Musikalisches Verschmelzen

Zwei Stunden Jazz am Stück bot das Dave Holland Trio am Samstagabend in der Gschwender Gemeindehalle vor rund 250 am Ende völlig begeisterten Zuhörern.

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Auf ihrer Europatournee zwischen Bari und Budapest machte das Dave Holland Trio am Samstag in der Gschwender Gemeindehalle Station. Das Konzert wurde zum Höhepunkt der Jazzreihe in der aktuellen Musikwintersaison.  Foto: 

Seit etwa zwei Jahren spielt dieses Trio mit dem Bassisten Dave Holland, dem Gitarristen Kevin Eubanks und dem Drummer Obed Calvaire schon zusammen. Im Februar 2016 berichtete „The New York Times“ von einem der ersten Konzerte, damals im „Village Vanguard“. Allerdings hielt man da schon fest, dass Holland und Eubanks bereits in den späten 1980er-Jahren viel zusammen gespielt hatten, bevor Eubanks Gitarrist der Band der „Tonight Show with Jay Leno“ wurde. Und dass die beiden Musiker sich bestens kennen, das merkte man auch beim Konzert in Gschwend, dem Höhepunkt der Jazzreihe des Musikwinters in dieser Saison.

Zu großer musikalischer Vertrautheit hatte sicherlich auch die Europatournee geführt, auf der sich das Trio seit dem 12. November befand und die am 4. Dezember in Budapest endete. Zwischen Amsterdam und Bari stand Gschwend auf der Liste. Das hieß keineswegs, dass dem Auftritt weniger Aufmerksamkeit zugemessen wurde.

Zwei Stunden Sound

Im Gegenteil: Konzentriertes Musizieren machte die zwei Stunden ununterbrochenen Spiels aus. Sechs Stücke und eine Zugabe umfasste der Klangmarathon, der mit „Confirmation Bias“ eröffnet wurde. Holland eröffnete solistisch zart tastend auf den Saiten seines Kontrabasses. Eine ganze Zeit lang blieb die Musik in der Schwebe, ehe Groove sich ausbreitete und Eubanks auf der E-Gitarre Druck mit Anklängen an Bluesrock machte.

Eubanks befreite sich dabei kaum aus seiner um sein Instrument gekrümmte Haltung. So extrovertiert die musikalische Aussage und der aufjaulende Ton auch sein mochten, so sehr blieb er seinem Instrument doch zugewandt. Sowohl er als auch Holland und Calvaire hörten aber umso konzentrierter aufeinander. Oft war das durch ein Ineinandergreifen bestimmt, wenn etwa Eubanks sanft Hollandsche Töne auffing oder der ausgesprochen feinsinnig agierende Calvaire mit einem zurückhaltenden Holzblock-Schlag Hollands Spiel perfekt ergänzte.

Selbst bei explosiven Ausbrüchen wie zu Calvaires „God’s Gift“, in dem sich der Drummer vor allem im Wechselspiel mit Eubanks hochschaukelte, verharrte die Musik in geordneten Bahnen. Calvaire sah sich mehr als Diener des Sounds und nicht als selbstherrlicher Trommeljongleur. Dem entsprachen auch seine Mitmusiker. Dave Holland steht sowieso für Klangkultur. In diesem Konzert machte er noch einmal klar, dass er sich als Bassist nicht für melodisches Geplänkel hergibt. Vielmehr verstand er sich als Pulsgeber, der den Beat aus der Melodie entwickelte und zum Drive werden ließ. Und Eubanks? Wenn er nicht gerade in virtuoses Fingerspiel vertieft war, bei dem man oft einen Knoten als Folge der schnellen Figurationen befürchten musste, frönte er dem Blues, zuletzt mit dem Zugabestück, dem von ihm stammenden „The Dirty Monk“ mit finalem Saitenglühen.

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