Schüleraustausch zwischen Schloss-Realschule Gaildorf und der Delhi Public School

Vor sieben Jahren initiierte die Schulleiterin der Schloss-Realschule Gaildorf, Michaela Staleker, mit der Rückendeckung ihres Kollegiums einen Schüleraustausch mit der indischen Delhi Public School Indirapuram.

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  • Deutsche und indische Jugendliche: Seit sieben Jahren pflegen Schloss-Realschule Gaildorf und Delhi Public School Indirapuram freundschaftliche Beziehungen. 1/3
    Deutsche und indische Jugendliche: Seit sieben Jahren pflegen Schloss-Realschule Gaildorf und Delhi Public School Indirapuram freundschaftliche Beziehungen.
  • Die Schülerinnen und Schüler der Gaildorfer Realschule lernen bei ihren Indien-Aufenthalten viel Interessantes über Land und Leute. Archivfotos: Schloss-Realschule Gaildorf 2/3
    Die Schülerinnen und Schüler der Gaildorfer Realschule lernen bei ihren Indien-Aufenthalten viel Interessantes über Land und Leute. Archivfotos: Schloss-Realschule Gaildorf
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Es ist nun an der Zeit herauszufinden, ob dieser Austausch sinnvoll ist, welche Erfolge er vorzuweisen hat und warum dieser "außerunterrichtliche" Punkt im Jahreskalender der Realschule weitergeführt werden sollte.

Die Schloss-Realschule in Gaildorf ist die einzige Realschule im Land Baden-Württemberg, die einen Schüleraustausch mit Indien pflegt, der vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport in Stuttgart sehr begrüßt wird. Am kommenden Wochenende treffen nun schon zum siebten Mal die Gäste aus Indien in Gaildorf ein. Im Limpurger Land kann diese Begegnung der jungen Menschen aus so unterschiedlichen Kulturen aus verschiedenen Blickwinkeln gesehen werden.

Betrachten wir den Austausch aus Sicht der indischen Gäste. Die Gaildorfer Partnerschule ist eine Privatschule mit etwa 4000 Schülern, an der neun Sprachen unterrichtet werden. Die dortige Schulleitung ist sehr darum bemüht, den jungen Leuten Kontakte auf der ganzen Welt zu ermöglichen. So war etwa während des letzten Aufenthalts der Gaildorfer Schüler auch eine Delegation einer japanischen Universität an der Schule, um den älteren indischen Jugendlichen die Uni vorzustellen und die Möglichkeiten, in Japan zu studieren, zu erläutern.

Das Fach Deutsch besuchten zu Beginn des Austausches an der Delhi Public School 20 Kinder. In den vergangenen sieben Jahren hat sich diese Zahl um 300 Prozent erhöht. Die Schulleitung kann es sich leisten, die Schüler, die nach Deutschland dürfen, sehr sorgfältig auszuwählen. Weil die Jugendlichen das wissen, ihre Chance aber unbedingt nutzen wollen, strengen sie sich besonders an. Auch von Elternseite in Indien wird dieser Austausch unterstützt. Obwohl die Eltern den Deutschlandtrip allein finanzieren müssen, kommen dieses Jahr trotzdem drei Kinder mit, deren Geschwister schon in Gaildorf waren. Viele indische Schüler entwickeln am heimischen Goethe-Institut ihre Deutschkenntnisse weiter. Drei Inder haben sich schon entschieden, in Deutschland zu studieren.

Völlig andere Voraussetzungen für diesen Austausch haben die deutschen Kinder. Die finanziellen Möglichkeiten lassen neben Schullandheimaufenthalt und Abschlussfahrt den Austausch der Kinder oft nur unter erschwerten Bedingungen zu. Die Eltern müssen drei Wochen lang einen indischen Teenager beherbergen und anschließend den Flug, das Taschengeld und sonstige Kosten für das eigene Kind bereitstellen, was immense Einschränkungen für das Elternhaus mit sich bringt. Dies hat der Stiftungsrat der Bürgerstiftung Gaildorf frühzeitig erkannt und unterstützt nun seit sieben Jahren den Austausch finanziell sehr stark. Ohne diese Unterstützung wäre der Austausch mit Indien vielleicht schon gescheitert.

