Rathauschef als Traumberuf

Es gibt offenbar keinen schöneren Beruf als den des Bürgermeisters von Gaildorf. Alle drei Bewerber, die sich am Dienstagabend in der Limpurghalle vorstellten, schwärmten in den höchsten Tönen von der Stadt.

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Im Foyer der Limpurghalle lehnt oder liegt ein ganzes Arsenal an Regenschirmen, Menschenmassen schieben sich an diesem Dienstagabend unruhig in den Schenk-Albrecht-Saal zur Bewerbervorstellung für die Bürgermeisterwahl am 20. Juli.

Schlagartig, es ist 19.07 Uhr, sinkt der Geräuschpegel. Bürgermeister Ulrich Bartenbach, der zum 31. August aus dem Amt scheidet, erläutert mehr als 700 Gaildorfern den "Fahrplan" zur Wahl seines Nachfolgers. Der amtierende Rathauschef fragt mehrmals nach Kandidat Nummer zwei, Rüdiger Roger Widmann, der noch nicht in der Stadt gesehen worden sein soll: "Herr Widmann, sind Sie im Saal"? Keine Reaktion. Das "Phantom" hatte sein Teilnahmerecht verwirkt.

Die drei ernsthaften Bewerber schreiten zur Vorstellung. Während einer redet, müssen die anderen im Kernersaal ausharren. Und dann erfahren die Gaildorfer drei Mal, wie schön ihre Stadt ist - und dass der Beruf des Bürgermeisters ein wahrer Traumjob sein muss.

Frank Zimmermann

Der Wahlkampf, den Frank Zimmermann (31) in diesen Tagen führt, ist sozusagen ein Heimspiel. In seinem Beruf wie in der Stadt fühle er sich "unglaublich wohl", bekennt der seit zwei Jahren amtierende Beigeordnete der Stadt Gaildorf, hauptamtliche Vize-Bürgermeister und Kämmerer.

"Motiviert bis in die Haarspitzen", kommt er schnell auf den kommunalpolitischen Punkt - das immense Arbeitspensum, die umfangreiche Agenda wichtiger Projekte: Ärztehaus (nach dem Verlust des Krankenhauses), Sanierung von Freibad und Schloss, Familienzentrum, stärkere Anbindung an den Stuttgarter Raum durch eine Integration der Region in den dortigen Verkehrs- und Tarifverbund.

Finanzexperte Zimmermann will aufs Tempo drücken, um die Chancen nicht ungenutzt verstreichen zu lassen. Er wisse sehr gut, worauf es ankomme und fordert dabei Solidarität von Landrat, Kreistag und Landtagsabgeordneten - ebenso wie den Kollegen auf dem Rathaus - "ein Team zum Pferdestehlern" - und dem Gemeinderat. Ihnen zollt er Respekt.

Nikolaos Sakellariou

Nikolaos "Nik" Sakellariou spricht frei. Sein Manuskript habe er in Stuttgart liegen lassen, bedauert der 52-Jährige Anwalt und SPD-Landtagsabgeordnete. Ein bisschen geübt hat er aber schon, denn sein Vortrag ist klar strukturiert, der rote Faden stets erkennbar.

Die Gaildorfer bewege nicht, was er erwartet habe, sagt Sakellariou. Am häufigsten werde er gefragt, warum er als Haller ausgerechnet in Gaildorf kandidiere und warum er die Landes- gegen die Kommunalpolitik tauschen wolle. Den "Haller" mag der Vater von fünf Töchtern aber nicht gelten lassen. Er habe in vielen Städten gewohnt und nach Hall sei er mit seiner Familie gezogen, weil dort keine Kindergartengebühren erhoben wurden.

Die Frage, was ihn ausgerechnet an Gaildorf reize, kann Sakellariou hingegen nicht nachvollziehen. Er habe den Eindruck, dass vielen Gaildorfern nicht bewusst sei, welche Qualitäten ihre Stadt habe. Wenn man wie er noch etwas gestalten wolle, biete Gaildorf beste Voraussetzungen. Für mehr, sagt Sakellariou mit Verweis auf sein Alter, reiche das "Zeitfenster" nicht aus. "Ich will diese 16 Jahre machen."

Er sehe in Gaildorf mehr Potenziale als Probleme. Das größte Potenzial sei die Bürgerschaft - den Masterplan nennt er "klug" und "einmalig". Eines der größten Probleme hingegen sei der Verkehr: "Wer drei Mal vor einer roten Ampel steht, wird abgeschreckt." Sakellariou ist sich sicher, dass er vieles bewegen kann - nicht zuletzt durch Kontakte und Beziehungen. Sein Landtagsmandat endet 2016.

Oliver Taschowsky

Der 42-jährige Vater von zwei Töchtern ist das unbeschriebene Blatt für die meisten Gaildorfer. Er habe Verwaltungserfahrung im Jura-Studium gewonnen, das er aus familiären Gründen kurz vorm Examen abbrechen musste, erklärt Taschowsky. Der Fachwirt im Sozial- und Gesundheitswesen (IHK) arbeitet nun mit Menschen mit Behinderung. Er könne sich durchaus vorstellen, Gaildorf zu einem "Mekka für Start-ups" zu entwickeln. Er sei unabhängig und ein Gegner jeglicher Klientelpolitik.

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