Von der Kocherwiese bis zu den Gestaden des Mississippi

Das Bluesfest blüht in der Genrenische. Geschätzt von seinen Fans, genießt es in der Welt der Blues-Experten großes Renommee.

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  • Blick zurück in Schwarz-Weiß:  Katie Webster (links) und Maxine Howard traten 1986 in Gaildorf auf. Die „Swamp Boogie Queen“ Webster starb 1999 im Alter von 63 Jahren; Sängerin Howard ist heute Pastorin einer freikirchlichen Gemeinde in Mannheim.   1/2
    Blick zurück in Schwarz-Weiß:  Katie Webster (links) und Maxine Howard traten 1986 in Gaildorf auf. Die „Swamp Boogie Queen“ Webster starb 1999 im Alter von 63 Jahren; Sängerin Howard ist heute Pastorin einer freikirchlichen Gemeinde in Mannheim.   Foto: 
  • Die Gegenwart: Robert Cray und der Bassist Richard Cousins beim Bluesfest 2015. 2/2
    Die Gegenwart: Robert Cray und der Bassist Richard Cousins beim Bluesfest 2015. Foto: 
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Ein bisschen Bierzelt ist immer beim Bluesfest, hat mal jemand von der Kulturschmiede gesagt. Und ein bisschen „gallisches Dorf“ wohl auch, wie die Erfahrung lehrt. In Zeiten, wo jeder schnöselige Schlager, der versehentlich ein paar „Likes“ kassiert hat, zum „Hit“ erklärt wird, und quasi keine Distanz mehr zwischen Klatschspalte und Hitparade gewahrt wird, hat man’s schwer als ehrenamtlich organisiertes Genrefestival. Wobei dies keine Zeit­erscheinung ist – das war schon immer so. Der Blues und seine Anverwandten werden zwar nicht belächelt, da seien schon die blues­affinen „Rolling Stones“ vor, sie sind aber offenbar nicht pop- beziehungsweise massenkompatibel – für die Seite eins fehlt was.

Fassunglose Gesichter

Dafür geht den Leuten von der Kulturschmiede das Herz auf, wenn sie in die fassungslosen Gesichter von Bluesfest-Neulingen gucken. Immer wieder erscheinen Leute auf der Kocherwiese, die per „Buschtrommel“ viel über das Festival gehört und sich nun endlich aufgerafft hatten, um auch mal zu gucken und zuzuhören. Und wenn sie dann am Sonntagfrüh, wenn die Verstärker abgeschaltet sind, den Mund wieder zugeklappt haben, sind sie dieser modernen, vitalen und nach allen Seiten offenen Musik verfallen.

In Expertenkreisen steht das Renommee des Bluesfestes freilich außer Frage. Das älteste deutsche Bluesfestival gehöre „zu den schönsten in Europa“, schrieb Tom Schroeder in der 2009 erschienenen Blues-Anthologie „Ich hab den Blues schon etwas länger“. Und der Blueswälzer „Das blaue Wunder“, der 2010 erschien, räumte den Gaildorfern gar ein ganzes Kapitel ein.

Seinerzeit lag offenbar etwas in der Luft: Dass  nahezu zeitgleich zwei voluminöse Schwarten über den bis dato eher stiefmütterlich behandelten Blues in Deutschland erschienen, war auffällig – zumal man sich des lustigen Eindrucks nicht erwehren konnte, dass die jeweiligen Herausgeber einander nicht ganz grün waren – soviel zum Akademikerblues.

Auch die „Bluesnews“, Deutschlands renommiertestes Genreorgan, wissen das Bluesfest zu schätzen. „Das schwäbische Kultfestival“ hat Martin Feldmann, Bluesfest-Dauergast und -Botschafter seit 1985, seinen Beitrag zum  23. Bluesfest im Jahr 2013 überschrieben – 35 Jahre, nachdem das erste Bluesfest im Hof des Alten Schlosses über die Bühne gegangen war. Das Ereignis wurde auch in den USA wahrgenommen. Eine gekürzte Version von Feldmanns Artikel erschien in der September-Ausgabe des Magazins „Blues & Rhythm“, das den schönen Beinamen „The Gospel Truth“ über dem Titel gedruckt trägt.

Ins Bluesarchiv aufgenommen

Auch im deutschen Jazzpodium und in der US-Gazette „Living Blues“ hat Feldmann, Profi-Journalist und Blues-Experte, Bluesfest-Berichte und -Fotos untergebracht, darüberhinaus hat er dem Bluesfest zu archivalischen Ehren verholfen. Die Papierabzüge der Bluesfest-Porträts von Guitar Crusher, Honey Alexander und Rod Piazz, Jo Ann Kelly, Al Jones und Otis Grand, die er in einem Schuhkarton an die Redaktion von „Living Blues“ geschickt hatte, wurden gescannt und archiviert und fanden Eingang in das Blues-Archiv der University of Mississippi.

Einige dieser Bilder werden ab Samstag auch in der Galerie im Alten Schloss zu sehen sein, wo anlässlich des 25. Bluesfestes eine Retrospektive mit vielen Bildern gezeigt wird. Das Wesentliche nicht zu vergessen: Zur Vernissage spielen exakt da, wo vor 39 Jahren alles begann, Big Pete & Band mit Alex Schultz. Beginn: 19 Uhr.

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Schaut man sich die Tourpläne der Bands an, die beim Bluesfest in Gaildorf spielen, erhält man eine Ahnung von der Wertigkeit dieses Festivals.

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