Naturstromspeicher Gaildorf: Baustein für die Energiewende

Es tut sich was im Wald bei Winzenweiler. Läuft alles nach Plan, dann gehen dort Ende 2017 mit dem Projekt Naturstromspeicher Gaildorf die höchsten Windenergieanlagen der Welt in Betrieb. Während der Limpurger Wirtschaftsmesse nutzten viele Bürger die Gelegenheit zum Baustellenrundgang.

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  • Wer es nicht mit eigenen Augen gesehen hat, kann sich die Dimension so einer Windenergielange nicht vorstellen. Um bis nach oben zu gelangen, kommt demnächst der höchste Kran, den die Firma Liebherr je gebaut hat. 1/4
    Wer es nicht mit eigenen Augen gesehen hat, kann sich die Dimension so einer Windenergielange nicht vorstellen. Um bis nach oben zu gelangen, kommt demnächst der höchste Kran, den die Firma Liebherr je gebaut hat. Foto: 
  • Im Wald oberhalb von Gaildorf stehen bald die höchsten Windenergieanlagen der Welt. Viele interessierte Bürger hatten sich zu den Baustellen chauffieren lassen. Bild rechts: Bauingenieurin Lucia Ertel und ihr Kollege Bogdan Rosu führen Interessenten durch die Baugrube der „WEA 5“. 2/4
    Im Wald oberhalb von Gaildorf stehen bald die höchsten Windenergieanlagen der Welt. Viele interessierte Bürger hatten sich zu den Baustellen chauffieren lassen. Bild rechts: Bauingenieurin Lucia Ertel und ihr Kollege Bogdan Rosu führen Interessenten durch die Baugrube der „WEA 5“. Foto: 
  • Riesige Erdbewegungen: Bauingenieurin Lucia Ertel und ihr Kollege Bogdan Rosu führen Interessenten durch die Baugrube der WEA 5. 3/4
    Riesige Erdbewegungen: Bauingenieurin Lucia Ertel und ihr Kollege Bogdan Rosu führen Interessenten durch die Baugrube der WEA 5. Foto: 
  • Bauleiter Johannes Kaltner zeigt interessierten Besuchern die Baustelle der Windenergieanlage 3, die im kommenden Jahr den Höhenzug der Limpurger Berge weit überragen wird. 4/4
    Bauleiter Johannes Kaltner zeigt interessierten Besuchern die Baustelle der Windenergieanlage 3, die im kommenden Jahr den Höhenzug der Limpurger Berge weit überragen wird. Foto: 
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„Mich freut‘s“, meinte Bauleiter Johannes Kaltner, als er kurz nach zwölf die erste Besuchergruppe begrüßte. Mit so vielen Interessenten habe er nicht gerechnet.  Tatsächlich nahmen im Lauf des Samstagnachmittags viele Bürgerinnen und Bürger die Gelegenheit wahr, sich von der Limpurger Wirtschaftsmesse zu den Baustellen chauffieren zu lassen. Schließlich bekommt man nicht alle Tage ein Bauprojekt dieser Dimension zu Gesicht. Etwa 80 Millionen Euro  wird die Anlage kosten, die aus dem Innovationsprogramm des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit mit mehr als sieben Millionen gefördert wird. Lucia Ertel und Bogdan Rosu, Tiefbau-Ingenieure der  Firmengruppe Max Bögl, sowie MBS-Mitarbeiter Frank Bauder, Arbeitsgebiet Maschinentechnik Wasserkraft kümmerten sich zusammen mit Kaltner um die Gäste, beantworteten Fragen und stellten schnell  fest, dass sie ein gut informiertes und sehr wissensfreudiges Publikum vor sich hatten.

Energie zu gewinnen ist eine Sache, sie flexibel  zu speichern die andere. Das Gaildorfer Pilotprojekt kann beides, Strom erzeugen und speichern. Es handelt sich um die Kombination von vier Windenergieanlagen mit integrierten Wasserspeichern mit  einem Unterbecken und einem Pumpspeicherkraftwerk im Tal. Durch eine Druckrohrleitung, die einen Höhenunterschied von 150 bis 350 Meter überwindet, lässt sich  das Wasser von oben nach unten pumpen oder umgekehrt.

Größter Kran wird demnächst aufgebaut

Bereits sichtbar ist in der Baugrube der Windenergieanlage 3 die Bodenplatte. Allein wenige Zahlen verdeutlichen die Ausmaße: Ein äußeres Becken, das sogenannte Passivbecken, hat einen Durchmesser von 63 Metern, das integrierte Aktivbecken wird 40 Meter in die Höhe ragen. Dadurch lässt sich eine gute Standfestigkeit für die Turmfundamente und eine Nabenhöhe von 178 Metern erreichen, was eine ordentliche Windausbeute verspricht. Der größte Kran, den die Firma Liebherr je gebaut hat, wird demnächst zur Baustelle gebracht.

