Kiebitzen bei den Griechen

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  • Eher gelassenes Training der griechischen Nationalmannschaft vor malerischer Kulisse: Alpenpanorama mit dem Wilden Kaiser. Fotos: Reinhold Haring 1/4
    Eher gelassenes Training der griechischen Nationalmannschaft vor malerischer Kulisse: Alpenpanorama mit dem Wilden Kaiser. Fotos: Reinhold Haring
  • Lauschen auf dem Trainingsplatz mehr oder weniger gebannt den Erklärungen ihres Co-Trainers: Die griechischen Nationalspieler, darunter auch der Vizekapitän und Europameister Konstantinos Katsouranis (ganz links), mit 91 Länderspielen einer der Routiniers der Mannschaft, und Theofanis Gekas (Zweiter von rechts), der es auf 58 Länderspiele bringt. 2/4
    Lauschen auf dem Trainingsplatz mehr oder weniger gebannt den Erklärungen ihres Co-Trainers: Die griechischen Nationalspieler, darunter auch der Vizekapitän und Europameister Konstantinos Katsouranis (ganz links), mit 91 Länderspielen einer der Routiniers der Mannschaft, und Theofanis Gekas (Zweiter von rechts), der es auf 58 Länderspiele bringt.
  • Griechenlands Cheftrainer Fernando Santos beobachtet konzentriert die Arbeit seiner Spieler auf dem Rasen. 3/4
    Griechenlands Cheftrainer Fernando Santos beobachtet konzentriert die Arbeit seiner Spieler auf dem Rasen.
  • Reinhold Haring berichtet für den "EM-Stammtisch" 4/4
    Reinhold Haring berichtet für den "EM-Stammtisch"
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Obwohl sich das österreichische Nationalteam nicht für die EM 2012 qualifiziert hat, spielt die Alpenrepublik dabei eine wichtige, wenngleich auf den ersten Blick nicht erkennbare Rolle. Insgesamt sechs Mannschaften holten sich dort für die Endrunde die letzte Feinabstimmung.

Kitzbühel in Tirol Ende Mai: Auf der berühmten Streif wachsen und blühen Blumen, an den meisten Eingangstüren der im Winter überlaufenen Bars und Discos hängt das Schild geschlossen, Wanderer beherrschen das Stadtbild. Hie und da zeugt noch ein Plakat davon, dass in der Region über Pfingsten der Cordialcup, eines der größten Turniere für U15-, U13- und U11-Mannschaften mit internationaler Topbesetzung, stattgefunden hat. Aber sonst herrscht, fußballerisch betrachtet, Ruhe in der Heimat des Schlageridols Hansi Hinterseer. Eigentlich, denn auf dem Kitzbüheler Sportplatz erkennt man, nach genauerem Hinschauen, die griechischen Nationalspieler. Sie bereiten sich dort auf die EM vor, die für den Europameister 2004 am heutigen Freitag mit dem Auftaktmatch gegen Polen beginnt. Genauer hinschauen deshalb, weil mit Ausnahme zweier Reporter des lokalen Fernsehens keine Kiebitze das Sportgelände säumen. Dabei sind die Trainingszeiten bekannt, obwohl öffentlich kein Plakat, kein Aushang darauf hinweist. Das Trainingsgelände ist nicht abgesperrt. Man kann ohne Weiteres zu den Spielern und Betreuern gehen, sollte aber Platz machen, wenn die Übungseinheiten vorbereitet werden und die Betreuer gerade ein Tor vorbeitragen.

Es ist 10.30 Uhr, und die Spieler stehen noch scherzend vor der Kabine - dabei war doch um 10 Uhr Trainingsbeginn. Schließlich traben sie langsam auf den Platz. Ihre Gesichter sind kaum bekannt. Mit Ausnahmen: Theofanis Gekas kennt man aus seiner Zeit bei Eintracht Frankfurt, Hertha BSC und Bayer Leverkusen, Kyriakos Papadopoulos gehört zur Stammelf von Schalke 04, und Sokratis spielt beim SV Werder Bremen. Auch José Holebas, der es überraschend in den Kader geschafft hat, ist im angrenzenden Bayern kein Unbekannter: In Aschaffenburg geboren, hat er das Fußballspielen bei Teutonia Obernau, SV Aschaffenburg-Damm und Viktoria Kahl gelernt, bevor er zum TSV 1860 München wechselte. Vor einem Jahr ging er zu Olympiakos Piräus und schaffte dort den Sprung ins Nationalteam . . .

Das Training beginnt mit Kraft- und Antrittsübungen. Trainer Fernando Santos, Portugiese und als Trainer des FC Porto recht erfolgreich, steht am Spielfeldrand und lässt seinen Assistenztrainer mit den Spielern arbeiten. Allerdings beobachtet er sein Team sehr genau, lässt es nicht aus den Augen. Die Spieler sind zwar noch locker, man sieht ihnen aber auch an, dass sie konzentriert arbeiten. Für 18 von ihnen ist es das erste große Turnier.

Es ist eine gute Altersmischung, die hier auf dem Platz steht. Ein Großteil der Kicker hat noch keine 20 Länderspiele absolviert, Kapitän Giorgos Karagounis ist mit seinen 35 Jahren nicht nur ältester Akteur, sondern mit fast 120 internationalen Einsätzen auch der erfahrenste.

Auf dem Nebenplatz absolvieren derweil die Torhüter ihr Trainingsprogramm. Konstantionos Chalkias war bereits bei der EM 2004 als Ersatzkeeper dabei. Michaelis Sifakis und Stammtorhüter Alexandros Tzorvas spulen routiniert ihre Einheit herunter. Wobei sich das Augenmerk bei der EM sicherlich auf Tzorvas richtet. Der Keeper von US Palermo gilt als großer Rückhalt für die Elf, bringt WM-Erfahrung mit. Dies ist wichtig, denn Nationaltrainer Fernando Santos hält es wie sein Vorgänger Otto Rehhagel: Nur kein Gegentor. Wichtigster Bestandteil: die Defensive. Und vorne hofft er auf Tore von Theofanis Gekas.

Für die Spieler folgen nun noch Einheiten mit dem Ball - Spielzüge, Standardsituationen, Zweikampfverhalten, Übungseinheiten wie sie bei jedem Bundesligaclub abgehalten werden. Nichts Überraschendes, nichts Geheimes. Ein Trainingsbetrieb, wie er bei der deutschen Mannschaft nicht abgehalten wird.

Nach gut 90 Minuten ist Schluss: Die Utensilien und Bälle werden eingesammelt und für das 17-Uhr-Training im Geräteraum deponiert. Die Spieler verschwinden in der Kabine und kurz darauf im Bus, der sie ins Hotel zurückbringt . . .

Eigentlich ein Traum für Autogrammsammler - wenn sie da wären und man die Spieler kennen würde. Dann kehrt für einige Stunden auf dem Sportplatz wieder Ruhe ein, die Region ist wieder im Fußballschlaf.

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