Kraftpaket mit ungeahnten Qualitäten

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Klaus Auerbach (links), Ursula Groh und Udo Hauenstein präsentierten geschmackvolle Geschichten und Blues.  Foto: 

Im Schenkensaal der Galerie im Alten Schloss der IG Kunst begrüßt Verena Geiger die Gäste mit verheißungsvollem Unterton. Sie weist schon einmal auf das geschmackvoll angerichtete Pausen-Büfett hin. Ursula Groh, die bereits in der Vergangenheit wiederholt im Alten Schloss zu hören war, hat sich diesmal dem erzählerischen „Essen und Trinken“ zugewandt, dazu Klaus Auerbach als Co-Erzähler und den Backnanger Gitarristen Udo Hauenstein mit ins Boot geholt.

Würze für die Ohren

Die dreifache Kombination erweist sich als ein ideales Kraftpaket mit ungeahnten Qualitäten. Geschichten übers Essen und Trinken gibt es viele. Eine intelligente Auswahl braucht Fingerspitzengefühl. „Mir muss eine Geschichte schmecken“, löst Ursula Groh das heikle Geschmacksrätsel. Wenn ein Text nicht die geeignete „Würze für die Ohren“ hat, lässt sie ihn links liegen.

Insgesamt sieben Erzählungen hat sie zusammen mit Klaus Auerbach ausgesucht. Und nicht wenige haben einen Hang ins Makabere, auch wenn sie gut ausgehen. Der Bräutigam jener „Braut, die von Luft lebte“ geht am Schluss in die ewigen Jagdgründe ein und der „Räuberbräutigam“, den Klaus Auerbach mit beschwörendem Unterton vorstellt, ist ein Kannibale.

Zum Glück ist da noch der vorzügliche Blues-Gitarrist Udo Hauenstein. Er singt zwischendurch zwar auch nur vom Brummschädel nach übermäßigem Alkohol-Konsum wie in „Mounted Milk“ von Robert Johnson, aber das lockert dann vor der nächsten Geschichte über den giftigen japanischen Kugelfisch doch etwas auf. Hauenstein entwickelt mit seiner ungewöhnlichen Dobro-Metallgitarre und seinen ­Blues-Interpretationen eine bemerkenswerte Atmosphäre. Unplugged und mit einem guten Swing in der Stimme macht er den Blues zu dem, was er sein soll: statisch und stimmungsbeladen. Selbst beim „Cakewalk-Blues“ oder dem fetzigen „Jambalaya“ findet er zwischen den sehr dynamischen Geschichten einen guten Kontrast.

Überhaupt ist die Stimmung an diesem Abend bezaubernd. Neben dem zugemauerten Ofen unter der alten Stuckdecke stehen nur eine weiße Quadersäule mit Kerzen und Blumenschale sowie ein Notenständer als Lesepult. Mehr nicht. Der Dielenboden knarzt das Übrige. Ursula Groh hat einen fröhlichen, melodiösen Erzählstil, der gut artikuliert ist und vom vielfältigen, lebhaften Gestus der Sprecherin lebt. Ihre Hände deuten oder weisen ab, sind gefaltet oder begleiten knetend ein Problem. Selbst die Fußstellung übernimmt situativ bedingte Aufgaben. Das Erzählen macht ihr sichtlich Spaß. Aber Klaus Auerbach erzählt auch gerne. Seine sonore Stimme mit dem oft ironischen Unterton ist ein angenehmer Kontrapunkt zum hellen Sopran seiner kongenialen Partnerin.

Mit dem langen Schlussapplaus fällt dann die entscheidende Bemerkung von Ursula Groh: „Ich habe nicht vor, hier wegzuziehen.“ Es ist deshalb zu hoffen, dass das musikalisch-literarische Dreigespann im nächsten Jahr wieder bei einer Lesung im Alten Schloss zu hören ist.

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