Sulzbacher Rathaus soll barrierefrei werden - Hohe Kosten verhindern Bau

Wer schlecht zu Fuß ist, hat's in Sulzbach schwer: Weder Verwaltung noch Ratssaal sind für Rollstuhlfahrer allein erreichbar. Das soll sich mittelfristig ändern. Zunächst bremsen die Kosten das Projekt aber aus.

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Das Rathaus in Sulzbach soll barrierefrei werden. Wie das realisiert werden soll, ist nun eine gemeinsame Aufgabe von Architekt Manfred Schoch und Gemeinderat.  Foto: 

Für das Thema Barrierefreiheit sind alle Ratsmitglieder. "Jemand, der gehbehindert ist oder im Rollstuhl sitzt, hat bei uns keine Chance, eine Gemeinderatssitzung zu besuchen", bedauerte Bürgermeister Markus Bock. Auch wer einen neuen Ausweis braucht, ist auf fremde Hilfe angewiesen, selbst, wenn er es bis zum Seiteneingang schafft. Denn von dort aus sind noch fünf Treppenstufen zu überwinden. Einen Treppenlift als erste Idee verwarf man gleich wieder: Damit wäre zwar die Verwaltungsebene erreichbar, die Treppe ins Dachgeschoss sei für den Einbau nicht geeignet.

Auf Anregung des Seniorenausschusses hat die Gemeinde deshalb den Gaildorfer Architekten Manfred Schoch beauftragt, Lösungsmöglichkeiten zu suchen, wie zum Beispiel ein Aufzug ins Gebäude integriert werden kann. Damit könnte sowohl die Verwaltungsebene als auch der Bürgersaal im Dachgeschoss erreicht werden, in dem die Gemeinderatssitzungen stattfinden.

Mehrere Lösungsansätze möglich

Für Schoch sind drei Varianten denkbar. Die teuerste Lösung: Ein Außenaufzug aus Stahl und Glas an der Hinterseite des Gebäudes, erschlossen über den Seiteneingang. Er nimmt im Rathaus selbst keinen Platz weg, ist mit mindestens 104.000 Euro aber weit jenseits des Kostenrahmens. Auf knappe 80.000 Euro kommt Schoch bei den anderen beiden Varianten, die einen Aufzug im Inneren des Gebäudes vorsehen. Für Variante 2 hat er dazu einen kleinen Anbau gegenüber dem Seiteneingang als Aufstellfläche geplant, bei einer Alternative verzichtet er darauf, braucht dann jedoch einen teureren und wartungsanfälligeren Übereck-Aufzug. Bei beiden Varianten beginnt der Aufzug unterhalb der fünf letzten Stufen zur Verwaltungsebene. Den meisten Räten ging es wie Gerhard Hägele: "Da erschrickt man schon." Denn 2016 und auch in den Folgejahren ist der Sulzbach-Laufener Gemeindehaushalt durch das Großprojekt Neubau des Feuerwehrgerätehauses geprägt. Für Baumaßnahmen in dieser Größenordnung ist da kein Platz. Bürgermeister Bock möchte dennoch die Planungen vorantreiben: "Es ist immer gut, einen Plan in der Schublade zu haben, falls es mal Zuschüsse dafür gibt. Und wer weiß - vielleicht wird es in ein paar Jahren sogar Pflicht, dass Rathäuser barrierefrei sind."

Wie können Kosten minimiert werden?

Lange zerbrachen die Räte sich deshalb gemeinsam mit dem Architekten den Kopf, wie die Kosten zu minimieren sind. Ein barrierefreies Büro im Trauzimmer auf Straßenebene einzurichten, wurde dabei gleich verworfen. Er wolle es keinem seiner Mitarbeiter zumuten, den ganzen Tag alleine dort unten zu sitzen, erklärte der Schultes. Zudem seien viele Wege nötig, etwa, um Akten oder das Lesegerät für Fingerabdrücke für den neuen Personalausweis zu holen: "Dann sitzt der Bürger da allein herum." Auch den Vorschlag, gehbehinderte Besucher doch einfach hochzutragen, lehnte er ab: "Wie stellen Sie sich das vor? Das ist gefährlich und auch entwürdigend, wenn man da im Rolli hochgezerrt wird."

Doch könnte Variante 3 nicht als "Durchsteigermodell" ausgeführt werden, bei dem Fahrgäste dann im Besprechungsraum aussteigen? Für Architekt Schoch ist der Knackpunkt das kleine Standesamtsarchiv in Bürgermeister Bocks Amtszimmer. Wenn das wegfalle und der Besprechungsraum so erschlossen werden könne, dann könne man bis zu 20.000 Euro sparen, versprach er. Der Schultes allerdings besteht auf sein Archiv: "Für den Aufzug müssten schon die Bauakten nach oben in die Registratur. Die Standesamtsakten brauchen wir ebenfalls mehrfach am Tag. Muss man dann jedes Mal ein Stockwerk nach oben, um etwas nachzusehen, sind wir nur noch am Rennen." Platz sei sowieso im Rathaus knapp. Ob das bedeute, dass man auf längere Sicht einen Anbau brauche, fragte Gerhard Hägele. Bock bestätigte nickend. Dann, so Willi Wild, müsse man auch das in die Planungen einbeziehen, um sich mit der Aufzuglösung nichts zu verbauen. Architekt Schoch soll nun aus allen Anregungen einen neuen Plan entwerfen.

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