Professor der Sozialwissenschaften, Tischtennisspieler und Autor: Titus Simon

Die Tarta de Santiago, der gehaltvolle Mandelkuchen für spanische Pilger, schmeckt auch weit weg vom Jakobsweg - in Wolfenbrück, einem Teilort von Oberrot. Dort ist Prof. Dr. Titus Simon zu Hause.

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Nur die Katze ist menschenscheu. Titus Simon öffnet ihr die Hintertür, durch die sie ins Freie flüchtet, setzt sich an den Kaffeetisch, schlägt die Beine übereinander und plaudert. Sein siebter Roman ist soeben erschienen, "Hundsgeschrei", im Tübinger Silberburg Verlag - eine Zäsur für den Professor der Sozial- und Rechtswissenschaften an der Hochschule Magdeburg-Stendal. Seine Schwerpunkte: Jugendarbeit und Jugendhilfeplanung. Zuvor - von 1992 bis 1996 - hatte er an der Fachhochschule Wiesbaden eine Professur "Jugend und Gewalt" inne. Für die nächsten vier Jahre arbeitet Titus Simon, Jahrgang 1954, freiberuflich und erfüllt sich damit einen Jugendtraum.

Vorbei die stundenlangen Bahnfahrten zwischen Magdeburg und Murrhardt, zirka 100.000 Bahnkilometer im Jahr, die er gerne zum Schreiben nutzte. Natürlich begleitet er als Doktorvater an der Hochschule Magdeburg-Stendal noch seine "Altfälle", und er wird dort weiterhin lehren, als Springer. Für Titus Simon eine Selbstverständlichkeit; während der 16 Jahre fiel "bei mir keine Lehrveranstaltung aus".

23 Seiten lang ist die Literaturliste seiner fachwissenschaftlichen Veröffentlichungen alleine an der Hochschule Magdeburg-Stendal. Auch als Schriftsteller arbeitet er mit wissenschaftlicher Akribie. Für seinen neuen Roman fuhr er nach Riga, besichtigte den Umschlagbahnhof, reiste nach Warschau, vermaß und lief das Areal des Warschauer Ghettos ab. Die historischen Rahmenbedingungen müssen stimmen. Dem Schriftsteller sind faule Kompromisse zuwider - in jeder Beziehung.

Er war beispielsweise nie Mitglied einer Partei, arbeitete aber 17 Jahre als Stadtrat für die Alternative Liste im Gemeinderat Murrhardt, acht Jahre als Kreisrat für die Grünen.

Die Sitzungsgelder flossen selbstverständlich in Projekte wie den Dritte-Welt-Laden. 2011 kandidierte er im Landtagswahlkampf für Die Linke - soziale Gerechtigkeit ist für Titus Simon ein wichtiges Thema. Die Beschäftigung mit dem Dritten Reich hat ihn als jungen Mann "politisch radikalisiert". Er wollte "was reißen". Der Wehrdienstverweigerer saß 25 Jahre später im Prüfungsausschuss für Kriegsdienstverweigerer, arbeitete als Zivi im Jugendhaus so engagiert, dass er als Hauptamtlicher übernommen wurde, studierte Rechtswissenschaften, Sozialarbeit, Pädagogik und Journalistik - schloss zwei Mal als Jahrgangsbester ab.

Er gründete mit Gleichgesinnten die Alternative Liste in Murrhardt und das Gaildorfer Jugendzentrum, ein Jahr später das in Murrhardt. Gemeinsam brachten sie eine Jugendzentrum- Zeitung heraus - in Handarbeit. Und monatlich die alternative Murrhardter Zeitung in einer Auflage von 1000 Exemplaren.

Titus Simon ist Praktiker. Er arbeitete mit jugendlichen Gewalttätern - auch der rechten Szene -, in der Obdach- und Wohnungslosenhilfe, für den Nabu auf Landesebene und als Chef der Erlacher Höhe. Der Professor also hat eine Menge "gerissen".

Sein neuer Roman wurde für den Deutschen Buchpreis vorgeschlagen. "Ein Achtungserfolg", freut sich der Autor. Schon sein Krimi-Erstling "Mord im Abseits" wurde von der Fachzeitschrift "Buchreport" zum "Buch der Woche" deklariert.

Der fast Zwei-Meter-Mann Titus Simon tut auch was für seine Fitness. Er spielt Tischtennis in der Bezirksseniorenklasse der SF Großerlach. "In der regionalen Mannschaft bin ich der älteste." Ohne den Sport, sagt er, "würde ich was vermissen".

Info Titus Simon stellt am Donnerstag, 25. April, ab 19.30 Uhr in der Haller Stadtbibliothek seinen neuen Roman "Hundsgeschrei" vor. Karten gibt es in der Stadtbibliothek. Weitere Lesungen in der Region: Braunsbach, Rabbinatsmuseum, 27. Oktober, 15.30 Uhr; Waldenburg, Gleis1, 22. November, 20.30 Uhr; Oberrot, Rathaus, 29. November, 20 Uhr. www.titus-simon.de

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