Warnstreik-Welle erreicht Mahle in Gaildorf

Von einer Einigung sind die Tarifparteien in der Metall- und Elektroindustrie weit entfernt. Die laufenden Verhandlungen werden von Warnstreiks begleitet. Gestern gabs eine Kundgebung bei Mahle in Gaildorf.

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Die IG Metall-Bevollmächtigte Heidi Scharf mit den Betriebsräten Utz Schnabel, Martin Maaß (Mahle) und Alfred Sanwald (AS Motor).

Etwa 150 Arbeitnehmer versammelten sich gestern früh um 9 Uhr zu einem einstündigen Warnstreik vor den Toren der Mahle Ventiltrieb in Gaildorf. Zu den Mahle-Mitarbeitern hatten sich auch etwa 25 Beschäftigte der Firma AS-Motor in Bühlertann gesellt. Bei der Kundgebung sprachen die Betriebsratsvorsitzenden Alfred Sanwald (AS Motor) und Martin Maaß (Mahle Ventiltrieb) sowie Heidi Scharf, 1. Bevollmächtigte der IG Metall Schwäbisch Hall.

6,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt fordern die Arbeitnehmer, dazu die unbefristete Übernahme von Auszubildenden und mehr Mitspracherecht beim Einsatz von Leiharbeitern. Das Angebot der Arbeitgeber beläuft sich bisher auf drei Prozent für 14 Monate. Da die Arbeitgeberseite zudem die Arbeitszeiten ausweiten möchte und fordert, die Gültigkeit befristeter Arbeitsverträge von 24 auf 36 Monate zu erhöhen, ist eine Einigung derzeit nicht in Sicht. Die Verhandlungsrunde endet am 15. Mai. Dann, so Heidi Scharf, werde sich zeigen, ob die Warnstreiks wirksam waren. Die Gewerkschaft sei auch auf eine härtere Auseinandersetzung vorbereitet.

6,5 Prozent seien "finanzierbar, gerecht und notwendig" sagt Martin Maaß mit Verweis auf die Rekordgewinne der Branche im vergangenen Jahr. Statt sich großzügig zu bedienen, sollten Vorstände und Management in Nachhaltigkeit und Zukunftssicherheit investieren. Für Mahle Ventiltrieb in Gaildorf, wo immer noch Kurzarbeit an der Tagesordnung ist, bedeute dies "neue Produkte und neue Technologien".

Knackpunkte der Auseinandersetzung aber dürften vor allem die Mitspracheforderungen der Arbeitnehmer werden. Die Arbeitgeberseite habe 2011 herausragende Ergebnisse eingefahren und erwarte auch 2012 und 2013 ordentliche Gewinne, sagt Heidi Scharf. Diese Entwicklung sei aber an den Arbeitnehmern und auch am Gemeinwesen völlig vorbei gegangen. Statt stabile Arbeitsverhältnisse zu schaffen, setzten viele Betriebe weiterhin auf die Leiharbeit. Ziel der Tarifauseinandersetzung sei daher auch, die Mitsprachemöglichkeiten beim Einsatz von Leiharbeitern verbindlich zu stärken. Bisher hätten die Betriebsräte keine Einspruchsmöglichkeiten und müssten daher mitunter hilflos mit anschauen, wie Stammarbeitsplätze durch minder bezahlte, ungeschützte Leiharbeitskräfte verdrängt würden. "Ich habe Arbeitsverträge mit einem Tag Kündigungsfrist gesehen", sagt Heidi Scharf, "das ist Tagelöhnerei."

"Heute bist du arbeitslos und morgen in einer Leiharbeitsfirma, und die Kosten übernehmen die Sozialkassen", ergänzt Alfred Sanwald. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass man so eine Wirtschaft stabilisieren kann."

Kein Verständnis haben die Arbeitnehmer auch für die zwölfmonatige Probezeit für Azubis, die übernommen werden. Wenn man einen jungen Menschen ausgebildet habe, dann wisse man auch, was er leisten könne, sagt Heidi Scharf. Angesichts des herrschenden Fachkräftebedarfs sei diese Probezeit eigentlich nur als Disziplinierungsmaßnahme zu verstehen.

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