Phantasie als Therapie

Das Ende eines Berufslebens kommt oft unerwartet schnell. Mit Phantasie und Kreativität können solche schwierigen Veränderungen auf gute Wege gebracht werden.

|
Vorherige Inhalte
  • In seiner „Fantasiescheune“ lagert der Künstler seine Figuren, in die man auch hineinschlüpfen kann. In dem grellbunten „Slim“ (rechts) wandelte Lutz Wolff auch schon mal durch den Englischen Garten in München. 1/2
    In seiner „Fantasiescheune“ lagert der Künstler seine Figuren, in die man auch hineinschlüpfen kann. In dem grellbunten „Slim“ (rechts) wandelte Lutz Wolff auch schon mal durch den Englischen Garten in München. Foto: 
  • Lutz Wolff hat eine besondere Form des Recyclings entwickelt. 2/2
    Lutz Wolff hat eine besondere Form des Recyclings entwickelt. Foto: 
Nächste Inhalte

Lutz Wolff lebt mit seiner Familie in Gschwend. Aus gesundheitlichen Gründen musste er vor mehr als einem Jahr seine Arbeit endgültig aufgeben. Schon vorher hatte es lange Zwangspausen gegeben. Körperliche Anstrengung ist dem 47-Jährigen inzwischen verwehrt. Aber er hat einen persönlichen therapeutischen Weg aus dem frühen Zwangsruhestand gefunden.

Der Blick vom Straßenrand in Hohenreusch auf die hölzernen Wegzeiger zu Orten wie „Bullerbü“ oder ins „Dörfli“ machen Passanten neugierig. Auch eine große Kuh aus Pappmaché kann gelegentlich widerkäuend beobachtet werden. Doch erst die kunterbunte Ausstattung der „Fantasiescheune“ ist ein wirklicher Blickfang. Lebensgroße Figuren, in die Lutz Wolff gelegentlich selbst hineinschlüpft, hängen von der Decke. Das letzte Mal war er mit dem schwarzpelzigen „Wambo“ beim Kürbisfest auf dem Gschwender Marktplatz unterwegs. Mit der grellbunten Figur „Slim“ ging er auch schon einmal durch den Englischen Garten in München. Etliche Leute wollten mit ihm zusammen fotografiert werden. Zu „Slim“ gesellt sich unter einer bemalten Palme aus Pappe auch noch ein lebensgroßer Hase.

Niemand soll sich erschrecken

Wolff geht mit diesen Figuren nie auf die Leute zu. Es soll niemand durch die Masken erschreckt werden. Die Gestalten sind malerisch mit Gegenständen behängt und erweisen sich damit als phantasievolle Unikate. Wolff hat mit der Gestaltung von großen und kleinen Figuren ein besonderes Hobby entwickelt. In farbigen Holzkisten, die als Regal an die Wand gehängt sind, können die Objekte bewundert werden. Eine glupschäugige Schmunzelgiraffe verlangt nach näherem Hinsehen. Die vier Beine des Halses sind aus umgedrehten Plastikflaschen gefertigt. Ein aufgeklebter Papiermantel hält das Gebilde zusammen. Auch die schwarz-weiße Milchkuh nebenan stützt sich auf jene Kunststoffflaschen – Veganer unter sich.

Der Künstler lässt nichts Überflüssiges verkommen. Aus Wegwerfgegenständen hat er phantasievolle Gebilde gezaubert. In seinem Fundus herrscht peinliche Ordnung. „Sonst finde ich ja nichts mehr“, merkt er schmunzelnd an und deutet auf die durchnummerierten Kisten. Er nennt diese Methode „Recycling“. Auch Wolffs 14-jähriger Sohn Lukas scheint inzwischen auf den Geschmack gekommen zu sein. Vor allem die selbst gefertigten Comicfiguren gefallen ihm. Beim Sommer-Zeltlager des DRK in Gschwend sind er und sein Vater in der Betreuung aktiv und machen Beschäftigungsangebote für die jungen Teilnehmer. Dracheneier aus Gips oder Zeichnungen im Comic-Stil finden bei den Kindern großes Interesse.

Die gestalterische Kreativität von Lutz Wolff endet nicht bei diesen Unternehmungen. Wenn beim DRK die Kurse zur Ersthilfe anstehen, werden von ihm kunstvolle Verwundungen wie Schnitte, Risse oder Augenverletzungen möglichst naturgetreu modelliert. Auch hier ist Kreativität verlangt. Für die Ausbilder des DRK ist diese Unterstützung von großem Wert. Die Ersthelfer sollen daran gewöhnt werden, vor dem Anblick dieser oft abstoßenden Verletzungen nicht einfach tatenlos zurückzuschrecken. Erste Hilfe erfordert Überwindung, die geübt werden muss.

Lutz Wolff kennt sich inzwischen gut mit den Techniken des Modellierens und der Bemalung von Objekten aus. Daran will er unbedingt weiter arbeiten. Der gelernte Bäcker hat den unfreiwilligen, frühen Schlusspunkt seines Berufslebens zu einer ermutigenden Selbsttherapie nutzen können. Neigung und Begabung waren für ihn wichtige Bausteine für ein Durchstarten nach dem Ende. Ideen für kreatives Gestalten hat er noch viele. Vielleicht findet er sogar Menschen, die ihn dabei begleiten wollen.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

MSC Gaildorf: erfolgreichster Veranstalter

Teams, Fahrer und Serienorganisation vergeben für das Rennen auf der „Wacht“ die meisten Punkte. weiter lesen