Naturstromspeicher: "Eine echte Hausnummer!"

Alexander Schechner hat keine Zweifel. Er gehe davon aus, dass das Projekt Naturstromspeicher umgesetzt wird, sagt er. Am Donnerstag wurden die Gründungsmitglieder der Bürgergenossenschaft informiert.

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Markus H. Müller und Alexander Schechner, die beiden Geschäftsführer der Max Bögl Schechner Naturstromspeicher GmbH (MBS), erläutern im Kernersaal den Stand der Planung. Die MBS wird die Anlage schlüsselfertig bauen. Foto: Richard Färber

Alexander Schechner geht auf Nummer sicher. Die neuen Fotomontagen, die maßstabgetreu die vier künftigen Windkraftanlagen auf dem Höhenzug östlich von Gaildorf zeigen, will er erst für eine Veröffentlichung zur Verfügung stellen, wenn die Stellungnahme der Deutschen Flugsicherung eingearbeitet ist. Bei den "Rotmarkierungen" könne es noch Änderungen geben, meint er. Die Markierungen auf den Rotoren sind zwar kaum zu erkennen, aber darum gehts nicht: Schechner will hundertprozentig korrekte Informationen vorlegen.

Insofern kann man davon ausgehen, dass es auch an den Planunterlagen, die Schechner am 6. Mai beim Haller Landratsamt einreichen wird, wenig auszusetzen gibt. Man habe schon bei der Vorbereitung eng mit dem Landratsamt zusammengearbeitet, erklärt Schechner. Die Bürgergenossenschaft Naturstromspeicher Gaildorf, die die Anlage später übernehmen und über die Naturstromspeicher Gaildorfer GmbH & Co. KG betreiben wird, war in den Steuerungsgruppen durch ihren Vorsitzenden Karl-Heinz Stooß vertreten.

Den Bau und die Vorfinanzierung übernimmt die neu gegründete Max Bögl Schechner Naturstromspeicher GmbH MBS. Deren Geschäftsführung teilen sich Alexander Schechner und Markus H. Müller. Sie haben den Gründungsmitgliedern der Genossenschaft die Pläne jetzt im Detail vorgestellt.

Danach hat das Projekt bereits Innovationskraft entwickelt. Liebherr hat einen Kran entworfen, der die bisher bekannten Dimensionen sprengt. Das speziell für die Arbeit im Wald entwickelte Gerät werde mit dem jeweiligen Windrad wachsen und könne bis zu 125 Tonnen heben, erläutert Markus H. Müller. Da es durch eine Verbindung mit dem Mast Stabilität erhält, sind keine überdimensionalen Ausleger und damit auch keine zusätzliche Rodungen nötig. Der Kran wird über eine Drittfirma eingesetzt.

Alle vier Standorte zusammengenommen müssen etwa 38 000 Quadratmeter Wald gerodet werden; dauerhaft versiegelt bleiben knapp 13 000 Quadratmeter, teilversiegelt rund 7500 Quadratmeter. Wieder aufgeforstet werden etwa 18 000 Quadratmeter.

Die "Silhouettenlösung" sieht vor, dass sich Naben der vier Windräder alle auf der gleichen Höhe, nämlich bei 662 Metern über Normalnull (NN) befinden. Das Gefälle zwischen den Standorten - die Windräder werden zwischen 152 und 172 Meter hoch - wird durch die Speicherbehälter ausgeglichen. Dabei handelt es sich um konische Betonbauten, die durch Zusatzspeicher ergänzt und von der Firma Max Bögl errichtet werden.

Während bei den Windrädern mit einer Haltbarkeit von etwa 25 Jahren gerechnet wird, sind die Speicherbehälter auf 60 Jahre angelegt. Dadurch sei, so Müller, auch ein "Repowering" denkbar: Die Windräder werden dann durch neue Modelle ersetzt. Das Speichervolumen wird sich pro Anlage auf etwa 40 000 Kubikmeter belaufen. Die Speicher werden über eine Leitung mit dem Pumpspeicherwerk im Tal verbunden; die Technologie dazu liefert Voith Hydro. Gibts Stromüberschüsse, wird Wasser in die Speicher gepumpt, herrscht Strombedarf und Flaute, treibt es Turbinen an - das ist das ganze Prinzip.

