Stehendbefall in Fichtenbeständen - Förster empfehlen Gegenmaßnahmen

Braun gefärbte Fichtenbestände zeugen nicht vom herannahenden Herbst, sondern von einem Schädling. Das anhaltend warme und trockene Wetter hat die Entwicklung des Borkenkäfers begünstigt.

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Seine typischen Fraßspuren haben dem Buchdrucker seinen Namen verschafft. Archivfoto: Thomas Hehn  Foto: 

Karl-Dieter Diemer schaut dem Hubschrauber zu, der gemahlenen Kalk über dem Wald am Fichtenberger Staufenberg ausstreut und wünscht sich, die Streuaktion würde auch gegen den Käfer helfen. Das tut sie aber nicht. Der durch die Baumkronen herabschwadende Kalk lässt den Schädling gänzlich unbeeindruckt.

Dass sich der Borkenkäfer zurzeit recht wohlfühlt, kann man, sofern man nicht mit einer Rot-Grün-Sehschwäche gesegnet ist, schon von weitem deutlich erkennen. Die befallenen Bäume - in der Regel handelt es sich um Fichten - färben sich rötlich-braun. Kommt man näher, findet man braunes Bohrmehl auf dem Boden. Jetzt wäre es an der Zeit, diese Bäume zu entfernen und zu entrinden, damit den Larven die Entwicklungsgrundlage entzogen wird. Geschieht dies zu spät, können die Jungkäfer ausschwärmen und weitere Bäume befallen.

Es gibt verschiedene Borkenkäfer-Arten, hierzulande notorisch ist aber vor allem der "Buchdrucker", so genannt nach den charakteristischen Fraßspuren, die er auf der Innenseite der Rinde hinterlässt. Er befällt hauptsächlich Fichten. In normalen Jahren lebt er im Sturmholz, in abgefallenen Wipfeln, die liegen geblieben sind, oder in eingeschlagenem Holz, das nicht entrindet und abgefahren wurde. "Wir nennen das den eisernen Bestand", sagt Forstamtsleiter Dr. Andreas Wickel, "der ist immer da".

Optimale Witterung für Käfer

Warm und trocken muss es sein, damit dieser "eiserne Bestand" zur Plage werden kann. Diese Voraussetzung war in den letzten Monaten gegeben. Die Witterung war für den Käfer optimal, nun kommt es vermehrt zum Stehendbefall. Heißt: der Käfer verlässt das Totholz und befällt auch lebende Bäume. Dass er sich dabei zunächst auf ohnehin kranke oder geschädigte Fichten beschränke, sei ein verbreiteter Irrtum, meint Wickel. Der Käfer benötige für seine Entwicklung frische und saftige Borke, der ausgetrocknete Kümmerling, der aus irgendwelchen Gründen stehen geblieben ist, interessiere ihn nicht.

Von einer "Käfer-Kalamität", wie die Massenvermehrung auch genannt wird, kann freilich noch nicht die Rede sein. Die letzten Jahre waren nicht sonderlich käferfreundlich. Feuchte und kühle Witterung hielt die Bestände in Grenzen, gelegentlich auftretende "Käferinseln" in den Fichtenbeständen waren kein Problem. Das laufende Jahr habe mit einem "geringen Grundbestand" begonnen, erklärt auch Revierförster Diemer. Man habe nur wenig Befall feststellen können, der Käfer sei auch nicht ins Sturmholz gegangen.

Der ausnehmend warme und trockene Sommer aber hat die Entwicklung der Borkenkäfer-Population massiv gefördert - und Diemer ist mittlerweile alarmiert. Er ist für das Revier Rottal zuständig, das sich über die Gemarkungen von Gaildorf und Fichtenberg erstreckt und 1700 Hektar Kleinprivatwald und Kommunalwald umfasst.

Diemer sieht die rötlich-braunen Verfärbungen in den Fichtenbeständen, die von den Aktivitäten des Käfers künden. Die Bäume müssen raus, meint der Förster, und zwar noch bevor sich die jetzige Generation entwickelt hat und fliegt. Denn dann braucht's eigentlich nur noch einen weiteren warmen Sommer, und die "Käfer-Kalamität" tritt ein. 2016, warnt Diemer, könnte ein "Käferjahr" werden. "Das baut sich auf", bestätigt auch Forstamtsleiter Wickel. Zwar sei der Käfer jetzt, wo der Herbst beginnt, "nicht in Hochform". Aber: "Wenn wir jetzt nicht aufpassen, können wir im nächsten Frühjahr ein dickes Problem kriegen." Im Landkreis Schwäbisch Hall besonders betroffen seien das Limpurger Land und der Mainhardter Wald - hier gibt's die großen Fichtenbestände.

Entdeckt Diemer befallene Bestände, informiert er die Waldbesitzer und drängt auf sofortiges Handeln. Erfahrene Waldbesitzer wissen dann, was zu tun ist. Im Kleinprivatwald kann das allerdings kompliziert werden, etwa wenn Diemer es mit Menschen zu tun hat, die ihr Stückchen geerbt haben und sich nicht groß drum kümmern. Manchmal wüssten sie nicht einmal genau, wo sich der Wald befindet, in dem ihr Vater früher immer geschafft habe, sagt der Förster, und oft würden sie auch die Dringlichkeit von Gegenmaßnahmen verkennen. Wenn sie die Bäume dann endlich entfernen, hat der Käfer meist schon die Flatter gemacht: auf zu neuen Brutplätzen.

In einer Saison bis zu 100000 Nachkommen

Schädling Der Borkenkäfer ist zwar nicht per se unnütz, gilt aber, vor allem wenn er in Massen auftritt, als einer der gefährlichsten Schädlinge der Forstwirtschaft. Das Holz befallener Bäume ist aufgrund der charakteristischen Verfärbung nur schlecht zu vermarkten.

Verbreitung Europaweit kommen etwa 150 Arten des Borkernkäfers vor. In hiesigen Wäldern treten vor allem Buchdrucker und Kupferstecher auf. Beide sind so genannte "Rindenbrüter" und befallen insbesondere Fichten. Ein Weibchen des Buchdruckers legt im Verlauf der Vegetationsperiode 100 bis 150 Eier ab. Rechnet man Verluste mit ein, so kann ein Käferweibchen in Jahren mit drei Jungkäfergenerationen und zwei Geschwisterbruten mehr als 100000 Nachkommen erzeugen.

Maßnahmen Der Buchdrucker schwärmt bei trockener Witterung und geeigneten Temperaturen ab Mitte/Ende April aus. Befallene Fichten müssen eingeschlagen und entrindet oder abtransportiet werden. Auch bruttaugliches Material wie Sturmholz oder Schneebruch muss entfernt oder durch Mulchen, Hacken oder Verbrennen unschädlich gemacht werden.

Quellen: Wikipedia, LWV

SWP

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