Leuchtende Klänge

Eine Perle der Kammermusik präsentierten die Gaildorfer Schlosskonzerte am vergangenen Samstag im Wurmbrandsaal im alten Schloss. Das Karlsruher Konzert-Duo spielte Werke der Romantik.

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Das Karlsruher Konzert Duo - Reinhard Armleder und Dagmar Hartmann - bot im Wurmbrandsaal Kammermusik auf höchstem Niveau. Foto: Peter Stadler

Den Cellisten Reinhard Armleder und die Pianistin Dagmar Hartmann als einen Höhepunkt der Gaildorfer Schlosskonzerte anzukündigen, war nicht zu viel versprochen. Die unter dem spröden Namen Karlsruher Konzert-Duo auftretenden Künstler boten Kammermusik auf höchstem Niveau.

Mit Robert Schumanns Fantasiestücken Op. 73 begann der erste Teil des Abends, der ganz der romantischen Celloliteratur gewidmet war. Das Duo überzeugte von Anfang an mit genauestem Zusammenspiel und abwechslungsreichen Ausdrucksmitteln, ganz gemäß den Satzüberschriften "Zart und mit Ausdruck", "Lebhaft, leicht" "Rasch und mit Feuer". Besonders der schnelle Wechsel zwischen vorwärtsdrängenden und ganz zurückgenommenen Passagen beeindruckte.

Im "Lied ohne Worte" (Op. 109) von Felix Mendelssohn-Bartholdy konnte das Cello vor allem in zarten Tönen glänzen, Reinhard Armleder entlockte seinem Instrument mit ruhiger Bogenhand einen wunderbar hellen, leicht sandigen Ton. Sein in Freiburg von Ersen Aycan gefertigtes Cello, ein neues Instrument von gerade mal vier Jahren, entfaltet sowohl in der Höhe eine angenehme Wärme als auch einen runden sonoren Klang in der Tiefe.

Antonin Dvoràks Rondo Op. 97 entführte die Hörer musikalisch aus den dicken Gaildorfer Schlossmauern in ungarische Gefilde mit tänzerischen Rhythmen und leidenschaftlichen Passagen. Virtuos und fast gläsern gestaltete Dagmar Hartmann ihren Part des Rondos, das mit schwungvollen Pizzicati des Violoncellos endete. Arpeggien und Läufe bis kurz vor das Ende des Griffbretts fordert das Allegro Appassionato Op. 43 von Camille Saint-Saens dem Cellisten ab.

In einer Transkription des spanischen Cellisten Gaspar Cassado spielten die Karlsruher nun den bekannten "Liebestraum" von Franz Liszt (nach den Gedicht "O lieb, so lang du lieben kannst" von Ferdinand Freiligrath). Zu den großen, mit viel Ruhe vorgetragenen Melodiebögen steuerte das Klavier leuchtende Arpeggien bei. Brillieren konnten die beiden schließlich auch in Frédéric Chopins Polonaise brillante C-Dur Op. 3. Hier konnte Dagmar Hartmann frei aufspielen und mit den typisch Chopinschen Kaskaden glänzen. Fürs Umblättern war nun keine Zeit mehr, dafür gabs kundige Unterstützung.

Die klangliche Mischung scheint dem Pianisten Chopin nicht recht gelungen zu sein, am besten passen noch die Pizzicati zum konzertierenden Klavier. Mit einem furios endenden Allegro "alla polacca" entließ das Karlsruher Konzertduo sein beeindrucktes Publikum in die Pause.

Im zweiten Teil präsentierten die beiden Künstler spanische Werke der Spätromantik: Enrique Granados Danza Espanola Nr. 5, Andaluza, entführte in südlichere Klangwelten. Granados, der 1916 unter tragischen Umständen im Ärmelkanal ertrank, gilt zusammen mit Isaac Albéniz und Manuel de Falla als Erneuerer der spanischen Musik im 19. und 20. Jahrhundert.

Von Albeniz erklang der Tango aus "Espana"Op. 165, den die beiden Musiker wieder genau und unprätentiös musizierten. De Fallas "La vida breve: Primavera danza espanola" ließ den spanischen Stierkampf geradezu vor dem inneren Auge erscheinen.

Auch ein Stück von Maurice Ravel, selbst zwar Franzose, aber immerhin mit einer Spanierin verheiratet, reihte das Karlsruher KonzertDuo in den Reigen ein: "Pièce en Forme de Habanera". Unter den gestrengen Augen von Karl II. und Maria von Limpurg-Schmiedelfeld, geborene Castell-Rüdenhausen, wirbelte da kurz einmal Bizets Carmen durch den Raum.

Den grandiosen Schluss machte Le Grand Tango von Astor Piazzolla, ein Stück, das original für Cello und Klavier komponiert ist und bei dem das Karlsruher Duo noch einmal alle Register seines Könnens zog. Das begeisterte Publikum erkämpfte sich danach immerhin noch eine Zugabe: den Schwan von Camille Saint-Saens - perfekt musiziert und nach den wilden Klängen von Piazzolla Balsam für die Ohren.

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