Das Unterbecken in der Kocheraue ist nicht direkt mit dem Kocher verbunden, soll aber an seiner tiefsten Stelle mit einem Grundablass ausgestattet werden, damit es bei Bedarf durchgespült werden kann. 250 000 Kubikmeter Erde werde man ausheben und in Wilhelmsglück deponieren, kündigte Schechner an. Bis November 2014 müsse daher mit zusätzlichem Lkw-Verkehr gerechnet werden.

Die Windturbinen werden von der spanischen Firma Gamesa geliefert. Man habe sich auch bei deutschen Anbietern kundig gemacht, sagt Schechner. Die Gamesa-Turbinen seien allerdings leistungsfähiger als hiesige Standardmodelle. Man habe sich für neu entwickelte 5,5 Megawatt-Turbinen entschieden, die bereits in Spanien und demnächst auch in Skandinavien erprobt werden.

Schechner geht davon aus, dass der Naturstromspeicher, der im Oktober 2015 ans Netz gehen soll, bei 2200 Volllaststunden eine Jahresleistung von 50.000 Kilowattstunden erbringen wird: "Das ist eine echte Hausnummer!"

Die Windräder werden übrigens nicht durchgehend in Betrieb sein. Wenn bestimmte Bedingungen herrschen, müsse abgeschaltet werden, sagt Schechner. So dürfen die Anlagen nicht laufen, wenn Fledermäuse unterwegs sind, was in etwa 100 Nächten pro Jahr der Fall sein wird. "Das Gute: Die Fledermaus fliegt nicht bei Wind."

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Kommentare

16.05.2013 12:44 Uhr

Antwort auf „Millionengrab sicher”

Die Windräder alleine könnten -mit viiiel Glück- mit einer schwarzen Null arbeiten, der Pumpspeicher allerdings wird mit Sicherheit enorme Verluste einfahren.
Wenn schon, dann sollte man also den Pumpspeicher-Teil komplett beerdigen. Daran kann aber Herr Schechner ja kein Interesse haben als Vertreter des Wasserturbinen-Herstellers ("Merksch was?")

Auch witzig, wie bereits mehrfach mit stolzgeschwellter Brust berichtet wurde, an wie vielen Stellen man mit diesem Projekt "technisches Neuland" betrete.
Jedem Investor kann angesichts dieses unerprobten Neulandes nur schwarz vor Augen werden, bedeutet es doch, dass mit Sicherheit mit " völlig neuen" Schwierigkeiten und Zeitverzug zu rechnen ist, die die bisher geplanten Kosten garantiert massiv in die Höhe treiben werden (man könnte sich zum Beispiel das Destaster betrachten bei dem "technischen Neuland" des Holzgaskraftwerkes der SWU in Ulm).
Liebe Banken, gut überlegen, ob Sie dieses "Himmelfahrtskommando" finanzieren!

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16.05.2013 12:25 Uhr

Millionengrab sicher

Dass Herr Schechner als Vertreter des Turbinenherstellers und als Geschäftsführer vollmundige Versprechungen macht, ist klar. Dass diese aber nichts mit der Realität zu tun haben (müssen), auch. Oder wer glaubt einem Verkäufer, der massiv am "Umsatz " beteiligt ist?
Die lediglich versprochenen Volllaststunden sind wenn -überhaupt- nur sehr schwer erreichbar, zumal die Räder noch in 100 Nächten stillstehen.
Das wahre Millionengrab steckt aber im Pumpspeicher. Dieser wird ca. 30 Millionen kosten bei einer mickrigen Leistung von 12 MW und lächerlichen 70 MWh Speicherkapazität. Das bedeutet Baukosten pro MW und MWh, die um ein Mehrfaches über jeglichen wirtschaftlichen Kosten liegen:

http://www.swp.de/metzingen/lokales/metzingen/EnBW-Studie-Nur-Glems-kommt-fuer-ein-Pumpspeicherwerk-in-Frage;art5660,1669560

http://www.br.de/fernsehen/bayerisches-fernsehen/sendungen/abendschau-der-sueden/trausnitz-pumpspeicherkraftwerk-energie-100.html

Bürgergenossen: "Finger weg, sonst Geld weg!"

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10.05.2013 14:30 Uhr

eine reife Leistung - Verlustgeschäft schon vor dem ersten Spatenstich

"Das Gute: Die Fledermaus fliegt nicht bei Wind." Das ist aber auch das einzig Gute an diesem Projekt.
50.000 Kilowattstunden Jahresleistung, in derTat eine echte Hausnummer (lol). Die Zahlen der möglichen Windkraftleistung sind ja komplett durcheinander. Gaildorf ist als Versuchskaninchen ausgesucht worden.

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