Kommentar zur Bundestagswahl: Unbequeme Fragen

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Jochen Höneß  Foto: 

Man mag den Bundestagswahlkampf streckenweise als langweilig empfunden haben – das Ergebnis ist es sicher nicht. Die CDU im Bund kann sich ebenso wenig als Sieger fühlen wie Christian von Stetten im hiesigen Wahlkreis. Es überrascht nicht, dass der Christdemokrat erneut das Direktmandat im Wahlkreis Hall-Hohenlohe geholt hat. Umso bemerkenswerter ist jedoch das „Wie“: Er musste in manchen Gemeinden geradezu spektakuläre Verluste hinnehmen. In Gaildorf gaben vor vier Jahren noch 51,8 Prozent der Wähler Christian von Stetten die Erststimme. Gestern waren es nur noch 37,9 Prozent – ein Rückgang um fast 14 Prozentpunkte. Blickt man nach Fichtenberg, Sulzbach-Laufen und Oberrot, zeigt sich ein ganz ähnliches Bild.

Nun wäre es unfair, die Erststimmen-Ergebnisse allein mit der Person zu verknüpfen, deren Name auf dem Wahlzettel steht. Sicherlich spielt der Bundestrend mit rein. Doch müssen sich sowohl Christian von Stetten als auch Annette Sawade die Frage gefallen lassen, wieso Christ- und Sozialdemokraten auch im Wahlkreis Hall-Hohenlohe derart viele Wähler an eine rechtspopulistische Partei verlieren, dass es zu solch massiven Verschiebungen kommt. Denn nichts anderes ist geschehen: Stefan Thien holt für die AfD aus dem Stand 13,5 Prozent der Erststimmen; bei den Zweitstimmen landet die selbsternannte Alternative mit 14,6 Prozent wie im Bund auf dem dritten Rang – gerade einmal 1,6 Prozentpunkte hinter dem Zweitstimmenergebnis der SPD in Hall-Hohenlohe.

Das ist weder schön- noch kleinzureden, sondern ernst zu nehmen. Zehntausende Menschen haben hier bei der AfD ihr Kreuz gemacht. Diese Menschen sind offenkundig mit dem, was die etablierten Parteien anbieten, äußerst unzufrieden. Sonst würden sie nicht einer Partei ihre Stimme geben, in der landauf, landab immer wieder Mitglieder durch verbale Entgleisungen, fremdenfeindliche Parolen und das Schüren diffuser Ängste auffallen. Angela Merkel hat kurz nach Bekanntwerden der ersten Hochrechnungen erklärt, sie wolle die an die AfD verloren gegangenen Wähler zurückgewinnen. Dies wird nun auch die Mission der heimischen CDU- und SPD-Vertreter sein.

Ein anderes Bild zeigt sich beim Blick auf das Ergebnis von Grünen und FDP: Harald Ebner konnte quasi durch die Bank hinzugewinnen, hat mit einer klar definierten umweltpolitischen Agenda offenbar viele überzeugt. Und Valentin Abel hat es geschafft, das Wiedererstarken der Freien Demokraten mit einer jugendlich-frischen Attitüde auch in den hiesigen Wahlkreis zu tragen. Die Linke verbleibt mit ihrem Kandidaten Kai Bock im Bereich von fünf Prozent.

Im Bund stellen sich nun neue Fragen: Wie geht man mit der AfD um, die die drittstärkste Fraktion im Parlament bilden wird? Unter welchen Bedingungen kann eine Jamaika-Koalition zustande kommen? Nein, langweilig wird es auf absehbare Zeit nicht werden im politischen Berlin. Zumindest in den ersten Wochen werden auch die Bürgerinnen und Bürger mit großer Aufmerksamkeit verfolgen, wie die Parteien, Abgeordneten und Kandidaten mit dem Wahlergebnis umgehen.

Diese Aufmerksamkeit sollten gerade die so genannten großen Volksparteien nutzen, um den Menschen klipp und klar zu sagen, wofür sie stehen, was sie mit den politischen Mitbewerbern eint und was sie voneinander unterscheidet. Gelingt dies nicht, wird das Desinteresse wieder zunehmen, was wiederum den Nährboden für Populismus und im schlimmsten Fall Radikalismus schafft. Dies zu verhindern wird die vielleicht wichtigste Aufgabe der kommenden Legislaturperiode sein. Diese Aufgabe müssen alle demokratisch handelnden Parteien gleichermaßen schultern.

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Kommentare

26.09.2017 10:17 Uhr

Schlaue Worte Jochen Höneß / RUNDSCHAU

Toller Kommentar, und wann kommen die relevanten Fragen zu Gaildorf, Stadtverwaltung Gaildorf und die Fakten und Themen die den Fortgang in Gaildorf bestimmen werden?

Betrug und Skandal bei unserem Naturstromspeicher? (Was macht unsere SV eigentlich noch?)
Was sind die positive Optionen zu Umgehungsstraße? (Was macht unsere SV eigentlich noch?)
Stadtentwicklung? (Was macht unsere SV eigentlich noch?)
Ziele und priorisierte Vorhabensliste für Gaildorf? (Was macht unsere SV eigentlich noch?)

Erreichen wir mit Zimmermann eine funktionierende Stadtverwaltung (... einen NATURSTROMSPEICHER, eine optimal geplante Umgehungsstraße, eine Stadtentwicklung, ...)?

Was richten Ebner, Niemann, GRÜNE und NABU mit BÖGL-Gaildorf, und betrügerischen geheimen Baufreigaben, -denn wirklich an? Wo ist der innovative NATURSTROMSPEICHER, der in Gaildorf mit transparenten Verhandlungen Grundstücke erhalten sollte? Die schlichte Realität ist doch, das außer Täuschungen (die über die RUNDSCHAU verbreitet wurden), nicht einmal zu irgend etwas ein Bauantrag oder nur die relevanten Voruntersuchungen zu den großen Sprüchen vorliegen.

Was ist zu den transparenten Verhandlungen von Zimmermann und Stadtverwaltung mit BÖGL an die Öffentlichkeit in Gaildorf gedrungen, -außer Täuschungen, offenbare Lügen, hinterhältige Geheimnisse und Skandal?

Was wollen Rebel und PÜCKLER-Stiftung, Zimmermann und Stadtverwaltung Gaildorf, auch RUNDSCHAU da noch zu ihrer Verteidigung vortragen?

Die Bundestagswahl 2017 ist die Quittung an Berlin. Die Quittung in Gaildorf wird kommen. In Gaildorf sieht vieles abwegiger und planloser aus, als in Berlin. Doch dazu fällt RUNDSCHAU nie etwas ein, sondern gräbt die Gräben mit Falschberichten, schlechten und manipulierten Recherchen leider eher noch tiefer.

http://GRAUSTROMSPEICHER.kochertal.net
http://NATURSTROMSPEICHER.kochertal.net

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