Im Kochertal Mobilität für alle

Als erste Gemeinde im Kreis Hall hat Sulzbach-Laufen ein Dorfauto. Jeder Führerscheininhaber kann den Wagen für 2,30 Euro pro Stunde mieten.

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Raimund Baur vom gleichnamigen Mutlanger Autohaus, Bürgermeister Markus Bock, die Freundeskreismitarbeiter Gebhard Würth, Katrin Freimüller, Günther Kengeter, Klaus Bauer sowie Gerhard Nübel vom Bauhof (von links) gestern Morgen bei der Übergabe des Autos. Der Ford Tourneo ist ein Siebensitzer.  Foto: 

Reimund Baur holt Carsharing aufs Land. Der Ford Tourneo steht fahrbereit und vollgetankt auf dem Parkplatz der Stephan-Keck-Halle. Wer den Wagen fahren möchte, lässt sich im Rathaus Sulzbach-Laufen für 9,90 Euro registrieren und bekommt einen Chip als Autoschlüssel. Die gezahlte Summe kann er abfahren. Für eine Stunde zahlt der Nutzer 2,30 Euro, für den gefahrenen Kilometer 19 Cent. Mit 90 Euro im Jahr kann man  die Selbstbeteiligung am Auto auf 300 Euro senken, anderenfalls liegt sie bei 1500 Euro. Wer mit dem Dorfauto einen Tag lang unterwegs ist, zahlt 39 Euro. In der Nacht kostet der Ford 1,50 Euro pro Stunde.

Per App oder online kann der Ford gebucht werden. Die Gemeinde stellt den Parkplatz und erledigt die Registrierung. Damit ist ihr Part beendet. „Auch begleitetes Fahren für Führerscheininhaber ab 17 Jahren ist möglich“, erklärt Bürgermeister Markus Bock. Für den Unterhalt und die Wartung des Mietwagens sorgt das Autohaus Baur in Mutlangen.

40 Dorfautos in 15 Gemeinden

Vor drei Jahren hat das Autohaus das Carsharing nach Schwäbisch Gmünd gebracht. Inzwischen rollen 40 Baur-Dorfautos in 15 Gemeinden Ostwürttembergs, so auch in Schechingen, Ruppershofen und Eschach. „Wir bewegen uns jetzt in Richtung Crailsheim. Demnächst kommt das Dorfauto nach Jagstrot. Damit wollen wir die Lücke zwischen ÖPNV und Individualverkehr füllen“, sagt Geschäftsführer Reimund Baur. Die Zielgruppe seines Angebots sind Familien, die sich keinen Zweitwagen leisten wollen oder können, Firmen und Vereine. Der Ford hat sieben Sitze und ist mit Standards wie Navi und Radio ausgestattet. Strafzettel leitet die Firma an den registrierten Fahrer weiter, bestätigt Baur lächelnd.

Wer einmal registriert ist, kann deutschlandweit am Carsharing teilnehmen, versichert er. „Sie können mit dem Zug nach Hamburg fahren und reservieren sich dort ein Auto und lassen es anschließend wieder an Ort und Stelle zurück“, erklärt er.

Der Freundeskreis „Mitmachen, mithelfen“ wird das Dorfauto für Fahrten mit Senioren nutzen. Seit Jahresbeginn bietet er sie an, allerdings ist die Resonanz bislang verhalten, sagt Katrin Freimüller. Über die Gründe der Zurückhaltung kann sie nur spekulieren: „Vielleicht ist die Hemmschwelle noch zu hoch. Man könnte ja denken, die Senioren hätten niemand, der sie fährt.“ In Gschwend wird der Fahrdienst seit 15 Jahren mit Erfolg angeboten, auch in Gaildorf könnte der Stadtseniorenrat wegen der hohen Nachfrage viel mehr Chauffeure brauchen. Katrin Freimüller koordiniert die Einsätze der fünf Fahrer in Sulzbach-Laufen.

Hotline für den Notfall

Sollte sich ein Fahrer des Dorfautos verspäten, kann er den nächsten Nutzer über eine Hotline informieren lassen. Das Gleiche trifft im Schadensfall zu. Ist der Tank nur noch zu einem Viertel gefüllt, sollte er volltanken. Der PIN-Code steht auf dem Autoschlüssel. „Mit dem Diesel 6 kann man auch nach Stuttgart fahren“, sagt Markus Bock. Mit dem angedachten Bürgertaxi wäre das nicht möglich gewesen. Die Gemeinde hat ihren Antrag auf Geld aus der Leaderförderung zurückgezogen, „weil an der Grenze des Leadergebiets die Fahrt geendet hätte. Die Leute hätten nicht mal ins Diak nach Hall fahren können“, sagt Bock.

Reimund Baur überlässt den Ford der Gemeinde für 18 Monate. „Dann werden wir sehen, ob wir schwarze Zahlen schreiben“, sagt Baur. Nach seinen Erfahrungen mit anderen Gemeinden ist er zuversichtlich, dass das Dorf­auto in Sulzbach-Laufen gefragt ist. Seine Vision: „In fünf oder zehn Jahren fahren hier im Kochertal fünf oder mehr Dorfautos, vielleicht auch solche mit Elektromotor.“

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