Interview: "Höher, weiter, schneller - und auch teurer"

In der ultraleichten Fliegerei hat sich einiges getan. Wie wird sich die Szene weiter entwickeln? Redakteur Peter Lindau sprach mit DULV-Chef Jo Konrad.

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  • DULV-Chef Jo Konrad mit seiner unter anderem für Verkehrszulassungen zuständigen Kollegin Christina Schonert. Der DULV hat seinen Sitz in Großerlach-Morbach. Auf der "Aero" ist der DULV in Halle B4 (Stand 100) zu finden. FotoS: Peter Lindau/pv 1/3
    DULV-Chef Jo Konrad mit seiner unter anderem für Verkehrszulassungen zuständigen Kollegin Christina Schonert. Der DULV hat seinen Sitz in Großerlach-Morbach. Auf der "Aero" ist der DULV in Halle B4 (Stand 100) zu finden. FotoS: Peter Lindau/pv
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Im Gespräch mit dem Fachverband: DULV-Vorsitzender Jo Konrad über die Entwicklung der ultraleichten Fliegerei

Wohin geht die Reise, wie sieht die UL-Fliegerei in 10 Jahren aus?

JO KONRAD: Da ich nicht weiß, wie sich die wirtschaftliche und politische Großwetterlage entwickeln wird, will ich am liebsten die Zukunft aus dem Rückblick skizzieren. In der Fliegerei gibt's den Wahlspruch: Höher, weiter, schneller - hinzufügen kann man den Begriff "teurer". Das deckt sich mit der Vergangenheit. Diese Entwicklung vollzog sich in den letzten 30 Jahren in Wellen und nach verschiedenen Moden und Vorlieben. Am Anfang gab's preiswerte Zwei-Takt-Motoren. Heute dienen teure und große Vier-Takt-Motoren als Antrieb. Anfangs gab's einfache Flieger, heute geht der Trend hin zum komplexen Flugzeug. Nehmen wir die Entwicklung der Zahlen in drei Dekaden: In Deutschland existieren rund 24 000 UL-Lizenzen, es sind aber nicht mehr alle gültig. Das heißt, unterm Strich wurden pro Dekade etwa 8000 UL-Lizenzen ausgestellt. Der Trend ist derzeit schwach abnehmend - eventuell so was wie Marktsättigung. In den ersten zwei Dekaden war der Zuwachs durch "Fußgänger" deutlich. Die letzte Dekade war von Verschiebung von Echo-Klasse-Flugzeugen und klassischen Privatpilotenlizenzen hin zum UL-Fliegen geprägt. Das hat sicher auch den Trend zum komplexen 3-Achs-UL bestärkt. Hier scheint das Reservoir der umstiegswilligen Echo-Klasse-Piloten fast leergeplündert zu sein. Jetzt kommt grad wieder der Trend zum einfachen leichten Luftsportgerät in der 120-Kilogramm-Klasse. Aber bei allem Geschrei ist der Bestand noch zahlenmäßig schwach. Es gilt so ein bisschen: zurück zu den Anfängen.

3-Achs-UL werden komplexer. Welche Politik verfolgt der DULV?

Diesbezüglich haben wir keine Strategie. Das entscheidet der Markt. Wir versuchen nur den damit verbundenen Trend zu komplexerer Bürokratie zu verhindern.

Stichwort europäische Harmonisierung - warum ist UL-Fliegen in Europa so unterschiedlich?

Weil die ULs nicht in der EASA-Basic-Regulation der EU-Verordnung 216/2008 reguliert sind, sondern rein national. Jedes Land kocht sein eigenes Süppchen hinsichtlich Lufttüchtigkeit und Lizenzen. Das ist unter dem Strich ein Segen für die ULs. Alle Europa-Standards sind gut für Konzerne und das Big Business - der kleine Mann oder das kleine Geschäft profitiert eher noch von nationalen oder regionalen Bestimmungen. Kultur, Mentalität und kurze Wege - man kennt sich und versteht sich.

Fachverband

Der DULV (Deutscher Ultraleichtflugverband) mit Sitz in Großerlach-Morbach ist neben dem Deutschen Aeroclub vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Städteplanung beauftragt, die Aufsicht über die gesamten UL-Sparten zu führen. www.dulv.de

Gegründet wurde der DULV 1982 von ein paar Enthusiasten. Wegen der hohen Kosten für das Motorfliegen wurde der Wunsch nach einer freien, einfachen und günstigen Art zu fliegen immer stärker.

Entwicklung: Nachdem sich die Ultraleichtflugzeuge in anderen Ländern bereits etabliert hatten, schwappte die Welle Ende der 1970er Jahre auch nach Deutschland. Vorrangiges Ziel des DULV war, die UL-Fliegerei in Deutschland zu legalisieren, was 1983 auch verwirklicht wurde.

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