Nach 400 Jahren der erste Neubau

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    Die Christuskirche in Bühlertann: Vor 50 Jahren wurde mit dem Bau begonnen.
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    Blick ins Innere der Kirche, die gemäß einer Umfrage den Namen "Christuskirche" erhielt. Zur Debatte stand auch "Paul Gerhardt Kirche". Fotos: Andreas Balko
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Die Christuskirche in Bühlertann war seit 400 Jahren das erste Gotteshaus, das im evangelischen Kirchenbezirk Gaildorf neu errichtet wurde. Dies dokumentiert den Versuch der zugezogenen evangelischen Christen, in Bühlertann eine geistliche Heimat zu finden. Die Erweiterung der Kirche fast 45 Jahre später war in Zeiten von Kirchenschließungen ein Zeichen gegen den Trend der Zeit.

Bühlertann gehörte geschichtlich nicht zum Gebiet der Limpurger Herrschaft. Durch die Zugehörigkeit zu Ellwangen blieb der Ort auch nach der Reformation katholisch. Weniger als zehn evangelische Familien waren Anfang des 20. Jahrhunderts in Bühlertann wohnhaft. Der Besuch der Schule, des Konfirmandenunterrichts und des Gottesdienstes sowie Taufen, Abendmahlsfeiern, Trauungen oder Beerdigungen waren den evangelischen Christen Bühlertanns viele Jahre lang nur in Obersontheim möglich.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs die Bevölkerung Bühlertanns rasch an. Die meisten Zugezogenen waren evangelisch und vielfach Menschen, die durch den Krieg ihre Heimat verloren hatten. Hat-ten 1939 nur 90 Evangelische in Bühlertann gelebt, so waren es 1959 bereits 305.

Den Neubürgern fehlte jedoch die traditionelle Bindung an den Kirchort Obersontheim. Zum anderen hatte man das Gefühl, als Filialge-meinde Obersontheims ein Anhängsel zu sein. So strebten die evangelischen Christen in Bühlertann nach mehr Eigenständigkeit.

Bibelstunden wurden seit 1955 an jedem ersten Freitag im Monat zunächst im Gasthof "Bären" und später im katholischen Jugendheim abgehalten. Seit Sommer 1957 fand an jedem vierten Sonntag im Monat - mit Ausnahme der kältesten Monate - ein evangelischer Gottesdienst in der St.-Gangolf-Kapelle statt.

Der nächste Schritt, der vom damaligen Bürgermeister Emil Burger unterstützt wurde, war die Planung einer eigenen evangelischen Kirche. Zu diesem Zweck erhielt die evangelische Kirchengemeinde von der bürgerlichen Gemeinde Bühlertann 1958 ein Grundstück ge-schenkt, das von der Kirchengemeinde mit einem Aufpreis gegen den eigentlichen Bauplatz getauscht wurde.

Nach der Grundsteinlegung am 18. Oktober 1964 konnte die von Ar-chitekt Pramor geplante Kirche am 17. Oktober 1965 eingeweiht wer-den. Das Gebäude bestand aus einem kleinen Kirchenraum mit etwa 75 Sitzplätzen, einem hinzufügbaren Mehrzweckraum mit 20 Plätzen an Tischen und einem Glockenturm. Die beiden Glocken, die auf das Geläute der katholischen St.- Georgs-Kirche abgestimmt sind, wurden von der bürgerlichen Gemeinde gestiftet und am 5. Oktober 1965 feierlich übergeben. 1967 erhielt die Kirche einen Taufstein und 1990 eine kleine Pfeifenorgel.

Als Namen für die neu erbaute Kirche standen im Kirchengemeinderat "Paul Gerhardt Kirche" oder "Christuskirche" zur Auswahl. In einer Befragung entschieden sich die abstimmungsberechtigten über 21-jährigen Gottesdienstbesucher für den Namen "Christuskirche".

Der zunächst 14-täglich gefeierte Sonntagsgottesdienst fand von 1968 an wöchentlich statt und wurde abwechselnd von den Pfarrerinnen und Pfarrern aus Obersontheim, Untersontheim und Geifertshofen gehalten. Seit 1985 ist der Predigtauftrag ganz dem Pfarramt Obersontheim übertragen.

Das starke Bevölkerungswachstum der bürgerlichen Gemeinde Bühlertann seit den 1990er-Jahren führte schließlich dazu, dass sich auch die Zahl der Evangelischen in Bühlertann von 400 im Jahr 1983 auf 979 im Jahr 2003 erhöht hat. Deshalb wurde eine Erweiterung des Kirchbaus nötig.

Architekt Burk aus Crailsheim wurde mit der Planung beauftragt. Im Jahr 2008 wurde die Christuskirche zum Gemeindezentrum ausgebaut. Viel Eigenleistung und ehrenamtliches Engagement sind dabei eingebracht worden. Am Ostermontag 2009 wurde der Bau mit einem ökumenischen Festgottesdienst eingeweiht.

Fast 45 Jahre nach der Einweihung stellte die Erweiterung ein Zeichen gegen den Trend in der Geschichte der Evangelischen Landeskirche dar. Diese unterstützte zu dieser Zeit eigentlich keine Neubauten mehr. Mancherorts wurde über Kirchenschließungen nachgedacht. Von Anfang an wurde jedoch auch von der Kirchenleitung die Notwendigkeit einer Erweiterung in Bühlertann gesehen.

Die Christuskirche bietet heute Platz für ein vielfältiges Gemeindeleben. Das Konzept der Mehrfachnutzung durch eine Schiebewand, die Gemeinderaum und Kirchenraum trennt, hat sich bewährt. Kirchenraum und angrenzender Gemeinderaum bieten bei loser Bestuhlung zusammen mehr als 200 Personen Platz. Zusätzlich kann der Gottesdienst mit Bild und Ton in den Jugendraum im Untergeschoss übertragen werden, wo zum Beispiel Eltern mit ihren Kleinkindern den Gottesdienst mitfeiern könnten. Gleichzeitig kann die Kinderkirche im angrenzenden Gemeinderaum im Erdgeschoss stattfinden. Bühlertann mit den Orten Fronrot und Hettensberg zählt heute 1000 evangelische Christen, fast so viele wie Obersontheim, das 1300 evangelische Gemeindeglieder aufweisen kann.

Sommerserie

Während der Sommerferien wird die Redaktion - jeweils samstags - die 2012 begonnene und 2013 erweiterte Serie über Kirchen im Limpurger Land fortsetzen. Heute berichten wir über die Christuskirche in Bühlertann. Zum Abschluss unserer diesjährigen Serie geht es nach Untergröningen (13. September).

SWP

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