Verständigung mit Händen und Füßen

Eine Schülergruppe des Schenk-von-Limpurg-Gymnasiums hat die King’ori Secondary School in Tansania besucht. Sie berichten vom Schulalltag in dem afrikanischen Land.

|
Vorherige Inhalte
  • Auf dem Schulhof der King’ori Secondary School stellt Schulleiter Mr. Mutungi den 500 Schülern die Gäste aus Gaildorf vor. 1/2
    Auf dem Schulhof der King’ori Secondary School stellt Schulleiter Mr. Mutungi den 500 Schülern die Gäste aus Gaildorf vor. Foto: 
  • Schüler in Tansania tragen Uniform. Im Unterricht antworten sie nicht einzeln, sondern im Chor. 2/2
    Schüler in Tansania tragen Uniform. Im Unterricht antworten sie nicht einzeln, sondern im Chor. Foto: 
Nächste Inhalte

Laut und blechern werden die rund 500 Schüler mit einer ausrangierten Autofelge vor Schulbeginn wortwörtlich zusammengetrommelt, um sich unter der tansanischen Flagge auf dem Schulhof zu morgendlichen Ankündigungen zu versammeln. Neugierige Blicke und leises Getuschel machen sich breit, als diese Gelegenheit vom Schulleiter Mr. Mutungi und dem Konrektor Mr. Boaz genutzt wird, um die Schüleraustauschgruppe – bestehend aus der Schulleiterin Angela Rücker, Thomas Höll und den vier Schülern John Christen, Rebecca Gschwendtner, Marius Kühl und Madeleine Schneider vom Schenk-von-Limpurg-Gymnasium Gaildorf  – vor der versammelten Schülerschaft vorzustellen und herzlich zu begrüßen.

Eis schnell gebrochen

Doch die erstaunten Mienen machen schon bald freundlichen Zurufen und Gelächter Platz. Rasch ist die anfängliche Scheu überwunden und die Jugendlichen verständigen sich mit Händen und Füßen über Gott und die Welt.

Zu Fuß zur Schule

Sechs Kilometer ist der Schulweg zum Bildungscenter der Kommune, dem Community Knwodlegde-Center (CKC), lang. Familie Schick aus Gaildorf hat es finanziert. Dort sind auch die Austauschschüler untergebracht, und von dort aus begleiten die tansanischen Schüler ihre Gäste zur Schule. Es ist üblich, dass tansanische Schüler ab der ersten Klasse zur Schule laufen oder das Fahrrad benutzen, auch wenn dies, wie in diesem Fall, eine Stunde oder mehr dauert. Je näher man der Schule kommt, desto mehr Jugendliche gesellen sich dazu und der bunte, tratschende Trupp zieht durch Felder, kleine Siedlungen und Buschland. Die verbreitetste Fortbewegungsart ist, neben dem Motorradfahren, zu Fuß zu gehen. Das ist bei den unebenen, feldwegähnlichen „Straßen“ nur zu verständlich, denn Autofahren grenzt nach eigener Erfahrung an Folter, schreiben die Schüler.

Die King’ori Secondary School ist eine staatliche, weiterführende Schule. Ihr Besuch ist seit wenigen Jahren kostenlos und verpflichtend für alle Kinder.  Sie besteht aus mehreren im Viereck angeordneten Häusern mit Klassenzimmern und einem Lehrerzimmer. Den Klassenstufen sind jeweils ein bis drei Klassenzimmer zugeordnet. In jeder Stufe hat die Uniform eine andere Farbe. In der Mitte dieses Vierecks befindet sich der Schulhof mit einem Podium neben der gehissten Flagge. Die Toiletten seien „sehr dürftig“ und befinden sich wie das Fußball- und Basketballfeld außerhalb. Während des Unterrichts steht die Autorität des Lehrers fast greifbar in der Luft, da Bestrafungen wie Putzdienst oder auch Prügel durchaus praktiziert werden, berichten die Gaildorfer. Die Schüler antworten auf Fragen im Sprechchor. Die Gäste werden freundlich in den Unterricht aufgenommen.

Kochen über offenem Feuer

Zum Mittagessen finden sich alle Schüler in der schuleigenen Küche ein, wo sie ihr Essen holen. Es wird im großen Topf über offenem Feuer gekocht. Gegessen wird im Freien. So abwechslungsreich die tansanische Kultur scheint, so einfach ist die tägliche Mahlzeit: Es gibt Reis mit Bohnen und Bohnen mit Reis. Ab und zu gibt es auch Bohnen-Reis-Brei. Nach einer langen Mittagspause geht es in den Nachmittagsunterricht, der um kurz vor vier endet.

Ein letztes Mal ertönt die Autofelge. Versammelt steht die Schulgemeinschaft U-förmig vor Schulleiter Mutungi. Nach einer Verabschiedung und letzten Ermahnungen brechen die Schüler zum Heimweg auf. Mädchen, deren Familien zu weit entfernt leben, haben die Möglichkeit, in der Nähe der Schule zu nächtigen.

Bei der Schule übernachten

Ein Zimmer ähnelt einer kleinen Halle, in der bis zu 36 Mädchen schlafen. Die Jungen schlafen in selbstgebauten, hüttenähnlichen Unterständen, wenige hundert Meter von der Schule entfernt. Sie sind selbst für das Waschen ihrer Wäsche – Wasser kommt aus dem Brunnen oder großen Tanks – und das Sauberhalten der Wohnheime verantwortlich.

Früh zu Bett

Spätestens wenn die Sonne am Horizont verschwindet, was in Tansania gegen halb sieben geschieht, sollte man sich im Haus befinden. Da es weder eine Straßenbeleuchtung noch eine Straßenverkehrsordnung gibt, sei es ratsam, nachts Straßen und Wege zu meiden. Außerdem sind Tiere unterwegs, denen man nicht begegnen möchte. Während die Gaildorfer im CKC gemütlich das Abendessen kochen, neigt sich der Tag dem Ende zu. Bei einer gemütlichen Runde Kartenspiel klingt der Abend aus, und allmählich erlischt Licht für Licht.

Info Die Autoren sind John Christen, Rebecca Gschwendtner, Marius Kühl und Made­leine Schneider.

Die Bürgerstiftung Gaildorf ermöglichte im Sommer 2015 erstmals einer Schülergruppe des Schenk-von-Limpurg-Gymnasiums, den Schulalltag in Tansania kennenzulernen. Anschließend besuchte eine Gruppe tansanischer Schüler Gaildorf. Ende Juli/Anfang August 2016 hielt sich zum zweiten Mal eine Gruppe von Schülern mit ihrer Betreuungslehrerin Erika Theil in King’ori auf. Der Ort liegt rund 35 Kilometer östlich von Arusha, der Hauptstadt der gleichnamigen tansanischen Region, entfernt. Dort engagiert sich die Gaildorfer Unternehmerfamilie Schick, welche auch die Organisation dieses Aufenthalts ermöglicht, sehr stark  für die Ausbildung der Bevölkerung. Im Frühsommer 2017 besuchte eine dritte tansanische Schülergruppe Gaildorf. Jetzt machten die Gaildorfer ihren Gegenbesuch. Quelle: www.svlg.de

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Gaildorfer Dauerausstellung: Stecknadeln im Heuhaufen

Der Volkskundler Bernd Beck sichtet und dokumentiert alle Exponate der Gaildorfer Dauerausstellung. Ziel ist ein neues Museumskonzept. weiter lesen