Viele Neuzuänge und ein Abschied

Aktuelle Neuzugänge der Murrhardter Kunstsammlung werden ab Sonntag gezeigt. Es ist die letzte Ausstellung, die Heide von Berlepsch kuratiert hat.

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Vor sechs Jahren hat Heide von Berlepsch (75) die Betreuung der Kunstsammlung Murrhardt übernommen. Nun hört sie auf. Das Foto  entstand im März 2012. Es zeigt die Kuratorin mit einem Bild von Oskar Zügel, das in der Ausstellung „1933-1945 Verfemt - Verfolgt“  gezeigt wurde.  Foto: 

Ein Museum solle nicht nur Harmonisches und Schönes bieten, sondern auch Zeitkritik beinhalten, so fasst Heide von Berlepsch (75) als ehrenamtlich tätige Kuratorin ihr Ausstellungscredo zusammen. Und das hat sie in den vergangenen sechs Jahren auch umzusetzen versucht: nicht nur die Bestände und Dauerleihgaben der Städtischen Kunstsammlung zu zeigen, sondern sie auch in einen Gesamtzusammenhang zu stellen.

Unter den etwa 500 Exponaten, zum größten Teil Gemälde und Radierungen, finden sich Werke von Reinhold Hägele und Heinrich von Zügel. Heide von Berlepsch zeigte sie im Umfeld des schwäbischen Impressionismus, sodass es den Ausstellungsbesuchern möglich war, die Sammlungsbestände auch einzuordnen.

Genauso verfuhr sie mit einer Ausstellung mit vorwiegend Bildern von Oskar Zügel und Reinhold Nägele im Jahr 2012. „Verfemt – Verfolgt“ lautete der Titel der Ausstellung, die ihr besonders wichtig war. Der politische Maler Zügel und der wegen seiner jüdischen Frau mit Berufsverbot belegte Nägele wurden darin im Kontext mit Willi Baumeister, Oskar Schlemmer, Käthe Löwenthal oder Max Ackermann gezeigt. Kunst nicht nur um der Kunst willen zu zeigen, sondern auch die Aussagekraft im gesellschaftlichen wie politischen Sinn einzufangen, das sei ihr  Anliegen bei dieser sehr kritischen Ausstellung gewesen.

In der Ausstellung mit Werken von Gustav Essig und Carl Obenland ginge es um Auftragsmalerei, um Porträts, ebenso  auch in der Ausstellung mit Tier- wie Menschenporträts von Georg Adam Eger. Dieser Murrhardter Rokoko-Maler stand längere Zeit in Diensten des Landgrafen Ludwig VIII. von Hessen-Darmstadt, einem begeisterten Jäger, der sich Jagdgemälde wünschte. Zurück in Murrhardt fertigte Eger Porträts an, beispielsweise von Haller Patriziern und Hohenloher Fürsten.

Für diese Ausstellung waren natürlich Leihgaben sehr wichtig, genauso für die Ausstellung über die Hegenbarths. In der Sammlung ist Emanuel Hegenbarth, ein Schüler und Schwiegersohn von Heinrich von Zügel, vertreten. Heide von Berlepsch verlieh der Ausstellung dann ihre persönliche Note, indem sie Hegenbarths Werke zusammen mit denen seines in Dresden lebenden Cousins Josef und dessen Großneffen Johannes zeigte. Letzterer war in der DDR unter dem Namen Hannes Hegen als Comic-Zeichner bekannt. Die Ausstellung, zu deren Eröffnung auch die Schauspielerin Wolke Hegenbarth kam, wurde über die Region hinaus beachtet.

Insgesamt elf Sonderausstellungen hat Heide von Berlepsch in den sechs Jahren kuratiert. Etwas Bedauern schwingt bei ihr mit, wenn sie die kurze Dauer der Sonderausstellungen von nur fünf Wochen erwähnt. Auch ein Wunsch ist offen geblieben: Gern wäre sie noch in Richtung Kunsttherapie gegangen, einem weiteren, für ein kleines Museum wichtigen Feld.

Sie selbst kam zu ihrer Aufgabe als Kuratorin über Uwe Matti, den Leiter des Amtes für Wirtschaft, Kultur und Tourismus in Murrhardt. Der hatte sie gefragt, ob sie die Arbeit von Heinrich Dyckmans ehrenamtlich fortsetzen wolle.

Heide von Berlepsch war damals schon im Ruhestand. Sie hatte zuvor als Assistentin im landwirtschaftlichen Forschungsbereich gearbeitet, danach als Verwaltungsangestellte. Ihrer Leidenschaft für Kunst frönte sie nebenbei. Viel Wissen hat sie sich selbst angeeignet, sich aber auch an der Stuttgarter Universität für mehrere Semester in die Kunstgeschichte-Vorlesungen gesetzt.

Das Ehrenamt in Murrhardt wurde schließlich zum „Fulltime-Job“ – und es wurde ihr zu viel. Deshalb entschied sie, dass jetzt der richtige Zeitpunkt sei, aufzuhören. Die Ausstellung, die am Sonntag eröffnet wird, hat sie im Einvernehmen mit ihrer Nachfolgerin Gabriele Rösch noch kuratiert. Wie wichtig das Mäzenatentum heute noch sei, möchte sie anhand der Dauerleihgaben der Waiblinger Sparkassenstiftung und der Schenkungen der letzten Jahre zeigen. Und dabei geht es natürlich wieder um Murrhardter Maler.

 

Info Die Ausstellung wird am Sonntag, 12. Juni, um 11 Uhr in der Städtischen Kunstsammlung eröffnet. Zur Vernissage wird Heide von Berlepsch verabschiedet und Gabriele Rösch sich als neue Kuratorin vorstellen.

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