Und was bringt der Austausch dem Limpurger Land? Alle Schüler und Schülerinnen kommen während ihrer sechsjährigen Realschulzeit mit etwa 70 indischen Gastschülern in Berührung. Man sieht sich drei Wochen lang im Schulhaus, im Bus, auf dem Pausenhof, in den Klassenzimmern, bei Sportveranstaltungen, im Wohnort und beim Einkauf. Drei Wochen lang sind die Gäste im Schulhaus und in der hiesigen Region "Normalität", man wendet bescheidene Englischkenntnisse an und hat sich an den Besuch längst gewöhnt. So ist es für die Schulleitung kein Problem, jährlich zehn bis zwölf Austauschschüler aus der neunten Klasse zu finden.

Neue Motivation

Die für den Austausch ausgewählten Schüler haben viele Gründe, sich zu melden. So führen die beiden Lehrerinnen Gisela Knödler (viermal dabei) und Dorothee Scheuermann (dreimal dabei) unter anderem auf, dass die Kinder in Gastfamilien untergebracht sind und so hautnah die indischen Feste, die Religion, die Tänze, das etwas andere Essen und die Einstellung zur Bildung erfahren können. Die beiden Englischlehrerinnen stellen bei den beteiligten Schülern durch die Anwendung eine spontane englische "Eigensprachgestaltung" fest - und nach der täglichen Praxis eine völlig neue Motivation für den Englischunterricht zu Hause.

Über gemeinsam durchgeführte Projekte kommen die Schüler mit der Wirtschaft in beiden Ländern in Kontakt und erweitern so wesentlich ihren Blickwinkel. Im vergangenen Jahr setzte man sich mit dem Thema Brot auseinander, dieses Jahr steht das Projekt Auto auf dem Programm. In Deutschland setzt man sich mit Audi auseinander, während in Indien die Fahrzeuge von Maserati und Suzuki thematisiert werden. Einen wirtschaftlichen Schwerpunkt in einer gemeinsamen Sprache zu bearbeiten und durch die verschiedenartigen Kulturen unterschiedlich zu betrachten, ist für unsere Schüler eine wertvolle Erfahrung. Sie lernen dabei heute schon, Nischen zu erkennen, in denen sie im späteren Berufsleben einmal Bindeglied zwischen den beiden Industrienationen sein können.

Der Wunsch nach einem Wiedersehen

Teamfähigkeit, internationale Kompetenz und die Bedeutung der englischen Sprache mussten die Austauschschüler über diese Arbeitsgruppen schon in ihren jungen Jahren nachweisen. Ganz nebenbei werden schon über viele Jahre in unserer globalisierten Welt über Internet, SMS, Skype und Handy Partnerschaften vertieft, Freundschaften gepflegt. Immer wieder kommt der Wunsch nach einem Wiedersehen in späteren Jahren auf. Ein wertvolles, verbindendes Ergebnis dieses Schüleraustauschs.

Das zarte Pflänzchen der Verbindung zwischen den Schülern aus Indien und Gaildorf ist schon kräftig gewachsen. Es bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen an beiden Schulen den Elan haben, diese Pflanze weiter wachsen zu lassen. Der Stiftungsrat der Gaildorfer Bürgerstiftung hat frühzeitig die Vorteile dieses Unternehmens erkannt und mit seiner finanziellen Unterstützung die Weichen für eine Erfolg versprechende Durchführung gestellt. Es bleibt auch hier zu hoffen, dass die Verantwortlichen diese enorme Chance für die Jugendlichen aus dem Limpurger Land weiterhin befürworten.

Info Unser Autor Manfred Zeiler war lange Jahre Konrektor an der Schloss-Realschule Gaildorf.

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