Nach stürmischen Zeiten herrscht wieder Zuversicht

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Anerkennung für 40 oder 25 Jahre im aktiven Feuerwehrdienst: Bürgermeister Frank Zimmermann und Kreisbrandmeister Werner Vogel (links) sowie Kommandant Stefan Dwornitzak (rechts) zeichneten (von links) Martin Dieterich (40), Wolfgang Müller (25), Gerald Drescher (40), Klaus-Dieter Ellinger (40), Michael Wandel (40), Heinz-Joachim Kern (40) und Alexander Stadler (25) mit dem goldenen oder silbernen Ehrenzeichen aus.  Foto: 

Stadtbrandmeister Stefan Dwornitzak zog in der Hauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Gaildorf einen Schlussstrich unter eine 63 Monate dauernde Phase des Umbruchs mit vielen Diskussionen um die Weiterentwicklung vor Ort und das damit verbundene Zusammenwachsen der bisherigen Feuerwehrabteilungen.

In seinem Bericht dankte er dem vor fünf Jahren gegründeten Ausschuss für die zeitaufwändige, sehr engagierte und schließlich erfolgreiche Arbeit: „Es gelang uns, und zwar einstimmig, eine historische Zeitenwende einzuläuten, die voll vom Gemeinderat und der Stadtverwaltung mitgetragen wird.“

Nach der Übergangslösung durch eine Einsatzabteilung Süd, die sich aus Mitgliedern der ehemaligen Abteilungen Unterrot mit den Löschgruppen Bröckingen, Münster und Unterrot zusammensetzt, und eine Abteilung Nord mit Kameraden aus Eutendorf, Gaildorf und Ottendorf wird es in ein paar Jahren dann nur noch eine Einsatzabteilung mit mehreren Zügen in der Feuerwache in der Gaildorfer Bahnhofstraße geben. Nicht ohne symbolischen Unterton erhielten die 14 Vertreter des Ausschusses einen kleinen Lüfter als Erinnerung an die stürmischen Zeiten.

Verbunden war damit auch die Verabschiedung der ehemaligen Abteilungskommandanten und ihrer Stellvertreter Jürgen Dahner und Jürgen Hägele, Reinhard Gesierich und Peter Munz sowie Dietmar Wohlfahrt und Arndt Seifried.

Noch vor der Fusion hatten im Jahr 2016 die vier Abteilungen 97 Einsätze zu bewältigen, darunter allein 80 Alarme – so viele wie schon lange nicht mehr. Bei 14 Bränden, 41 Hilfeleistungen und 25 Falschalarmen konnten zehn Personen gerettet werden, es waren jedoch auch vier Leicht- und neun Schwerverletzte sowie zwei Todesfälle zu beklagen. Die personelle Situation der Gaildorfer Wehr stellt sich mit 271 Mitgliedern gegenwärtig erfreulich positiv dar. Darunter sind 162 Einsatzkräfte mit fünf Frauen, 23 männlichen Jugendlichen der Jugendfeuerwehr und 85 Mann in der Ehren- und Altersarbeit. Bei der Tagesverfügbarkeit, einem heiklen Thema, konnten 50 Einsatzkräfte nachgewiesen werden. Auffallend sei, dass 45 Prozent aller Einsätze von Montag bis Freitag zwischen 6 und 18 Uhr von der Tagesbereitschaft geleistet werden müssen, die Nachtbereitschaft liege bei 35 Prozent. Nur am Wochenende gehe es mit 20 Prozent ruhiger zu. Dwornitzak sah es als erfreulich an, dass die früher angeforderten Brandsicherungswachen rückläufig sind. 2015 waren es noch 29 Wachdienste, 2016 nur noch 17.

Engagierte Truppe

Im Jahresbericht kamen Spezialausbildungen und Leistungsabzeichen zur Sprache, die einen eindrucksvollen Beleg für die Professionalität gaben. Für die neu gegründeten Abteilungen dürfte es eine vordringliche Aufgabe sein, die Weiterbildungen im Sinne einer endgültigen Fusionierung sinnvoll zu koordinieren. Zwar musste die Wahl des stellvertretenden Kommandanten wegen zu geringer Anwesenheit verschoben werden, so dass Gerhard Horlacher die Aufgabe zunächst kommissarisch übernehmen wird. Aber eine Abstimmung in anderer Sache erfolgte trotzdem. Noch 2017 soll von der Stadt eine zeitgemäße Einsatzkleidung mit integriertem Brustgurtsystem angeschafft werden, wobei sich die Kameraden mehrheitlich durch Handzeichen für rote Hosen aussprachen.

Bürgermeister Frank Zimmermann machte die spürbare Aufbruchsstimmung nach dem Strukturwechsel am 1. Juli zum Thema. „Die Chancen überwiegen die Risiken“, stellte er in seinen Erläuterungen fest und dankte für das große ehrenamtliche Engagement und die Führungsverantwortung in den einzelnen Abteilungen. Die Stadt will sich deshalb neben den vordringlichen Investitionen für die neue Einsatzkleidung auch in weiteren Bereichen durch die Finanzierung von Maschinen, Pumpen und Messgeräten einbringen. Der Umbau der Feuerwache Bahnhofstraße soll jetzt rasch vorangetrieben werden. Zimmermann erinnerte in seiner Ansprache auch an den verstorbenen Hans König, dem als Bürgermeister zwischen 1966 und 1986 die Sicherheit der Menschen in der Region eine Herzensangelegenheit war.

Kreisbrandmeister Werner Vogel zeigte sich über die gute Tagesausrückefähigkeit der Gaildorfer sehr erfreut, zumal er feststellte, dass das „System Freiwillige Feuerwehr“ gefährdet ist. Er mahnte deshalb, dass der Staat mehr für den Erhalt dieses Ehrenamtes tun müsse. Vogel nahm auch die Ehrung langjähriger Aktiver vor. Befördert wurden Felix Schmelzle zum Oberfeuerwehrmann, Klaus Sauerteig zum Löschmeister, Christian Kümmerer und Markus Mayer jeweils zum Hauptlöschmeister.

Reform Kreisfeuerwehrverbandsvorsitzender Alfred Fetzer informierte in der Hauptversammlung, dass der Gemeinde- und Städtetag dem Vorschlag des Landesfeuerwehrverbands zur Anpassung der Entschädigungssätze für die ehrenamtlich tätigen Feuerwehrleute zugestimmt hat. In der Folge dürften demnächst die Satzungen in den Kommunen angepasst werden.

Festakt Bereits am 25. Juli findet die Einweihung der neuen Landesfeuerwehrschule statt. Außerdem wird es demnächst eine Landes-Auszeichnung für 15 Jahre aktiven Feuerwehrdienst mit einem Ehrenkreuz in Bronze geben.

Bilanz Im zurückliegenden Jahr war die Feuerwehr im gesamten Landkreis Schwäbisch Hall vielfach gefordert. Es mussten 1654 Einsätze bewältigt werden, was im Vergleich zum Vorjahr einem Zuwachs von zehn Prozent entspricht.

Statistik Im Vorjahr waren im Haller Kreisgebiet 3034 aktive Personen in 80 Einsatzabteilungen der Freiwilligen Feuerwehr tätig. 614 Jugendliche und 164 Kinder lassen auf eine gute Nachwuchssituation hoffen. kol

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