Um "würdigeres" Gotteshaus gerungen

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    Viel beachtetes Kirchenfenster mit dem gekreuzigten Jesus. Fotos: Andreas Balko
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    Die Sebastianskirche von Geifertshofen: Das Innere offenbart eindeutig die Handschrift des Architekten Heinrich Dolmetsch.
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Die evangelische Kirche in Geifertshofen kann auf eine lange Tradition zurückblicken, ist sie doch über 700 Jahre alt. Die heutige Fassung des Innenraums erhielt sie jedoch erst unter Architekt Heinrich Dolmetsch zu Beginn des letzten Jahrhunderts.

Urkundlich wurde die Pfarrkirche erstmals 1285 erwähnt. Als Sebastianskirche taucht sie 1494 in einer Urkunde auf. Ein verheerender Brand legte 1626 die Kirche samt 28 Gebäuden in Schutt und Asche. Das Gotteshaus konnte zwar schon bald wieder aufgebaut werden, jedoch gab es immer wieder Klagen über mangelnden Platz, schlechte Luft und wenig Licht.

Im November 1895 beschloss daher der Kirchengemeinderat, das Gebäude zu renovieren. 3000 Mark sah man dafür vor und beauftragte den Stuttgarter Stararchitekten Heinrich Dolmetsch, die Pläne für den Umbau anzufertigen.

1896 legte Dolmetsch einen ersten Plan vor, bei dem nur für den Innenraum Umgestaltungen vorgesehen waren. Der Kirchengemeinderat beschloss, alle notwendigen Schritte zur baldigen Umsetzung des Plans einzuleiten und stockte den Etat auf 6000 Mark auf. Doch dann legte die Kirchenleitung ihr Votum ein. Man müsse warten, bis ein neuer Pfarrer ernannt sei. Auch die bürgerliche Gemeinde zeigte sich unzufrieden mit dem Projekt. Angesichts der katholischen Umgebung brauche Geifertshofen ein würdigeres Gotteshaus. Der Kirchengemeinderat schloss sich schließlich dieser Auffassung an.

Heinrich Dolmetsch überarbeitet daraufhin seine Planungen, die nun einen starken Eingriff in die Bausubstanz vorsahen, den Kostenrahmen aber schließlich auf 20 000 Mark steigerten. Die Kirchenleitung verweigerte nun die Genehmigung des Bauvorhabens mit Verweis auf fehlende finanzielle Mittel. So wurde das Bauprojekt bis auf Weiteres vertagt.

Zwei Jahre später, im Oktober 1901, kam das Vorhaben erneut auf den Tisch. Gegenüber der Kirchenbehörde verwies man auf die dramatische Verschlechterung der Bausubstanz und auf das konfessionelle Umfeld. In den katholischen Nachbarorten seien die Gotteshäuser wahre Prachtbauten.

Es sei dahin gestellt, welches der Argumente für die Kirchenleitung schwerer wog. Fest steht jedoch, dass im März 1902 sowohl die Genehmigung der Kreisregierung als auch die der Kirchenleitung vorlag. Die Kirche sollte entsprechend der Pläne von Dolmetsch mit einem berechneten Gesamtaufwand von 28 700 Mark baulich verbessert und erweitert werden. Im Verlauf der Bauarbeiten wurde dann aus der ursprünglich angedachten kleinen Renovierung eine Kompletterneuerung.

Am 14. Juni 1903 konnte die Kirche wieder eingeweiht werden. Die Kosten des Umbaus hatten sich schließlich auf stolze 36 000 Mark gesteigert.

Die Dolmetsch-Fassung der Sebastianskirche hat sich bis heute nahezu unbeschadet erhalten können. 1959 wurden zwar die Wände übermalt, doch konnten 1985/86 die Malereien weitgehend wieder rekonstruiert werden. Zusammen mit der Bonifatius-Kirche in Oberrot vermittelt sie im evangelischen Kirchenbezirk Gaildorf einen lebendigen Eindruck von der künstlerischen Schaffenskraft Heinrich Dolmetschs.

Sommerserie

Während der Sommerferien wird die Redaktion - jeweils samstags - die 2012 begonnene und 2013 erweiterte Serie über Kirchen im Limpurger Land fortsetzen. Heute berichten wir über die Kirche in Geifertshofen, es folgen die Kirchen in Laufen (30. August), Bühlertann (6. September), Untergröningen (13. September).

SWP

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