Hinter dem  Großprojekt auf dem Höhenzug der Limpurger Berge steht die zu diesem Zweck gegründete Max Bögl Schechner (MBS) Naturstromspeicher GmbH. Auch am Stand bei der Wirtschaftsmesse klärten Vertreter über ihr Projekt auf, das in der Bevölkerung inzwischen größtenteils Akzeptanz findet.

Stefan Bögl, der zuständige Vorstand der bauausführenden Max-Bögl-Gruppe aus Neumarkt in der Oberpfalz, sagte seinerzeit  beim offiziellen Start auf der Baustelle: „Wir sehen den Naturstromspeicher als wichtigen Baustein für die Energiewende in Deutschland.“ MBS-Geschäftsführer und Strom-Pionier Alexander Schechner ist überzeugt vom Erfolg.

Hunderte von Windkraftanlagen, das Autobahnkreuz Echterdinger Ei, die Commerzbank-Arena in Frankfurt oder das Nationalstadion Lia Manoliu in Bukarest – viele herausragende Projekte hat Max Bögl schon realisiert. Der Naturstromspeicher in Gaildorf gehört auch bald dazu.

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Kommentare

03.06.2016 10:15 Uhr

Enorme Kostensteigerung

Mit Erstaunen liest man, dass das Projekt, das ursprünglich mal ca. 40 Millionen kosten sollte, inzwischen schon rund 80 Millionen Euro kosten soll (vor wenigen Monaten war noch von 70 Millionen zu lesen). Gegenüber der ursprünglichen Planung werden die Windräder etwas höher gebaut und auch leistungsstärker. Das kann aber eine Verdoppelung der Kosten nicht begründen.
Wie kommt es also zu diesen gallopierenden Kostensteigerungen?
Man kann nur hoffen, dass dieses Projekt neben den über 7 Millionen Steuergeldern nicht auch noch von der Kommune oder einzelnen Privatleuten mit finanziert wird.
Wenn man für die 4 Windräder Kosten von ungefähr 25 Millionen ansetzt, dann bleiben ca. 55 Millionen Kosten für den Pumpspeicher-Teil. Damit ist dieser Pumpspeicher bezogen auf die gleiche Leistung und Speicherkapazität locker zwei- bis dreimal so teuer wie alle derzeit geplanten Pumpspeicher in Deutschland. Und diese liegen alle auf Eis, weil selbst diese Projekte in keiner Weise wirtschaftlich zu bauen und zu betreiben sind.
Das Projekt hat sicher einige spannende technische Aspekte.
Die großen Eingriffe in die Natur aber gehen zu Lasten der Umwelt und der Menschen.
Die Kosten müssen die Investoren tragen, hoffentlich ohne weitere öffentliche Gelder.
Vile Glück!

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03.06.2016 08:58 Uhr

Strom- und Informations-Pioniere

"Stefan Bögl, der zuständige Vorstand der bauausführenden Max-Bögl-Gruppe aus Neumarkt in der Oberpfalz, sagte seinerzeit beim offiziellen Start auf der Baustelle: „Wir sehen den Naturstromspeicher als wichtigen Baustein für die Energiewende in Deutschland.“ MBS-Geschäftsführer und Strom-Pionier Alexander Schechner ist überzeugt vom Erfolg."

Wenn es nur ein Graustromspeicher wird, ein Nutzen zu Energiewende nicht nachgewiesen und keinesfalls zu vermuten ist, kein öffentliches Interesse vorliegt, und das Schwindelprojekt "Naturstromspeicher-BÖGL" nur Natur und Umwelt kostet, - bitte, - wie kommen dann die Bagger in den Wald, - und diese tolle Projektlyrik in eine Zeitung? (Sind Anzeigen nicht mehr kennzeichnungspflichtig, oder liefert RUNDSCHAU Gaildorf zu allem Schwindel bereits kostenlos ans Messer?)

Wird jeder Schwindel immer noch gut, wenn er nur groß genug ist und oft genug verbreitet wird?

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24.05.2016 11:49 Uhr

das in der Bevölkerung inzwischen größtenteils Akzeptanz findet.

"...das in der Bevölkerung inzwischen größtenteils Akzeptanz findet."

Angesichts der Realitäten, vorstehend eine mit nichts nach zu vollziehende Interpretation.

Nachdem das Energiezentrum Schwäbisch-Hall 2015 noch glaubte, den Naturstromspeicher als Beispiel einer s.g. best-practice zu den Energie- und Klimaschutzaktivitäten des Landkreises Schwäbisch aufführen zu können, revidierte Herr Heinz Kastenholz seine Einschätzung dazu anlässlich der Wirtschaftsmesse Gaildorf 2016:

http://GRAUSTROMSPEICHER.kochertal.net/

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