Naturstromspeicher Gaildorf: Weitere Plan-Änderung gefällt nicht allen Stadträten

Für das Energieprojekt Naturstromspeicher Gaildorf gibt es einen neuen Bauantrag: Unter anderem soll sich das oberirdische Volumen der Windkraftanlagen verringern. Der Gemeinderat ist damit einverstanden.

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  • Vorher mit Konus, nachher zylindrisch: Für manchen Stadtrat ist die Planänderung, wie von Alexander Schechner erläutert, gravierend, die Mehrheit des Gremiums kann jedoch damit leben. Der Unterschied liegt im unteren Teil, dem Aktivbecken. 1/2
    Vorher mit Konus, nachher zylindrisch: Für manchen Stadtrat ist die Planänderung, wie von Alexander Schechner erläutert, gravierend, die Mehrheit des Gremiums kann jedoch damit leben. Der Unterschied liegt im unteren Teil, dem Aktivbecken.
  • Vorher mit Konus, nachher zylindrisch: Für manchen Stadtrat ist die Planänderung, wie von Alexander Schechner erläutert, gravierend, die Mehrheit des Gremiums kann jedoch damit leben. Der Unterschied liegt im unteren Teil, dem Aktivbecken. 2/2
    Vorher mit Konus, nachher zylindrisch: Für manchen Stadtrat ist die Planänderung, wie von Alexander Schechner erläutert, gravierend, die Mehrheit des Gremiums kann jedoch damit leben. Der Unterschied liegt im unteren Teil, dem Aktivbecken.
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Die Rotoren der vier Windkraftanlagen des Energieprojekts Naturstromspeicher Gaildorf werden, wie berichtet, kleiner ausfallen als zunächst geplant. Der Gemeinderat hat den entsprechenden Antrag der MBS Naturstromspeicher GmbH im Januar für gut befunden und das gemeindliche Einvernehmen der Stadt beschlossen. Nun liegt dem Landratsamt ein weiterer Änderungsantrag vor, laut Projektentwickler und MBS-Geschäftsführer Alexander Schechner mit "gewissen Verbesserungen".

Die Rede ist von einem Fertigteilsystem, das den Bau beschleunigen, Kosten sparen soll - auch weil dazu keine massiven Betonmischanlagen aufgebaut werden müssten. Man wolle, so Schechner am Mittwochabend im Gemeinderat, "oberirdisches Volumen rausnehmen", wodurch die Plattform um weitere 3,80 Meter nach unten rücke. Dadurch werde die Fernsicht auf die wasserführenden Türme verbessert, in der Nahsicht verliere das Ganze "dramatisch an Massivität".

„Silo statt Konus – schade: Das gefällt mir nicht“

Schechner, der mit Projektleiter Markus Müller zur Sitzung gekommen war, räumte ein, dass die Anlagen vielleicht nicht mehr "so elegant wie der Eiffelturm" wirken werden, was zunächst aus statischen Gründen erwogen worden sei. Nun also: Zylinder statt Konus. Hier setzte die Kritik von FWV-Fraktionschef Heinrich Reh an: Die ursprüngliche "Eleganz" gehe für den unteren Teil der Anlagen verloren: "Das sieht nicht stabil aus, auch nicht ästhetisch. Silo statt Konus - schade: Das gefällt mir nicht", sagte Reh, der das Projekt aber befürwortet.

Schechner sieht das anders: 20 bis 30 Meter hohe Waldbäume verdeckten zum Großteil die unteren Bereiche. Das Thema "verlorene Eleganz", das SPD-Fraktionsvorsitzender Hans Keit in der Debatte als nicht ausreichend begründet erachtete, würde laut Planer "Millionen kosten, aber keinen Mehrwert bringen".

Offene Liste-Stadtrat Bernhard Geißler, der vor der Sitzung von der Stadtverwaltung weitere Unterlagen zum Thema angemahnt hatte, hätte gerne mehr technische Informationen bekommen, etwa zum so genannten Spannseilsystem. Er musste sich mit dem Hinweis begnügen, bei Patentangelegenheiten gebe es keine Informationen.

