuvor hinterm Hagberg untergegangen war. Mit dem gleichnamigen Konzertmarsch wollte das Gaildorfer Orchester sein Programm beschließen - wurde jedoch erst nach einer Zugabe mit der "Annen Polka" vom Publikum anerkennend von der Bühne entlassen.

Wasser war das beherrschende Thema der Konzertstücke des Musikvereins Gschwend. Der ging mit der viersätzigen Suite aus Händels Wassermusik temporeich, tänzerisch und filigran zugleich in die Vollen. Das große Orchester verstand auch die Reise entlang des Rheins mit seinen Landschaften, Stadtbildern und Monumentalbauten in musikalischen Bildern trefflich zu beschreiben. Dank der Einführung durch Dirigent Frieder Geiger konnten die Besucher die musikalische Reise entlang des großen europäischen Stroms miterleben.

Auch die Komposition von Markus Götz zu den Kapverdischen Inseln wurde von den Musikern plastisch vor Augen geführt. Musikalisch erzeugtes Meeresrauschen beschrieb darin den Einklang der Natur. Wilde Rhythmen symbolisierten den Kampf der Kulturen, den Abschiedsschmerz der Auswanderer. Ein verhaltener Salsa, dem bald ein lebensbejahender, temperamentvoller Rhythmus folgte, endete mit dem anfänglichen Klangbild von Meer und Landschaft versöhnlich in "Cabo Verde". Maren Weller (Es-Saxofon), Daniela Weller (Flöte) und Uwe Schaaf (Trompete) unterstrichen die sehnsuchtsvolle und dramatische Musik mit hervorragenden Soli.

Nicht weniger dramatisch war die Musik zum Untergang der Titanic. Das imposante Medley mit starken Dissonanzen endete mit dem zum Welthit avancierten "My Heart will go on". Damit gelang dem Gschwender Orchester die Überleitung zu modernen Kompositionen wie Simon & Garfunkels "Bridge over troubled Water".

Nach einer bewundernswerten und beachtlichen "Taktzählleistung" in den meist hohen musikalischen Anforderungen erlaubte sich das Orchesterensemble mit "Fascinating Drums" eine scherzhafte Zugabe. Um die Verbindung zum Thema Wasser zu halten, wechselte das perkussive Stück plötzlich zum Walzer "Schöne blaue Donau", mischte sich Entengequake darunter und das hohe Blech setzte Gummischläuche mit Plastiktrichtern ein. Erst ein "Rausschmeißer" beruhigte das aufgewühlte Publikum.

Herausragend die Leistung der beiden Dirigenten, die auf der mit kräuselnden Wellendekoration verzierten, weit in den Raum ragenden Bühne sicher durch die schwierigen Partituren führten. Das Schlauchboot am Halleneck und der Rettungsring unter dem Dirigentenpult blieben Dekoration und mussten nicht eingesetzt werden. Dieter Grau brachte es am Schluss auf den Punkt: "Die Vorträge haben gezeigt, was man aus der Blasmusik machen kann!"

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