Sprachförderung: Unverzichtbare Lebenshilfe

Die Gaildorfer Sprachförderung nach dem Denkendorfer Modell ist gerettet. Der evangelische Kirchenbezirk übernimmt wieder die Trägerschaft.

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Es war vor einem Jahr, da stand die Sprachförderung für Kindergarten- und Grundschulkinder nach dem Denkendorfer Modell im evangelischen Kirchenbezirk Gaildorf fast vor dem Aus. Die bisherige Beschäftigung der Sprachhelferinnen auf Honorarbasis musste rechtlich bedingt auf eine neue Grundlage gestellt werden. Der Diakonieverband im Landkreis Schwäbisch Hall sah sich jedoch nicht weiter in der Lage, unter diesen Voraussetzungen die Trägerschaft zu behalten, zumal das Angebot innerhalb des Verbands nur im Kirchenbezirk Gaildorf besteht.

Dekan Uwe Altenmüller, der die Sprachförderung gerade in Zeiten von Migrationsbewegungen für unverzichtbar hält, suchte nach Möglichkeiten für den Fortbestand. Schließlich übernahm der Kirchenbezirk Gaildorf die Sprachhilfe wieder in seine Trägerschaft. Damit kehrte sie zu ihrem Ursprung zurück, denn sie hatte im Bezirk bereits 1977, also vor 40 Jahren, ihren Anfang genommen und war erst mit der Gründung des Diakonieverbandes Schwäbisch Hall dort angesiedelt worden.

Ruth Dorn koordiniert und leitet die Arbeit der Sprachhilfe im Bezirk. Seit 22 Jahren engagiert sie sich in der Sprachförderung, und sie ist froh, im Kirchenbezirk einen neuen, verlässlichen Träger gefunden zu haben.

Derzeit findet Sprachhilfe nach dem Denkendorfer Modell an Kindergärten und Schulen in Gaildorf, Ottendorf, Großaltdorf, Unterrot, Sulzbach, Fichtenberg und Oberrot statt. In Kindergärten gibt es 32 Sprachfördergruppen mit insgesamt 239 Kindern, und im Grundschulbereich sind es 26 Gruppen mit 122 Kindern. Die Zahlen der zu fördernden Kinder steigen fast jährlich, obwohl die Kinderzahlen eher abnehmen.

Welche Kinder sind es nun, die in den Fördergruppen betreut werden? Es sind Kinder mit Migrationshintergrund, die in Deutschand geboren sind, Flüchtlingskinder und Kinder aus anderen EU-Staaten. Im Kindergarten sind es zwischenzeitlich auch deutsche Kinder, die eine Sprachförderung nötig haben.

Wichtige Bausteine im Konzept

Die Kinder werden dabei „ganzheitlich“ gefördert, denn Sprache kann nicht isoliert gesehen werden. Deshalb wird in den Unterrichtsstunden nicht nur gesprochen, sondern auch Bewegung, Singen, Spielen und gemeinsames Tun sind wichtige Bausteine. Kindergärten und Schulen sind dankbar für die Unterstützung, denn sie könnten die Aufgabe nicht erfüllen, Kinder mit Schwierigkeiten bei der Sprache so gezielt und intensiv zu fördern. Die Sprachförderkräfte sind regelmäßig und verlässlich für die Sprachförderung da und konzentrieren sich auf diese eine Aufgabe.

Die Spachhilfe nach dem Denkendorfer Modell versteht sich als Bindeglied zwischen Kindergarten bzw. Schule und Kind. Sie fragt: „Was braucht jetzt das Kind?“ Wichtig ist auch die Beziehung zwischen Kind und Förderkraft.

Aktuell gibt es im Kirchenbezirk 35 Sprachförderkräfte. Die Gruppe der Förderkräfte ist bunt gemischt. Manche sind schon viele Jahre dabei, andere erst dazugestoßen. Während es für den Kindergartenbereich viele Interessentinnen gibt, ist es für Ruth Dorn im Grundschulbereich schwieriger, Förderkräfte zu finden. Meist sind es Frauen, die sich für die Sprachförderung engagieren. Es gibt jedoch auch einen Mann im Bezirk, der mitarbeitet.

Ruth Dorn hat schon abschätzige Äußerungen über ihre Mitarbeiterinnen gehört – etwa diese: „Na ja, diese Hausfrauen, denen ist es sicher langweilig.“ Dieser Einschätzung widerspricht die Mentorin vehement. Die Frauen besitzen zwar meist keine pädagogische Ausbildung, bringen aber ein großes Engagement, viel Freude im Umgang mit den Kindern und eine hohe Begeisterung mit. Und sie wachsen Stück für Stück in ihre Aufgabe hinein.

Zunächst hospitieren neue Kräfte bei erfahrenen Mitarbeiterinnen. Nach einem Einführungsgespräch nehmen sie an einem dreitägigen Grundkurs teil. Darauf aufbauend treffen sie sich alle vier bis sechs Wochen, um sich weiterzubilden und Erfahrungen auszutauschen. Dadurch sind sie keine Einzelkämpferinnen, sondern sie profitieren vom Erfahrungsschatz der anderen.

„Super und unersetzlich“

Es gibt zudem Fortbildungsangebote im landeskirchlichen Bildungszentrum Birkach, und einmal im Jahr holt Ruth Dorn eine Referentin für eine Fortbildungsveranstaltung in den Kirchenbezirk. Ruth Dorn organisiert außerdem ein Frühstück für alle Sprachförderkräfte zum Schuljahresbeginn, einen Jahresabschluss und den Besuch der Didakta. „All diese Mosaiksteinchen fügen sich zu einer hervorragenden Qualifizierung der Sprachförderkräfte zusammen“, sagt Ruth Dorn. Sie ist stolz auf ihre Mitstreiterinnen. Und die könnten sich keine bessere Mentorin vorstellen.

„Unsere Ruth ist super und unersetzlich!“, sagen sie übereinstimmend.

Bedürfnisse Für den Unterricht bekommen die Sprachförderkräfte in der Regel eine kleine Vergütung auf Basis der Übungsleiterpauschale. Um Geld zu verdienen, kann man diese Aufgabe nicht machen. Dazu kostet die Vorbereitung viel zu viel Zeit. Es gibt wenig Dinge, die man einfach Jahr für Jahr wiederholen kann, denn die Förderkräfte richten ihren Unterricht ganz konkret und individuell an den Bedürfnissen der Kinder aus, die sie vor sich haben. Und was wünschen sich die Förderkräfte für ihre Arbeit? „Kleinere Gruppen, um besonders im Grundschulbereich die einzelnen Kinder noch besser und effektiver fördern zu können!“ Doch wird das ein Traum bleiben, die Förderrichtlinien werden dies wohl auch in Zukunft nicht ermöglichen. bal

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