Naturstromspeicher Gaildorf: Alexander Schechner zum Stand der Planung

Der Prototyp: Im Herbst soll mit dem Bau des Gaildorfer Naturstromspeichers begonnen werden. Die neuartige Technik soll die Branche aufmischen.

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  • Alexander Schechner, Geschäftsführer der Naturstromspeicher Gaildorf GmbH Privatfoto 2/3
    Alexander Schechner, Geschäftsführer der Naturstromspeicher Gaildorf GmbH Privatfoto Foto: 
  • Blick über die Höhen des Limpurger Landes östlich von Gaildorf, links im Bild deutlich erkennbar die Rodungsflächen, die in den letzten Monaten entstanden sind. Hier sollen die Windkraftanlagen des Naturstromspeichers Gaildorf gebaut werden. Luftbild: Holger Hessenthaler 3/3
    Blick über die Höhen des Limpurger Landes östlich von Gaildorf, links im Bild deutlich erkennbar die Rodungsflächen, die in den letzten Monaten entstanden sind. Hier sollen die Windkraftanlagen des Naturstromspeichers Gaildorf gebaut werden. Luftbild: Holger Hessenthaler
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Beim ersten Mal dauert's halt noch etwas länger, meint Alexander Schechner, der den Gaildorfer Naturstromspeicher entwickelt hat. Im Interview erläutert er den aktuellen Stand der Planungen.

RUNDSCHAU: Die Rodungsarbeiten für die vier Windkraftanlagen bei Gaildorf scheinen abgeschlossen zu sein. Wie ist der weitere Ablauf? Wann wird mit dem Bau des Naturstromspeichers begonnen?

ALEXANDER SCHECHNER: Ich gehe davon aus, dass wir noch im Herbst mit den Bauarbeiten für die Windkraftanlagen beginnen. Der Zeitplan für die Inbetriebnahme ist unverändert. Ende 2016 sollen die Windkraftanlagen laufen, ein Jahr später wird das Pumpspeicherkraftwerk in Betrieb genommen. Entscheidend ist derzeit, wann wir die bautechnische Zulassung für die Windkrafttürme bekommen. Dass wir sie kriegen, ist sicher.

Der Gaildorfer Gemeinderat musste bereits zwei Änderungsanträgen zustimmen. Sie betrafen die Größe der Rotoren und die Form der "Aktivbecken". Sind noch weitere Änderungen zu erwarten?

SCHECHNER: Das Pumpspeicherkraftwerk wird deutlich kleiner und kompakter ausfallen als vorgesehen. Wir haben eine neue Technologie entwickelt, die es uns ermöglicht, mehr Technik im Schacht selbst unterzubringen, sodass sich unser Platzbedarf und übrigens auch die Bauzeit ohne Leistungsverlust deutlich reduziert. Eine ähnliche Entwicklung haben wir auch bei der Konstruktion der Windkrafttürme hinter uns. Ursprünglich wurde mit sechs Monaten Bauzeit geplant, nun sind wir bei sechs Wochen.

Wie kommt's?

SCHECHNER: Wir wollen den Naturstromspeicher so seriennah wie möglich bauen. Die Zeit, die wir jetzt in die Planung, Vorbereitung und Entwicklung investieren, kann bei den nächsten Naturstromspeicher-Projekten durch eine schnellere Umsetzung kompensiert werden. Das Ziel ist, solche Anlagen künftig in einem Jahr zwischen Frühjahr und Herbst bauen zu können.

Der Naturstromspeicher Gaildorf wird also ein Demonstrationsobjekt zur Kundenakquise . . .

SCHECHNER: Natürlich! Und er wird ans Netz gehen und funktionieren und wirtschaftlich sein, sonst verkauft er sich nämlich nicht. Wir würden so etwas doch nicht entwickeln und bauen, wenn wir nicht davon überzeugt wären.

Sie haben aber auch 7,15 Millionen Euro aus dem Innovationsförderprogramm des Bundesumweltministeriums erhalten.

SCHECHNER: Das ist eine Anschubfinanzierung, die sich auf etwa zehn Prozent unserer Gesamtinvestition beläuft. "Anschub" heißt, dass die Sache dann auch laufen muss. Und das wird sie. Wir sehen jetzt schon, dass die nächsten Anlagen ohne solche Zuschüsse auskommen werden.

