Preschers "würdiger Nachfolger"

Ohne die Arbeit des legendären Gschwender Pfarrers Heinrich Prescher wäre die Geschichte des Limpurger Landes dem Vergessen anheim gefallen - ohne Gaildorfs Altbürgermeister Hans König erst recht.

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Hans König erforscht die bewegte Geschichte "seines" Limpurger Landes.

"Ein Mann, der sich als Geschichtsschreiber und Topograph, vor allem aber als Menschenfreund, um die sonst verlassene Gegend äußerst verdient gemacht, ist Herr Pfarrer Prescher zu Gschwend". Diese Feststellung traf der Dichter und Mediziner Justinus Kerner (1786-1862), der von 1815 bis 1819 als Oberamtsarzt in Gaildorf wirkte, am 23. August 1816 im "Morgenblatt für gebildete Stände".

Kerners Urteil kommt nicht von ungefähr: Er hat Heinrich Prescher (1749-1827) persönlich kennengelernt. Darüber hinaus standen die beiden Männer in einem regen Briefwechsel, den der langjährige Gaildorfer Bürgermeister und Ehrenbürger Hans König (78) erst vor wenigen Jahren im Deutschen Literaturarchiv in Marbach entdeckt und für die interessierte Öffentlichkeit erschlossen hat. Es handelt sich um 34 in offensichtlich freundschaftlicher, geradezu herzlicher Verbundenheit verfasste Briefe Preschers an Kerner zwischen 1812 und 1824.

Diese Dokumente, von Hans König im Jahr 2012 als Buch veröffentlicht, sind ein wichtiger Beitrag zum besseren Verständnis der Geschichte des Limpurger Landes. Allerdings tun sich Geschichtsinteressierte, denen Preschers Vita und Werk nicht geläufig sind, etwas schwer beim Lesen. Denn die "Gegenbriefe" Kerners gelten ebenso wie Preschers kompletter Nachlass bis heute als verschollen.

Mehr am Leben der „einfachen Leute“ interessiert

Dass wenigstens die gedruckten Arbeiten des passionierten Historikers - die späteren Chronisten als Grundlage dienten - einem vergleichsweise breiten Leserkreis ein Begriff sind, ist ebenfalls ein Verdienst Hans Königs: Auf sein maßgebliches Betreiben hin konnte Preschers Lebenswerk, die zweibändige "Geschichte und Beschreibung der zum fränkischen Kreise gehörigen Reichsgrafschaft Limpurg" (1789/90), im Jahr 1977 als aufwändig gestalteter Reprint herausgegeben werden.

"Der Prescher" war fortan (wieder) das Standardwerk für Heimatforscher und bildete zusammen mit Hans Königs in den vergangenen Jahrzehnten veröffentlichten Studien ein regelrechtes Gemeinschaftswerk, das dem durch die Zerstörungen und Archiv-Plünderungen während des Dreißigjährigen Krieges "geschichtslos" gewordenen Limpurger Land einen Teil seiner Identität zurückgab.

König hatte Prescher einmal als "Meister unter den Geschichtsforschern des Limpurger Landes" bezeichnet, der es bis heute geblieben sei. Nun erfährt König selber einen verbalen Ritterschlag: Dr. Stefan Knödler von der Philosophischen Fakultät der Universität Tübingen untersucht in der aktuellen Ausgabe der "Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte" die von König veröffentlichten Prescher-Briefe, die der Autor "vorzüglich kommentiert" habe. Und er kommt am Ende seiner Darstellung zu einem Urteil, das der Heimatforscher in der Vergangenheit stets in aller Bescheidenheit zurückgewiesen hat: "Der Lokalhistoriker Prescher hat in seinem Herausgeber Hans König einen würdigen Nachfolger gefunden".

Womit auch Hans Königs Gesamtwerk gemeint ist. Seit Ende seiner Amtszeit als Bürgermeister der Stadt Gaildorf im Jahr 1986 hat König mit einer Vielzahl von Büchern, Broschüren sowie Aufsätzen in Zeitschriften und Zeitungen von sich reden gemacht. Vor allem durch sein Bemühen, weniger das Leben der "Großen" der Geschichte darzustellen, sondern überwiegend das der "einfachen Leute", die meist im Stillen gewirkt haben, im Lauf der Zeit aber vergessen wurden.

Info Hans König: Heinrich Preschers Briefe an Justinus Kerner 1812-1824. Cardamina-Verlag, Plaidt 2012, ISBN 978-3-86424- 072-0; 92 Seiten, 12 Euro.

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