Mehr Raum für den Rappenhof

Der Gschwender Rappenhof soll sich weiter entwickeln und wachsen. Der Gschwender Gemeinderat schaffte dazu die planungsrechtlichen Grundlagen.

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„CircArtive“ bietet auf dem Gschwender Rappenhof regelmäßig Zirkusfreizeiten an. Im Jahr 2017 werden unter anderem 123 Kinder im Alter von 8 bis 14 Jahren aus sozial benachteiligten oder finanzschwachen Familien für eine Woche untergebracht und betreut.  Foto: 

Es war die letzte öffentliche Gemeinderatssitzung unter Leitung von Bürgermeisterin Rosalinde Kottmann und dafür wurde ein besonderer Platz gewählt. Mitten im Wald, im Schulungsraum des Forststützpunkts Hohenohl, hatten Besucher und  Mitglieder des Gremiums nicht nur ausreichend Platz zur Verfügung, sondern durch große Panoramafenster einen landschaftlich reizvollen Ausblick.

Reizvoll gelegen ist auch der Rappenhof, der vom Verein JuKi als Ferienhaussiedlung mit Verwaltungs- und Wohngebäuden, Stall und Seminarhaus betrieben wird. Erlebnispädagogik, Circusfreizeiten und Artistenschule bekamen im Jahr 2013 mit dem Neubau eines festen Zirkuszelts neue Möglichkeiten. Diesen Bau ließ der Bebauungsplan „gerade noch so gelten“, wie sich Bürgermeisterin Kottmann ausdrückte. Aus diesem Grund bekam der Verein JuKi den Auftrag von Seiten der Gemeinde, die Bauvorhaben der kommenden Jahre in einer Planung darzustellen.

Claus Wolf vom Büro LK&P stellte für JuKi den Entwurf des Bebauungsplans „Rappenhof“ vor  und ging zunächst auf die Historie ein, nach der sich der Rappenhof aus zwei ehemaligen Höfen zum Freizeitheim entwickelt hat.

Unbestritten sei, dass der Verein JuKi, der den Rappenhof 1998 übernahm, Entwicklungspotenzial habe. Das gilt auch für das Areal. Vorgesehen sei die Neuerstellung von zehn im Jahr 1965 erbauten Ferienhäusern. Außerdem ist ein neues Sanitärgebäude geplant, ein Schülerwohnheim und eventuell eine Reithalle mit den Maßen 20 auf 30 Meter. In einiger Entfernung soll östlich der Gemeindeverbindungsstraße darüber hinaus ein Wohnhaus für Mitarbeiter errichtet werden.

Im zehn Jahre alten Flächennutzungsplan sei der Rappenhof mit  2,43 Hektar Fläche als Sondergebiet ausgewiesen, nach der Erweiterung betrage die Gesamtfläche 3,93 Hektar, so Wolf. Das Gebiet grenze an Schutzgebiete. Das wurde in der aktuellen Planung berücksichtigt.Insgesamt umfasst der Bebauungsplan 12,56 Hektar Fläche. Durch die Erweiterung ergibt sich auch die Änderung des Flächennutzungsplans. Details wie etwa Parkplätze würden später im Baugenehmigungsverfahren geklärt. Grundsätzlich begrüßte der Gschwender Gemeinderat die Bauvorhaben und damit die Anpassung an moderne Verhältnisse, welche ohne Kosten für die Gemeinde umgesetzt werden.

Die Bedenken von Gemeinderat Andreas Joos, der die Position des Mitarbeiterhauses als zu weit entfernt vom Gesamtensemble betrachtete, teilten viele seiner Ratskollegen. Mit Einverständnis des Gemeinderats erteilte Bürgermeisterin Kottmann JuKi-Geschäftsführer Sven Alb das Wort.

Dieser berichtete, dass mehr als 4000 Kinder und Jugendliche jährlich den Rappenhof besuchen. Für die Betreuer bestehe eine Residenzpflicht. Allerdings wünschten sich diese auch einen gewissen Schutz der Privatsphäre. Aus diesem Grund sei das Mitarbeiterwohnhaus in einiger Entfernung zum Hof geplant worden. Weiter gab Alb zur Auskunft, dass im Jahr 2017 mit dem Bau von zunächst fünf Ferienhäusern begonnen werde. Da aber alle Investitionen auf Spendenbasis erfolgen, würden die Planungen erst nach und nach umgesetzt werden können.

Notwendig sei im kommenden Jahr auch der Bau eines Sanitärgebäudes, das alleine schon 670 000 Euro Kosten verursache. Die Gemeinderäte stimmten für die Änderung des Flächennutzungsplans, akzeptierten den Geltungsbereich allerdings nicht und begrenzten diesen an der Straße, die mit dem Bebauungsplan  in östlicher Richtung nicht überquert werden soll.

Der Rappenhof und seine Geschichte

Historie Der Rappenhof und Rappenbühl, früher ein eigenständiges Anwesen, gehörten zur Herrschaft Limpurg-Sontheim-Gaildorf., Pückler’sches Landamt. Beide zählten ehemals zur Gemeinde Frickenhofen im Oberamt Gaildorf, später Kreis Backnang. Über dem Kellereingang im ehemaligen Wohnhaus des Bauernhofs steht: „1815 Anna Maria Wahlin“. Heinrich Wahl, Sohn von Bauer Michael Wahl und seiner Ehefrau Katharina, geb. Bareis, verkauft den Rappenhof einschließlich Rappenbühl mit insgesamt 72 Morgen zum 1.4.1911 an Heinrich Pfister, Kaufmann aus Gschwend.

1925 erwirbt der Kriegerdankbund Süddeutschland den Rappenhof und betreut in einem Neubau Schwerstversehrte aus dem 1. Weltkrieg.

Die Karlshöhe Ludwigsburg übernimmt 1925 die Gebäude und die Betreuung der Versehrten und betreibt gleichzeitig ein einfaches Erholungsheim. 1965 erstellt die Karlshöhe zehn Familien-Ferienhäuser.

Nicht nur Natur und Verköstigung, sondern vor allem Betreuung, Kinderprogramme, Workshops und kulturelle Angebote tragen zur Erholung bei. Letztere sowie die die jährlichen Kunstausstellungen werden auch von der Bevölkerung gerne angenommen.

Der Rappenhof wird gemeinnützige Familien-Ferienstätte im Diakonischen Werk der EKD. 2002 verkauft die Karlshöhe den Rappenhof an JuKi.

Herbert Braitmayer Heimatbuch Gschwend

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