Märchenhaft lyrische Klangideen

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Urs Läpple am Violoncello und die Pianistin Moira Muschalla haben ihrem Publikum im Heinrich-von-Zügel ein interessantes musikalisches Erlebnis beschert. Der Premiere des Duo-Abends darf gerne eine Wiederholung folgen.  Foto: 

Mit nuancen- und klangfarbenreichen Kompositionen für Violoncello und Klavier aus Romantik und Spätromantik nahmen der Cellist Urs Läpple und die Pianistin Moira Muschalla ihre zahlreichen Zuhörer in Murrhardt mit auf eine musikalische Reise von Frankreich über Deutschland nach Russland.

Bei ihrem ersten gemeinsamen Konzert in der Walterichstadt sorgten die beiden Musiker und Musikpädagogen für vollendete Hörgenüsse. Im Heinrich-von-Zügel-Saal führten sie abwechselnd durchs Programm mit kurzen, aufschlussreichen Charakterisierungen der vorgetragenen Werke.

Aus einer enormen Vielfalt fein ausbalancierter musikalischer Ideen und Gedanken, unterschiedlicher Emotionen und Stimmungen schuf Johannes Brahms (1833 bis 1897) in mehrjähriger intensiver Arbeit die Sonate e-Moll, Opus 38. Im ersten Satz „Allegro non troppo“ kommt der wunderbar warme und elegante Klang des Violoncellos in voller Schönheit zur Entfaltung. In feinsinnigem, präzise aufeinander abgestimmtem Zusammenwirken gestalteten Läpple und Muschalla die nuancenreichen Melodiebögen und Kantilenen, filigranen und monumentalen Figurationen.

Filigran und eindrucksvoll

Viel Vergnügen bereiteten drei fantasievoll ausgearbeitete Stücke der französischen Komponistin Nadia Boulanger (1887 bis 1979). Im „Moderato“ erzeugte das Violoncello mit reizvoller Melodik eine verträumte Atmosphäre, untermalt von filigranen Glockenspiel-Figuren des Klaviers. In „Ohne Schnelligkeit und vertraut“ entfaltete sich ein Kanon mit verspielten Klangbildern.

Von Robert Schumann (1810 bis 1856) präsentierten der Cellist und die Pianistin, die auch eine ausgezeichnete Korrepetitorin ist, die ersten vier „Stücke im Volkston“. „Schumann wollte Musik für das Volk schreiben“, erklärte Urs Läpple dazu, und er habe diese Miniaturen selbst als „duftende Blumen“ bezeichnet. Darin verarbeitete der große Romantiker teilweise Melodien und Motive nordischer Folklore. „Mit Humor“ kam erst etwas schwermütig, dann heiter und tänzerisch beschwingt zur Geltung. In „Langsam“ entfaltete sich eine zauberhafte Kantilene, die das Duo mit viel Gefühl gestaltete. Sergej Prokofjew (1891 bis 1953) widmete die Sonate C-Dur (Opus 119), ein Spätwerk, dem berühmten Cellisten Mstislaw Rostropowitsch (1927 bis 2007). Sie wies zum Teil volkstümlich klingende Phrasen, moderne Elemente sowie virtuose Effekte vor allem in der Violoncello-Partie auf. Dabei strich, zupfte und schlug Urs Läpple die Saiten mit und ohne Bogen auf unterschiedliche Weise. Im ersten Satz Andante grave klang das Violoncello erst wie ein russischer Bass, dann entwickelte sich eine anmutige, lyrische Melodie.

Märchenhaft romantische Momente, humorvolle, an Kinderlieder erinnernde Motive, aber auch groteske Passagen mit Effekten, die an Schlagwerke erinnerten, machten den zweiten Satz zu einem vielschichtigen Spektakel. Im dritten Satz entwickelten sich aus mysteriös wirkenden, schwerelos schwebenden Klängen schwungvolle Harmonien und ein monumentaler Schluss wie das imposante Glockengeläut einer Kathedrale.

Mit tosendem Beifall dankte das begeisterte Publikum Urs Läpple und Moira Muschalla für ihre grandiosen Darbietungen. So bereicherten sie das Programm noch um eine zum ersten Advent passende Zugabe: zwölf Variationen von Ludwig van Beethoven (1770 bis 1827) über ein Thema aus dem Oratorium „Judas Makkabäus“ von Georg Friedrich Händel (1685 bis 1759). Im 19. Jahrhundert wurde es mit dem Text von Friedrich Heinrich Ranke zum festlichen Adventslied „Tochter Zion, freue dich“.

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