An einem der Windkraft-Standorte gibt's Gelbbauchunken. Sie haben jetzt die Genehmigung erhalten, die Tiere umzusiedeln. Es handelt sich um vier bis fünf Exemplare. Ist das nicht etwas übertrieben?

SCHECHNER: Übertrieben finde ich eigentlich nur, dass dafür ein sechsseitiger Schriftsatz notwendig ist. Aber vom Prinzip her ist das in Ordnung. Im Natur- und Artenschutz gelten mittlerweile enorm hohe Standards, an die wir uns halten müssen und auch halten wollen. Einiges mussten wir auch erst lernen.

Zum Beispiel?

SCHECHNER: Es geht nicht um den Lebensraum geschützter Arten, in den möglichst schonend eingegriffen werden kann. Uns wurde sehr deutlich erklärt, dass es um einzelne Tiere geht, in deren Lebensraum keine Änderungen gestattet sind. Daran haben wir uns gehalten. Der Naturstromspeicher wird also keine Auswirkungen beispielsweise auf das Leben von Rotmilan und Schwarzstorch haben. Die Schwarzstorchexperten beim Regierungspräsidium, die die Population seit zehn Jahren beobachten, haben uns bestätigt, dass wir den optimalen Standort gefunden haben. Dass wir stets darauf geachtet haben, das maximal Mögliche zu tun, wird übrigens nicht nur von den Behörden, sondern auch vom BUND anerkannt.

Ein Thema, das oft kritisiert wird, ist der sogenannte Infraschall. Können Sie die Leute beruhigen?

SCHECHNER: Ich habe, mit Verlaub, den Eindruck, dass hier etwas esoterisch argumentiert wird. Wir verlassen uns auf die aktuelle Studie der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz, in der festgestellt wird, dass die Windkraft sich nicht nennenswert auswirkt. Infraschall ist allgegenwärtig, die stärksten Quellen sind der Verkehr und die Natur, und an dem Pegel ändert sich nichts, wenn man zusätzlich ein Windkraftwerk in Betrieb nimmt. Im Gegenteil: Die Infraschall-Immission, die vom Windrad ausgeht, wird überlagert.

Wie beurteilen Sie eigentlich den Verlauf der Energiewende? Ist der Punkt, ab dem es kein Zurück gibt, bereits erreicht?

SCHECHNER: Ich sehe den Willen. Die G7 und auch der Papst propagieren die Abkehr von den fossilen Brennstoffen. Und in Deutschland geht's mittlerweile nicht mehr nur um die politische Umsetzung. Die Bundesregierung schaut auf die Kosten und sieht: Es rentiert sich, auch aus unternehmerischer Sicht. Wir generieren neues Wissen und neue Systeme, die weltwirtschaftlich große Bedeutung erlangen werden. Dass es möglich ist, auf fossile Brennstoffe zu verzichten, ist bereits sichtbar und es dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein, bis sich dafür auch die nötigen politischen Mehrheiten finden. Wir werden immer eine Brennstoff-Restkapazität benötigen, Brennstoffe sind schließlich nichts anderes als Energiespeicher. Aber fossile Brennstoffe benötigen wir dafür nicht mehr.

Welche Rolle werden Techniken wie der Naturstromspeicher spielen?

SCHECHNER: Aktuell liegt der Anteil der Erneuerbaren bei der Energieerzeugung in Deutschland bei 27 Prozent, Tendenz steigend. Ab einem Anteil von 40 Prozent wird's allerdings schmerzhaft, wenn die Technologie nicht zur Verfügung steht, die benötigt wird, um Überschüsse kurzfristig zu speichern. In der Branche sagt man: Wir müssen die Sonne in den Abend bringen. Ein paar Stunden reichen völlig aus. Unsere Technik wird dann erst interessant.

Das Interview führte Redakteur Richard Färber.

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Kommentare

16.07.2015 22:18 Uhr

Kalter Kaffee oder neues Wissen?

Das hört sich eher nach einem neuen neuem Bauantrag an, als nach "NEUEM WISSEN". Solange die rechtlichen Belange zu dem NATURSCHUTZRECHT und den bürgerlichen EINWENDUNGEN bzgl. BAUANTRAG 2013 nicht geklärt sind - könnte BÖGL sinnvolleres liefern, als solche sinnfreien Kommentare.

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