"Ob es uns gefällt oder nicht: Hier geht es um das gemeindliche Einvernehmen, über das wir zu entscheiden haben", erinnerte CDU-Fraktionschef Rainer Baumann. Es gebe aus baurechtlicher Sicht keinen Grund, um das Einvernehmen zu versagen. Dem stimmte Bürgermeister Frank Zimmermann zu: Wenn der Gemeinderat "nein" sage, müsse damit gerechnet werden, dass dieser Beschluss durch das Landratsamt "ersetzt" werde - also aufgehoben. Er könne mit der zylindrischen Form der "Aktivbecken" leben. Für den Rathauschef ist es nun wichtig, "dass dies die letzte Änderung war".

„Wir reden hier über drei Meter auf jeder Seite“

Heinrich Reh indes wertete die veränderte Ansicht durchaus als Entscheidungskriterium, weil hier auch städtebauliche Aspekte eine Rolle spielten. Dies, zumal das Windrad mit der Kennung "WEA 5" fast unmittelbar an der Hangkante stehe. So sieht es auch FWV-Stadtrat Frank Stettner. Schechners Argumente seien zwar nachvollziebar, "aber auch wir haben hier mit diesem Projekt eine Last zu tragen". In diesem Zusammenhang verstehe er die "kritische Bürgerschaft", die in der Sitzung vertreten war. Schechner wiederum stellte klar: "Wir reden hier über drei Meter auf jeder Seite. Das relativiert sich doch bei eineinhalb Kilometer Abstand".

Heinrich Reh, den die Antwort nicht überzeugte, und Bernhard Geißler stimmten gegen den Antrag, 14 Stadträte sagten "ja", vier enthielten sich der Stimme, darunter Frank Stettner - zum ersten Mal überhaupt, wie er betonte.

Nach Lage der Dinge soll im Herbst mit dem Bau der vier Windkraftanlagen begonnen werden. Dann gibt es auch eine Informationsveranstaltung. Die Anlagen sollen bis Ende 2016 in Betrieb gehen. Das Pumpspeicherkraftwerk, dessen Inbetriebnahme nach Testphase für Sommer 2017 vorgesehen ist, soll ab diesen Sommer gebaut werden. Die Arbeiten für den Schachtaushub und den so genannten Rohrvortrieb zum künftigen Unterbecken stehen ab Herbst an.

Info Ein neuer Antrag gemäß Bundesimmissionsschutzgesetz ist laut Sitzungsvorlage der Stadtverwaltung nicht erforderlich, "da durch diese Umplanungen die Windenergieanlagen in ihren Abmessungen kleiner werden". Der Betrieb "bleibt identisch zur genehmigten Planung".

Die wesentlichen Inhalte des neuen Bauantrags

Die Änderungen werden nicht als Konus, sondern zylinderförmig ausgeführt. Durchmesser: 17 Meter. Die Oberkante der Plattform wird gegenüber der jüngsten Planvariante nochmals um 3,80 Meter reduziert. Zum Ausgleich des Volumens werden die Beckensohlen der so genannten Passivbecken um 1,70 Meter tiefer angeordnet. Die Oberkanten der Passivbecken werden geringfügig variiert. An der Windenergieanlage (WEA) 2 entfällt das Aktivbecken. Hier ist nur noch ein Passivbecken geplant. Der Zugang zu den Anlagen ist mit Stahl-Treppentürmen direkt am Zylinder/Aktivbecken geplant (bei WEA 3 bis 5). Eine weitere Planungsänderung ist die Verschiebung der Passivbecken an allen Anlagen. Die Passivbecken werden um etwa zehn Meter in westliche Richtung verschoben. Gleichzeitig bleibt der Mittelpunkt der Anlagen (Turm) unverändert. An der WEA 5 fällt das Gelände in westliche Richtung ab. Durch die Verschiebung des Passivbeckens um etwa 10 Meter in westliche Richtung wird die Anordnung einer Stützwand (Gabionenwand) zur Böschungssicherung erforderlich.

SWP

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