Im Kreis geht der Spritklau um

Gelegenheit macht Diebe - und der Preis: Diesel und Benzin kosten derzeit so viel wie nie. Mittlerweile vergeht auch im Kreis Schwäbisch Hall keine Woche ohne nächtlichen Spritklau und Tankbetrug an der Zapfsäule.

|
Werkstattleiter Frank Milläger von der Firma Stegmaier in Crailsheim inspiziert einen Lkw-Tank: Der Laster kann 1300 Liter Diesel bunkern. Foto: Harald Zigan

Die Autokennzeichen sind oft gestohlen, gefälscht oder gut getarnt. Dreiste Nulltarif-Tanker an den Zapfsäulen scheren sich auch keinen Deut darum, dass Videokameras ihr Konterfei im Bild festhalten.

Eine weitere Gattung der Spezies "Spritdieb" braucht Aufnahmen, die zuweilen durchaus zum Täter führen, erst gar nicht zu fürchten. Ihr nächtlicher "Arbeitsplatz" besonders am Wochenende sind vor allem Parkplätze, Baustellen und die freie Feldflur: Aus Lastern, Baggern und Mähdreschern lassen sich auf einen Schlag schon mal 1000 Liter Diesel und mehr schläucheln.

In den Datenbanken der Polizeidirektion in Schwäbisch Hall sind für den Zeitraum von April 2011 bis April 2012 exakt 59 Spritdiebstähle aufgelistet - davon 37 "besonders schwere Fälle", weil die Tankschlösser geknackt wurden. Rein rechnerisch wechselt derzeit im Kreis Schwäbisch Hall also mindestens einmal pro Woche eine opulente Menge der kostbaren Flüssigkeit illegal den Besitzer - wie im August 2011, als nervenstarke Ganoven einen Sattelzug auf dem Reußenberg-Parkplatz der Autobahn 6 um 800 Liter Diesel erleichterten, während der Fahrer in seiner Kabine schlummerte.

Frank Milläger kennt die Folgen solcher energetischen Raubzüge nur zu gut: "Tankschlösser werden mit brachialer Gewalt aufgehebelt - und wenn das nicht gelingt, wird kurzerhand ein Loch in den Tank gebohrt", wie der Werkstattleiter der Nutzfahrzeuge-Firma Stegmaier in Crailsheim sagt.

In einem solchen Bohr-Fall helfen allerdings auch robuste Drahtsiebe nichts, die viele Lkw-Besitzer in die Einfüllstutzen der Tanks nieten, um die Saugrüssel von Elektropumpen fernzuhalten.

Viele Fuhrunternehmen haben mittlerweile vor dem ausufernden Spritklau resigniert und statten die Tanks ihrer Lkw-Flotten erst gar nicht mehr mit Schlössern aus, um den Schaden im Ernstfall nicht noch größer werden zu lassen.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

EBM-Papst hält an Ausstieg fest

Der Mulfinger Ventilatoren- und Elektromotorenspezialist betont, dass er das geplante Institut am Künzelsauer Hochschul-Standort nicht mitträgt. weiter lesen