Hilfe in den letzten Stunden - Hospizgruppe Gaildorf sucht Ehrenamtliche

18 Frauen arbeiten derzeit ehrenamtlich für die Hospizgruppe der kirchlichen Sozialstation Gaildorf. Es dürfen aber gerne mehr werden, sagt Monika Weber. Im Januar ist die nächste Qualifikation geplant.

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  • Einfach da sein: Ehrenamtliche Hospizhelfer betreuen Menschen, die im Sterben liegen. Fotos: dpa, Richarid Färber 1/2
    Einfach da sein: Ehrenamtliche Hospizhelfer betreuen Menschen, die im Sterben liegen. Fotos: dpa, Richarid Färber
  • Monika Weber, Palliative Care Fachkraft, leitet die Gaildorfer Hospizgruppe. 2/2
    Monika Weber, Palliative Care Fachkraft, leitet die Gaildorfer Hospizgruppe.
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Neben einem Menschen zu sitzen, der gerade seine letzten Stunden erlebt, ist nicht Jedermanns Sache. Einerseits. Andererseits gehört das Sterben untrennbar zum Leben, ist also ein Vorgang, vor dem man die Augen nicht zu sehr zukneifen sollte - die Auseinandersetzung mit dem Sterben, mit Tod und Trauer kommt unweigerlich.

Niemand weiß das besser als Monika Weber, die Leiterin der Hospizgruppe der kirchlichen Sozialstation Gaildorf. 18 Frauen, die bereit sind, sich ehrenamtlich um Sterbende zu kümmern, hat die Palliative Care Fachkraft derzeit unter ihren Fittichen, und sie ist guter Dinge, dass die Gruppe weiter wachsen wird. Im Januar 2015 wird in Gaildorf ein neuer Qualifizierungskurs beginnen und es haben sich im Vorfeld bereits etliche Interessenten gemeldet. Männer sind in der ehrenamtlichen Hospizarbeit eher selten - zwischenzeitlich aber, sagt Monika Weber fast stolz, habe sich auch in Gaildorf ein männlicher Interessent gemeldet.

Wer sich für die Hospizarbeit interessiert, muss keine Angst haben oder sich Sorgen machen, der Aufgabe nicht gewachsen zu sein. Es ist ein elementarer Grundsatz der Hospizarbeit, dass von den Menschen, die sich in ihr engagieren, nichts erwartet wird, was sie sich nicht selbst zutrauen. Sie werden auch nicht ins kalte Wasser geworfen: Bevor sie zum Einsatz gebeten werden, absolvieren sie eine theoretische und praktische Schulung. Sie lernen, die richtigen Worte zu finden, sie lernen Sterbende anzufassen und dass es manchmal genügt, eine Hand zu halten, um einen Menschen zu beruhigen. Und wenn sie im Verlauf dieser Schulung dennoch zu der Überzeugung gelangen, dass sie sich für die Hospizarbeit nicht eignen, ist ihnen niemand böse.

Diese letztgültige Entscheidung müsse man offen lassen, sagt Monika Weber. Der Qualifizierungskurs müsse deshalb unverbindlich sein: Wer unsicher sei, könne problemlos wieder abspringen. "Das ist wichtig!" Manche Frauen wüssten auch, was auf sie zukomme, weil sie schon einmal einen Sterbenden betreut haben. "Sie wollen wissen, was sie falsch gemacht haben oder was sie besser machen können."

Die Gaildorfer Hospizgruppe gibt es bereits seit 2003. Sie wurde von Christine Cermak, der damaligen Leiterein der Diakonischen Bezirksstelle in Gaildorf gegründet und 2011 in den kirchlichen Sozialdienst übernommen. Zuständig ist die Gruppe für den Kirchenbezirk, sie ist aber im Kontakt mit den Hospizgruppen der Anrainerbezirke. Von dort kann auch Hilfe angefordert werden, wenn spezielle Qualifikationen nötig sind, etwa wenn ein Kind betreut werden muss.

Sterbende sollten nicht alleine sein - das ist der Grundsatz der Hospizarbeit, die sich in den letzten Jahren beachtlich entwickelt hat. Das liegt auch daran, dass der Gesetzgeber den auch wirtschaftlichen Nutzen erkannt und die Schulungen mittlerweile in den Förderkatalog des Sozialgesetzbuches aufgenommen hat. Im Landkreis Schwäbisch Hall soll nun, wie gestern berichtet, mit der Einrichtung eines stationären Hospizes eine der letzten Versorgungsglücken geschlossen werden.

Voraussetzungen für eine Betreuung durch die Hospizgruppe gibt es nicht. Weltanschauung oder Religion spielen so wenig eine Rolle wie die Krankenkasse oder der Pflegedienst. "Wir fragen nicht, ob jemand unsere Dienste nutzt oder nicht", betont Andrea Beck, die Leiterin der Sozialstation.

Dass man sich um einsam sterbende Menschen kümmern müsse, sei allerdings eher die Ausnahme, sagt Monika Weber. In der Regel werden die Frauen der Gruppe eingesetzt, um Angehörige oder Pflegepersonal zu entlasten. Das können ein paar Stunden sein, sagt Weber,es könne aber auch Jahre dauern. Oft nutzen die Angehörigen die Möglichkeit, ein paar Stunden freizunehmen, auch gar nicht aus. Es gibt Dinge, die sind wichtiger: Sie bleiben, um sich auszusprechen.

Qualifikation und persönlicher Austausch

Die Gruppe Die Hospizgruppe der kirchlichen Sopzialstation Gaildorf wird von Monika Weber geleitet. Derzeit sind 18 Frauen in der Gruppe aktiv. Der Zuständigkeitsbereich entspricht dem des Kirchenbezirks.

Qualifizierung. Die Ausbildung zum ehrenamtlichen Hospizhelfer ist für die Teilnehmer kostenlos. Sie findet an vier Wochenenden jeweils freitagabends und samstags statt. Das anschließende Praktikum umfasst 24 bis 28 Stunden. Mindestens ein Mal pro Monat organisiert die Sozialstation ein Treffen der Hospizhelferinnen, zu dem in der Regel ein kurzer Fachvortrag und viel persönlicher Austausch gehört.

Termine Die nächste Qualifikationsrunde ist im Januar 2015 geplant. Am kommenden Mittwoch, 22. Oktober, findet dazu in den Räumen der Sozialstation im Forsthaus in Gaildorf ein Informationsabend statt. Er beginnt um 19 Uhr. Die kirchliche Sozialstation Gaildorf ist unter der Telefonnummer 07971/8987 zu erreichen.

SWP

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