Schwäbisch Haller Amtsgericht verurteilt 45-Jährigen wegen Alkohols am Steuer

Das Haller Amtsgericht hat einen Autofahrer aus dem Rottal wegen einer Alkoholfahrt zu einer Geldstrafe mit Entzug der Fahrerlaubnis verurteilt. Er will erst zu Hause einen Liter Wein getrunken haben.

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Hätte ein Ehepaar aus Murrhardt nicht die Polizei gerufen, wäre der Angeklagte am 5. Juli dieses Jahres wohl unbehelligt nach Hause gekommen. Der 45-Jährige hatte bei seinem Bruder in Mainhardt das WM-Spiel Argentinien gegen Belgien gesehen. Er muss dabei zu tief ins Bierglas geschaut haben. Denn den Eheleuten, die ab Wielandsweiler in ihrem Auto hinter ihm unterwegs waren, fiel auf, dass er seinen Kombi in erheblichen Schlangenlinien lenkte.

Schwierigkeiten bei der Blutentnahme

"Er ist stark rechts-links gefahren", berichtet der 40-jährige Murrhardter als Zeuge vor dem Haller Amtsgericht. Seine Ehefrau weiß: "Bei Gegenverkehr hat er abgebremst!" Auf Höhe der Ortschaft Hausen wollten die beiden nicht mehr zusehen. Die Frau rief die Polizei an. Von dort kam die Order: dranbleiben! Also verfolgten sie den Kombi bis Fichtenberg. Gegen Schluss soll der Fahrer einen Zahn zugelegt haben, aber die Murrhardter blieben bis zu seinem Wohnhaus hinter ihm. Sofort danach informierten sie die Polizei. Die Streifenbeamten waren bald zur Stelle. Sie trafen den gesuchten Verkehrssünder in seinem Wohnzimmer an. Er lag dösend auf dem Sofa.

Mit einer geradezu abenteuerlichen Behauptung wollte der Fichtenberger den Vorwurf einer Alkoholfahrt entkräften: Er sei bereits kurz nach 20 Uhr zurückgefahren. Er habe dann zu Hause im Keller eine Literflasche "Trollinger/Lemberger" getrunken (sog. Nachtrunk), bevor die Polizei bei ihm geklingelt habe. Das kann nicht stimmen: Anhand der polizeilichen Aufzeichnungen ist klar, dass der Angeklagte erst gegen 21.30 Uhr bei seinem Wohnhaus eingetroffen ist. Maximal 20 Minuten später war die Polizei vor Ort.

In der Verhandlung schloss eine rechtsmedizinische Gutachterin aus, dass man unter diesen Voraussetzungen in 20 Minuten einen Liter Rotwein hinunterkippen könnte. "Aus medizinischer Sicht ist das ohne Übelkeit oder Erbrechen nicht möglich", erklärte die Gutachterin.

Führerschein bleibt weitere zehn Monate gesperrt

Dagegen stimmt wohl, was von Seiten des Angeklagten und auch von einem Polizeibeamten über die Blutentnahme im Diakoniekrankenhaus berichtet wurde. Der Fichtenberger soll vier- bis fünfmal gestochen worden sein, bis eine geeignete Venenstelle gefunden war. "Er ist geradezu malträtiert und gequält worden", monierte sein Verteidiger. Erste Messung: 1,7 Promille. Normalerweise sollen zwei Blutentnahmen im Abstand von einer halben Stunde aufeinanderfolgen. In diesem Fall waren es 50 Minuten. Ein solcher Zeitabstand erschwert die Rückrechnung des Promillewerts zur Tatzeit.

Laut Gutachterin kann der Angeklagte während seiner Fahrt von Mainhardt bis Fichtenberg an die zwei Promille Alkohol im Blut gehabt haben. Damit war eine Verurteilung wegen "Trunkenheit im Verkehr" unumgänglich. Der Richter entschied auf eine Geldstrafe von 1000 Euro (40 Tagessätze zu 25 Euro) plus Führerscheinentzug. Der im August beschlagnahmte Führerschein bleibt noch für zehn Monate gesperrt.

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