Veteranen rocken das „Häberlen“

Werner Nadolnys Musikprojekt „Jane“ macht bei der Gaildorfer Kulturschmiede Station.

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Gitarrist Dete Klamann und Bassist Rolf Vatteroth gehen auf die 70 zu, strotzen aber voller Kondition.  Foto: 

Sie sind Haudegen des Rock. Veteranen aus einer Zeit, als für Eltern Pop noch „Neger-Musik“ hieß und sie lange Haare am liebsten per Dekret hätten kürzen lassen. Sie sind Dinosaurier einer Zeit, als der Stones wegen in Berlin die Waldbühne auseinandergenommen wurde und das bekannteste aller deutschen Groupies, Uschi Obermaier, ihre Karriere begann. Am Samstag rockten sie als Gäste der Kulturschmiede das „Häberlen“ in Gaildorf.

Nein, nicht die Stones. „Jane“. Werner Nadolnys Jane, um genau zu sein. Warum dieser merkwürdige Name, dazu später. Jetzt erstmal soviel, dass die Urgesteine Dete Klamann, Gitarre, (67) und Rolf Vatteroth, Bass, (68) so manchem jungen Kerl an Kondition deutlich überlegen sind. Was die beiden Rock-Opas – „klar, das sind wir!“ bestätigte Dete Klamann – in den drei Stunden im Häberlen auf die Bühne brachten, verdient alle Hochachtung.

Nichts einstudiert, alles spontan, sogar der Schweiß rinnt, ohne dass es gewollt war. Dabei könnte Rolf Vatteroth als Vorbild für Gandalf aus der „Herr der Ringe“-Trilogie gedient haben. Inzwischen schlohweißes Haar bis fast zur Hüfte, der gleichfalls weiße Bart mit Gummiringen zu einer Tut-Ench-Amun-Strähne gebunden, geht er manchmal ans Mikrofon, steht aber meist ruhig im Hintergrund und zupft seinen Rhythmus.

Fast genau auf den Tag zum 47-jährigen Jahrestag von Janes Erstauftritt am 5. Dezember 1970 in Hannover gastierte die Gruppe nun in Gaildorf. Von der ursprünglichen Stammbesetzung ist keiner mehr dabei. Zwei sind bereits verstorben, Gründer und Namensgeber Werner Nadolny ist schwer krank. In seinem Sinn warb das Septett um Spenden für das Uni-Klinikum zur Erforschung der Krankheit MS bei Kindern und Jugendlichen: „Auch die können schon an Multipler Sklerose erkranken“, appellierte „Gandalf“ Vatteroth.

Bis zuletzt am Keyboard

Bis zuletzt saß Werner Nadolny am Keyboard, bis seine MS-Erkrankung 2015 seine Ablösung erzwang. Seither haut Jörg Rudolf in die Tasten. Der Dresdner verleiht der Band sowas wie gesamtbundesrepublikanisches Flair. Er, der ganz aus dem geographischen Osten stammt, ist das Pendant zu Sänger Torsten Ilg, der mit seinem Heimatort Baden-Baden den geographischen Westen vertritt. Vatteroth, Klamann und Drummer Sven Petersen sind Niedersachsen. Alle fünf repräsentieren die Band, die sich Werner Nadolnys Jane nennt. Dem waren in den 90er Jahren gerichtliche Streitigkeiten um den Namen „Jane“ zwischen den Urvätern den Band vorausgegangen. Man einigte sich auf einen Kompromiss, der vorsah, dass beide Parteien sich „Jane“ nennen dürfen, aber jeweils mit einem Namenszusatz.

Die Geschichte der Band wäre nicht vollständig, wenn man nicht das Rockballett „Warlock“ erwähnte. Aus dem und in Gedanken an Nadolny spielte die Band drei Stücke im „Häberlen“. Und weil‘s so richtig rockt und laut war, verteilte die Kulturschmiede erstmals Ohrstöpsel: „Heute wird‘s echt laut. Da spürt man auch die Bässe.“ Die Ohrstöpsel waren zumindest schon mal ein guter Tipp.

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