Planer nehmen Kocherdamm unter die Lupe

Das Regierungspräsidium überprüft derzeit eine Alternative zur Tunnelvariante im zweiten Abschnitt der Gaildorfer Ortsumfahrung. Bürgermeister Zimmermann findet das „etwas verwunderlich“.

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Vor allem Radfahrer und Fußgänger nutzen die Straße auf dem Kocherdamm zwischen Innenstadt und Hallengelände. Nun wird geprüft, ob der Damm die Umgehungsstraße tragen kann.  Foto: 

Damm oder Deckel? Das ist die Frage zur Gaildorfer Ortsumfahrung, die aktuell die Planer in Stuttgart beschäftigt und die in Gaildorf zumindest irritiert. Es geht um den zweiten Abschnitt der Trasse, die von der künftigen Kreuzung mit der Schlossstraße am Kocher entlang in Richtung Westen weitergeführt werden soll. Dort würden noch einige Varianten geprüft, hat Norbert Barthle, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und Infrastruktur, kürzlich bei einem Ortstermin in Gaildorf bekannt gegeben.

Laut der Pressestelle des baden-württembergischen Verkehrsministeriums handelt es sich um eine Machbarkeitsstudie. Im Rahmen der Vorplanung untersuche das Regierungspräsidium eine zweite Variante, heißt es auf Anfrage der RUNDSCHAU.

Tunnel bereits angemeldet

Konkret geht es um den möglichen Bau einer Trasse auf dem bestehenden Hochwasserdamm. Bereits untersucht ist  die „Tunnelvariante“, eine „gedeckelte“ Trasse also, die neben dem Damm verläuft. Diese Variante findet sich laut Bürgermeister Frank Zimmermann auch im Bundesverkehrswegeplan, wo die Ortsumfahrung in den „vordringlichen Bedarf“ eingestuft ist.

Zimmermann hatte von der laufenden Machbarkeitsstudie bereits im Frühjahr erfahren, beim Besuch von Landesverkehrsminister Winfried Hermann und Regierungspräsident Wolfgang Reimer Ende Juli wurde die Information bestätigt. Er  finde diese Untersuchung „etwas verwunderlich“, sagte Zimmermann gestern. Er kenne nicht den Grund dafür, könne daher also nur betonen, dass die „gedeckelte“ Variante aus städtebaulicher Sicht eindeutig vorzuziehen sei. Eine Trasse auf dem Kocherdamm „gefällt uns natürlich überhaupt nicht“. Zimmermann verweist auch auf einen entsprechenden Gemeinderatsbeschluss, der 2014 gefasst wurde. Danach ist die Tunnelvariante für Gaildorf die Trasse der Wahl.

Ob die Machbarkeitsstudie für die Dammtrasse in eine erneute Trassendiskussion münden wird, ist allerdings noch völlig offen. Die Untersuchung von Alternativtrassen sei durchaus nicht ungewöhnlich, erklärt Edgar Neumann, der Leiter der Pressestelle im Landesverkehrsministerium. In einem späteren Rechtsverfahren seien „im Regelfall sowieso alle denkbaren Alternativlösungen untereinander und gegeneinander abzuwägen“.

Mit ersten Ergebnissen der Machbarkeitsstudie ist, Neumann zufolge, im Frühjahr 2018 zu rechnen; inhaltlich könnten noch keine Aussagen getroffen werden. Auf die „Vorplanung“ folge dann, immer in Abstimmung mit dem Landesverkehrsministerium und dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, die Entwurfsplanung und, wenn der Vorentwurf ausgearbeitet ist, schließlich die Genehmigungsplanung mit der Aufstellung des so genannten Planfeststellungsentwurfs. Bis zum Planfeststellungsverfahren sei mit einer Dauer von mindestens fünf bis sechs Jahren zu rechnen.

Nutzen-Kosten Eine „hohe Dringlichkeit“ wird dem Bau einer Ortsumfahrung für Gaildorf bescheinigt. Hinzu kommt ein ausgesprochen hoher finanzieller Nutzen: Aus der Entlastung der Stadt von Abgas, Lärm und Verkehr, dem Zeitgewinn der Verkehrsteilnehmer und der Nutzung der städtebaulichen Potenziale, die seit gut fünf Jahrzehnten nicht ausgereizt werden können, ergibt sich ein „Barwert der Nutzen“ von knapp 90 Millionen Euro, dem  Investitionen in Höhe von etwa 17 Millionen Euro gegenüberstehen.

Verlauf Die Planung sieht aktuell vor, die 2,3 Kilometer lange Trasse von der B 298 bzw. L 1066 am Gaildorfer Ortsausgang in Richtung Unterrot in Richtung Münster zu schwenken. Die B 19 wird nördlich der Kocherbrücke gekreuzt, anschließend soll die Trasse den Kocher queren und entlang der Kocheraue schließlich in die Schloss-Straße münden. Von dort geht’s dann weiter nach Norden, bis die Trasse auf Höhe des ehemaligen Jugendzentrums wieder den Kocher quert und schließlich in  die Bahnhofstraße einmündet.

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